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Das Ruder herumreissen - oder: Meine Tipps für besseres Rollenspiel

In diesem Monat hat die Zeitzeugin das Thema 'Tipps zum besseren Spielen' beim Karneval der Rollenspielblogs angestoßen, und ich will euch meine Gedanken zu diesem Thema nicht vorenthalten. Vor allem nicht, weil sie universell sind - denn Rollenspiel findet inzwischen schließlich nicht mehr nur am Tisch unter Freunden statt, sondern auch und in vielen verschiedenen Formen online oder bei LARP-Veranstaltungen. 
Gerade beim Aufeinandertreffen mit anderen Menschen, die nicht zum unmittelbaren Freundeskreis gehören, sind sehr unterschiedliche Meinungen und weitaus weniger Hemmungen, diese sich so richtig derb um die Ohren zu schlagen, inzwischen alltäglich geworden. Die Anonymität des Internet macht es eben auch leichter, sich hinter einem Namen oder Label zu verstecken - und bietet eine Menge Frustpotential unter Spielern, die sich eigentlich mit einem gleichen oder ähnlichen Ziel aufgemacht haben, um Mitspieler zu finden: die Suche nach dem Spaß im Rollenspiel.

1. Wenn Dir jemand auf die Nerven geht, atme tief durch und gehe die Sache ruhig an
Man kennt diesen Moment denke ich zur Genüge: Meinungsverschiedenheiten, seien es wegen Regeln, Aktionen des Charakters oder generell unterschiedlicher Ansichten zu einem bestimmten Thema. Es liegt bei einem selbst, wie weit man eine Diskussion ausufern und vielleicht sogar eskalieren lässt: beides ist der Lösung des Problems nicht dienlich. Bei Rollenspiel im Internet hat man die gute Gelegenheit, einfach den Rechner abzuschalten und sich Zeit zum abregen zu geben - meistens hilft es, eine Nacht lang über etwas zu schlafen, um sie am nächsten Tag sachlicher diskutieren zu können. In einer Tischrunde kann es helfen, wenn der Spielleiter eine solche Diskussion abkürzt - Master's Voice! - und man sich ausserhalb der Runde in aller Ruhe noch einmal trifft und erklärt, warum einen was genervt hat, ohne den anderen direkt anzugreifen. Wer dabei bleibt, die eigene Reaktion auf eine Verhaltensweise eines anderen zu erläutern, kann dem anderen helfen, ihn besser verstehen zu lernen. Und damit vielleicht auch eine neue Situation dieser Art zu vermeiden.
Persönliche Beleidigungen, egal, wie locker sie einem auf der Zunge liegen, helfen absolut nicht. 



2. Mache niemand anderen für Deinen Spaß am Spiel verantwortlich
Es ist so leicht, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen und zu sagen: Der hat mir den Abend/das Spiel/die Runde/das Con versaut. Aber ist diese eine Person und ihr Handeln dann wirklich schuld daran, dass man sich über mehrere Stunden, vielleicht sogar Tage schlecht gefühlt hat und keinen Spaß am Spiel hatte?
Man hätte diese Person doch auch vermeiden, hinter sich lassen können oder einige eigene Aktionen starten, um sich wieder dem zuzuwenden, weswegen man sich ursprünglich engagiert hat: Dem Spielspaß. Es ist wohl menschlich, dass wir gerne motzen und meckern, und uns in diesem Gefühl gerne eine Weile lang suhlen - immerhin hat einem ein anderer anscheinend unrecht getan. Aber ich halte derlei für verschwendete Energie, denn in der Zeit, in der man sich über jemand anderen ärgert, könnte man viel sinnvolleres tun. Gerade, wenn das eigene Zeitkontingent für Rollenspiel durch RL, Job und andere Verpflichtungen geringer geworden ist, sollte man diese Zeit nicht mit sich-ärgern vertun. Denn dadurch ändert man nichts an der Situation, man verlängert das eigene Verharren darin nur. Und seien wir ehrlich, wollen wir so etwas wirklich?

3. Tue etwas unvorhergesehenes
Manchmal komme ich am Besten aus meinem eingefahrenen RP-Trott, wenn ich mir Dinge überlege, die total abseits der Norm sind - beispielsweise ein Charakter, der sich ein neues Ziel setzt, weil ihm durch ein Erlebnis die Lust auf Neues erwachsen ist. Meine DnD-Zwergenbardin hatte sich irgendwann in den Kopf gesetzt, Aquan zu lernen, die Sprache der Wasserwesen, weil sie in einem Abenteuer einem gefangenen Wasserelementar begegnet ist und mit diesem nicht kommunizieren konnte. Einen Lehrer für Aquan zu finden, der eine zwergische Bardin an seinem Wissen teilhaben ließ, war nicht gerade leicht - und hat für eine Menge Spiel gesorgt. Ebenfalls waren ihre späteren Sprachübungen auf Aquan immer für einen Lacher gut.
Man kann meiner Ansicht nach aus jeder Szene irgend etwas mitnehmen, eine Anregung, eine neue Idee, eine absurde Vorliebe, und gerade dadurch kann wieder viel Leben ins Spiel gelangen. Rollenspielcharaktere mit Macken und seltsamen Hobbies sind doch auch viel amüsanter und spannender als der 0815-Paladin, dem die Sonne aus dem Arsch scheint und der so grundgut ist, dass man schon Tage zuvor weiss, wie er auf eine bestimmte Situation reagieren wird. Und wenn man keine spontanen Ideen hat, stellt euch selbst in aller Ruhe eine 100 Punkte umfassende Liste mit seltsamen Verhaltensweisen und absurden Vorlieben zusammen, aus denen ihr in Momenten, in denen für euch tote Hose herrscht, etwas auswürfelt ... 

4. Schaffe Verknüpfungen mit anderen Charakteren
Ich habe gemerkt, dass in PnP-Runden oft sehr unterschiedliche Charaktere in der Spielergruppe unterwegs sind - und dass es naturgemäß schwierig wird, alle Meinungen unter einen Hut zu bekommen. In meiner aktuellen DnD-Runde mit sehr neuen Charakteren führten die  unterschiedlichen Meinungen sogar dazu, dass die Helden eine kleine Stadt in die Luft gesprengt haben - glücklicherweise hat keiner überlebt, um die Truppe danach deswegen anzuzeigen ...;)
Lange Rede, kurzer Sinn: Hätten die Charaktere sich besser gekannt, wären sie vielleicht eher auf einer Linie gelegen, was die Konsequenzen für die Stadt angeht, das Abenteuer hätte ganz anders verlaufen können (und wir hätten den Loot nicht auch mit in die Luft gesprengt).
Sich mit den Vorlieben und Abneigungen anderer Charaktere oder auch deren Vorgeschichte zu befassen, hilft ungemein, um eine Gruppe zusammen wachsen zu lassen - auch beim LARP oder Online-Rollenspiel. Die meisten Spieler erzählen gerne etwas über ihre Charaktere, immerhin hat man den Char mühsam zusammengebastelt, beim LARP meist noch Kleidung passend zur Kultur und Stellung des Charakters gekauft oder selbst genäht - bisher hat zumindest beim LARP noch nie ein Mitspieler abgelehnt, mir etwas über den gespielten Charakter zu erzählen. Und falls man sich auf einem anderen Con oder bei einem Online-MMORPG-Szenario wieder trifft, hat man sofort Anknüpfungspunkte für ein gemeinsames Spiel.

5. Gib dem Spielleiter, Meister, den Gamemastern oder der Con-Orga ein bisschen Liebe
Spielleiten ist ein hartes Geschäft. Ich war fast zehn Jahre lang Gamemaster bei einem Ultima-Online-Freeshard und es gibt eigentlich nicht mehr viel, was ich nicht gemacht oder erlebt habe im Umgang mit Mitspielern. Mit Kritik, Wut und Missgunst sind viele Menschen sehr schnell dabei. Bedankt haben sich aber in all den Jahren nur wenige - und so geht es auch vielen anderen Leuten, die spielleiterische Tätigkeiten ausüben. Wenn euch das Spiel in eurer Runde gefällt, dann lasst den Meister das auch wissen. Wenn es Dinge gibt, die euch nicht gefallen, dann sprecht das ruhig und freundlich an, ohne denjenigen anzugreifen, macht konstruktive Änderungsvorschläge. Gerade langjährige Meister können gerne mal einfahren in ihren Gewohnheiten, und ohne Feedback ändert sich nichts.
Und hat nicht jemand, der einen über Jahre hinweg mit Ideen, Monstern, NPCs und einer lebendigen Spielwelt begeistert, mal ein Dankeschön verdient? Legt zusammen, gebt dem Meister ein leckeres Essengehen aus. Lasst eure Spielleiter wissen, wenn ihr Spaß hattet, warum ihr Spaß hattet - und sagt Danke. Denn das, was ihr im Spiel erlebt, ist meist nur ein Bruchteil dessen, was ein Spielleiter leistet - vieles bleibt ungesehen, ungehört, unbedankt. Gutes Rollenspiel lebt auch von einer guten Spielleitung - und die ist kein Konsumprodukt, das man aus dem Regal nimmt und nach Gebrauch in die Ecke stellt, da steckt ein kreativer Kopf dahinter, der sich Gedanken macht und Zeit nimmt. So etwas ist nicht selbstverständlich.

Das waren meine fünf Grundgedanken zu besserem Spielen - und ja, die meisten haben nicht konkret etwas mit dem Spiel selbst zu tun, sondern mit der eigenen Einstellung und dem Drumherum. Rollenspielen bekommt man in der Regel ganz gut alleine hin, aber positiver Umgang mit Mitspielern, Spielleitung und Konflikten ist etwas, das man erlernen muss. Ich hoffe, diese Gedanken können dem einen oder der anderen eine kleine Hilfe sein :)

Über Nerd- Gedanken

Nerd-Frau Mitte 30 und Kreative aus Leidenschaft, die permanent unter Ideen-Überdruck leidet. Schreiben, zeichnen und neue Welten entwerfen sind meine Hauptbeschäftigung. Man findet man mich im Netz überall dort, wo interessantes Rollenspiel und faszinierende Menschen locken.

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