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Rezension: Medstar I - Unter Feuer

Der Sumpfplanet Drongar ist durch die adaptogene Sporen-Fauna der denkbar ungeeignetste Schauplatz für den in der Galaxis zwischen Republik und Separatisten tobenden Klonkrieg, doch durch die nur dort wachsende, wertvollen Heilpflanze Bota ist der Planet für beide Seiten von unschätzbarem Wert.
Während die Klon-Fußtruppen gegen die Droidenarmee der Separatisten kämpfen, haben die Ärzte des Feldlazaretts der Republik (kurz Flehr) 7 alle Hände voll damit zu tun, die eingelieferten Verletzten angemessen zu versorgen. Versorgungsengpässe, dauernd fehlende Ersatzteile für die Meddroiden, das heiße Klima und die allgegenwärtigen, mutierenden Sporen machen den Ärzten dabei besonders das Leben schwer.

Das bunt gemischte Team von Flehr 7 hat zudem mit eigenen Problemen zu kämpfen – der corellianische Chefchirurg Jos Vondar, versucht in seiner Freizeit mit Alkohol, Sabacc und Zynismus mit der stetigen Flut an Verletzten klar zu kommen, der Zabrak-Chirurge Zan Yant, hätte ohne den Krieg zu einem berühmten Quetarra-Musiker werden können, die lorrdianische OP-Schwester Tolk le Trene schwärmt im Geheimen für Jos Vondar, dessen kulturelle Herkunft ihm eine Liaison mit Andersweltlern verbietet.
Auch der Kriegsberichterstatter und Enthüllungsjournalost Den Dhur strandet auf Drongar, auf der Suche nach einer neuen und aufregenden Story stolpert er schon bald über so manche Ungereimtheit in der Bota-Verschiffung, die er dem zwielichtigen huttischen Versorgungsoffizier Flimsa anlastet.

In dieser verworrenen Situation erreicht Jedi-Padawan und Heilerin Barriss Offee Flehr 7, um auf Drongar ihrer Jedi-Prüfung einen Schritt näher zu kommen und ihre Fähigkeiten dort einzusetzen, wo sie am nötigsten gebraucht werden. Dazu kommen noch die Machenschaften des MedStar-Fregatten-Admirals Tarnese Bleyd, der mit dem Verbrechersyndikat Schwarze Sonne einen lukrativen Handel abgeschlossen hat und regelmäßig durch Flimsa Bota von den Lieferungen an die Republik abzweigen lässt.
Es scheint, als würde die Schwarze Sonne nun gierig und fordere einen höheren Anteil, was Bleyd nicht auf sich sitzen lassen kann – doch die eigentliche Gefahr für das überarbeitete Team von Flehr 7 ist der separatistische Spion, der sich dort eingenistet hat …

Ein Klonkriegsroman, in dem die unmittelbaren Kampfhandlungen nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen, ist etwas außergewöhnliches – und zugleich aber dringend notwendig, um die 'andere' Seite des Krieges ausreichend zu beleuchten. Die Überforderung und der Stress der Ärzte, die tagaus tagein hinter einer Front um das Überleben der Soldaten kämpfen, bei der es eigentlich außer einem Rohstoff für die Republik nichts zu gewinnen gibt, erinnert nicht von ungefähr an die Erfolgs-TV-Serie MASH.
Mit hintergründigem Humor und teilweise fast sachlichen Schlilderungen der Verletzten, der oftmals folgenden Ohnmacht der Serie, wird hier eine Form von Spannung und Weltmalerei geschaffen, die den Leser zu packen weiß und die handelnden Charaktere vielseitig beleuchtet.

Hier sind die handelnden Personen bis auf die Mirialanerin Barriss Offee absolute Unbekannte, die in der Star Wars Saga eine ebenso verschwindend geringe Rolle spielen wie das Individuum eines Klonsoldaten, und doch gelingt es dem Autorenduo, jedem Charakter einen interessanten Hintergrund zu verleihen und diese so ansprechend zu gestalten wie die bekannteren Gestalten.
Dabei ist es angenehm zu sehen, dass auch das Auftauchen einer Persönlichkeit wie Barriss Offee nicht plötzlich alle Probleme löst oder das Leben für die Ärzte wesentlich erleichtert – gerade ihr Zaudern, ihre Zweifel und Schwierigkeiten, mit der Macht und ihrem eigenen Stand zurecht zu kommen, zeigen die Mirialanerin in sympathischer, menschlicher Weise.

Gerade Barriss' Konflikt mit dem Nahkampfausbilder Phow Ji, dessen mörderische und arrogante Grundtendenz ihn fast automatisch zu einer Auseinandersetzung mit der auf Ausgleich bedachten Jedi-Padawan bringen muss, zeigt, wie nahe ein Jedi der Dunklen Seite tatsächlich ist. Auch die Hochstilisierung Phow Jis zum galaktischen Helden erlangt einen besonderen Zynismus, der die Abartigkeiten, die einen Krieg begleiten, deutlich machen.
Die Vielzahl der verschiedenen Motivationen, Wünsche und Zielsetzungen der einzelnen Perspektivträger lassen 'Medstar 1' zu einem spannenden Buch werden, bei dem man sich stets zum weiterlesen motiviert fühlt, um endlich zu erfahren, ob eine bestimmte Angelegenheit funktioniert hat oder wie sich ein Konflikt löst.

Fazit: Wer einen neuen Blickpunkt auf die Klonkriege haben möchte, eine abwechslungsreiche Story mag oder MASH einmal auf 'Star Wars' erleben will, kann hier bedenkenlos zugreifen. Neun von zehn möglichen Sternen.

Buchdetails:
Reihe: Star Wars - MedStar I
Titel: Unter Feuer
Originaltitel: Star Wars Medstar 1. Battle Surgeons
Autor: Michael Reaves & Steve Perry
Übersetzer: Andreas Kasprzak
Buch/Verlagsdaten: Blanvalet Taschenbuch Verlag, 384 Seiten, April 2011, ISBN-13: 978-3442268115, 9,99€

Diese Rezension ist auch auf fictionfantasy.de erschienen.

Über Nerd- Gedanken

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