Karneval der Rollenspielblogs

Rückblick: Ein Monat voller ungewöhnlicher Gegner

Es war ein Sprung in kaltes Wasser, als ich mich bereit erklärte, den Karneval der Rollenspiel-Blogs im Monat Januar zu hosten - so lange gibt es die "Nerd-Gedanken" schließlich nicht, und die Hosts der vorherigen Monate waren bekannte Gesichter mit einer Menge Gewicht. Aber man lernt nichts neues, wenn man nichts ausprobiert, also war der Plan gefasst und ich hatte im Januar eine Menge interessanter Einblicke in die Gedanken anderer Rollenspieler, die zum Thema "Ungewöhnliche Gegner" ihre Beiträge verfasst haben.

Die Teilnehmer haben sich dem Thema auf unterschiedliche Art und Weise angenähert - ich hatte bewusst nur einige wenige Grundgedanken vorgegeben, da ich gehofft hatte, niemanden in seiner oder ihrer Kreativität zu sehr einzuschränken. Die Ergebnisse können sich meiner Ansicht nach sehen lassen - insgesamt 21 Artikel kamen zusammen, und sie waren meiner Ansicht nach sehr unterschiedlich, dadurch aber nicht weniger spannend. Dafür noch einmal an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle, die diesen Karneval durch ihre Ideen bereichert haben - ihr habt mich sehr positiv überrascht!

Aber kommen wir zum vom Titel versprochenen Rückblick auf den vergangenen Monat voller ungewöhnlicher Gegner:

Zunächst versuchte vor allem d6ideas, den Begriff 'ungewöhnlich' ein bisschen näher zu definieren, schließlich interpretiert dies jeder Mensch für sich anders. Was der eine für langweilig hält, ist vielleicht für den anderen gerade durch eine gewisse Durchschnittlichkeit Besonderes. War das Thema also ungewöhnlich schwierig? Vielleicht sind gerade sehr leichte Gegner etwas, die außerhalb der Norm stehen, weil sie durch seine offensichtliche Inkompetenz aus der Masse hervorstechen.  Das System L5R scheint es dem SL jedenfalls schwer zu machen, wirklich ungewöhnliche Gegner zusammen zu basteln. Für das System "Beutelschneider", das gewissermaßen von ungewöhnlichen Gegnern lebt, spendiert d6ideas einen besonders wandelbaren Gegner. Einige letzte Konzeptideen aus der Schmiede von d6ideas dürfen natürlich auch nicht fehlen und runden die insgesamt fünf Beiträge ab - ihr seid Spitze! :)

Belchion erinnert uns dagegen an die legendären Tucker's Kobolds, die Spieler durch ihre Spezialeigenschaften die Tränen in die Augen treiben - allerdings wird von der Nachahmung abgeraten, wenn man als SL seine Gruppe mag. Vor solchen Auswüchsen muss man bei Sprawldogs keine Angst haben, denn sein Nekromant passt zu Shadowrun wie die Faust aufs Auge und dürfte für gestandene Chummer eine echte, aber faire Herausforderung sein. Wenn ich mal von meinen Mitspielern bei SR als SL auserkoren werde, dürfen sie sich auf eine schöne Überraschung gefasst machen, muhahaha!
Bei Chtulhu kann man ebenso auf besondere Gegner treffen - Seanchui sieht diese in einer von Mythen und Ungewöhnlichem angereicherten Welt allerdings eher im Alltäglichen: Gangster, die Religion Voodoo und ihre Auswüchse, sogar Saurier dürften für Abwechslung sorgen. 

Denselben Gedanken verfolgt das Haus der Renunziation, welches einen Jedermann für Unknown Armies antreten lässt, der so stinknormal ist, dass er einem in einer Menschenmenge höchstwahrscheinlich nicht auffallen wird.
Wer einmal eine historische Figur verwenden möchte, sollte sich den byzantinischen Kaiser Michael Palaiologos von Ghoultunnel ansehen, der neben seinen Armeen auch die unangenehmen Fähigkeiten eines Erzmagiers mitbringt. Oder wie wäre es mit außergewöhnlichen Drachen?
Die von Hârnmaster vorgestellten Weiherdrachen aus Hârnworld haben eine eigene, tiefgreifende Kunst, Musik und Kultur entwickelt und sind eigentlich als pures Schlachtvieh viel zu schade. Das wohl gegensätzlichste Gegnerszenario bietet allerdings Pendragon mit der Idee "Knights vs. Aliens", bei der einige Ritter die Begegnung der dritten Art haben und sich kampfkräftig gegen die Invasoren aus dem All durchsetzen müssen. DAS würde ich doch gerne mal als Film mit aktueller Technologie sehen - Roland Emmerich hat's vor 20 Jahren mit "High Crusade" vorgemacht.

Ein anderer Ansatz war ein eher theoretisches Herangehen an die Thematik und bietet für Spielleiter so einige Anregungen, wie man für die eigene Gruppe und den eigenen Spielstil ungewöhnliche Kreaturen und Gegner entwerfen kann.
Der Goblinbau rät Spielleitern, aus einem einfachen Drachen DEN besonderen Drachen zu machen, an den man sich als Spieler lange erinnert - mit einem kultverdächtigen Namen, überraschenden Fähigkeiten und natürlich dem Potential, sich aus einer Masse herauszuheben. Derartiges habe ich selbst auch schon gemacht, als ich meine Spieler zur Verzweiflung getrieben habe und ein einfacher Schleim, der im Spiel nichts aushält, durch nur eine einzige neue Fähigkeit zu einem echten Problem wurde. Auch Tagschatten ist der Ansicht, dass ein besonderer Gegner ein erinnerungswürdiger Gegner sein sollte - die genannten Beispiele, mit denen man einen Gegner aus der Masse heraus hebt, finde ich auch für Anfänger gut anwendbar und sehr brauchbar.

Chaos am Spieltisch schlägt vor, sich mit dem Spielstil der eigenen Gruppe zu befassen, um einen auf diese zugeschnittenen Gegner zu konstruieren - schließlich bringt es nichts, sich stundenlang Gedanken um etwas zu machen, das dann von den Spielern überhaupt nicht ernst genommen wird. Die Herausforderung für die Spieler findet RPGnosis in einer geschickten Anwendung von Regelmechanismen, indem man die Helden in ihrer Kampftaktik auf etwas Neues stoßen lässt, anstatt ihnen einfach nur einen überpowerten Megagegnern entgegen zu stellen. Die gut greifbaren Beispiele helfen, diese Methodik nachzuahmen.
Wer einen immateriellen Gegner bevorzugt, sollte sich den Geist in der Maschine von Spiele im Kopf zu Gemüte ziehen - denn auch in einem Fantasy-Rollenspiel lässt sich eine feindselige Umgebungs-Intelligenz installieren, ohne weniger glaubwürdig zu werden; von SciFi und Steampunk mal ganz zu schweigen. Brauchbare und abwechslungsreiche Szenarioideen gibt's hier zudem gleich mitgeliefert.

Wenn ich selbst nach einer guten Möglichkeit suche, meine Spieler mit etwas Besonderem zu konfrontieren, wende ich die Spiegel-Methode an und lasse sie quasi gegen sich selbst antreten - natürlich mit dem ein oder anderen Gimmick. Phönixbanner punktet mit dem Grundgedanken besonderer Gegner-Konzepte, zu denen er aus den Abenteuern für "Das Schwarze Auge" auch gleich passende Beispiele nennt, falls der geneigte Leser seine Ideen gleich am Spieltisch umsetzen möchte. Mir hat dabei 'Dein Gepäck, Dein Gegner' am Besten gefallen, da es beispielhaft zeigt, wie leicht es ist, durch eine eigentlich alltägliche Sache die Spieler richtig ins Schwitzen zu bringen.
Zu guter Letzt darf natürlich auch der Podcast von Greifenklaue nicht fehlen, in dem Rollenspiel-Produkte und -projekte vorgestellt werden, in denen ungewöhnliche Gegner zu finden sind. Wenn das nicht neugierig macht, sich mal an etwas Neuem zu versuchen, weiss ich es auch nicht :)

Damit bin ich am Ende angelangt und hoffe, dass ihr bei der Lektüre dieser vielen tollen Artikel ebenso viel Vergnügen hattet wie ich. Für mich hat sich dieser Monat als Host jedenfalls gelohnt - viele neue Ideen, viele Anregungen, einige Methoden und Konzepte, die ich selbst noch nicht kannte, und das alles frei Haus. Es wird sicher nicht der letzte Karneval gewesen sein, den ihr hier finden könnt :) Im Februar ist übrigens Greifenklaue mit dem Thema "Zufallstabellen" dran - schaut doch mal 'rein!

Über Nerd- Gedanken

Nerd-Frau Mitte 30 und Kreative aus Leidenschaft, die permanent unter Ideen-Überdruck leidet. Schreiben, zeichnen und neue Welten entwerfen sind meine Hauptbeschäftigung. Man findet man mich im Netz überall dort, wo interessantes Rollenspiel und faszinierende Menschen locken.

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