Erotik

Rezension: Fifty Shades of Grey


Weil ihre Freundin erkrankt ist, übernimmt die junge Literaturstudentin Anastasia Steele deren Interview mit dem Wirtschaftsgiganten Christian Grey für die Universitätszeitung – ohne jedoch zu ahnen, dass diese Begegnung ihr Leben von Grund auf verändern wird. Dass Ana zunächst mit der recht arroganten Art Christians nicht viel anfangen kann, hindert diesen nicht daran, immer öfter in ihrem Leben aufzutauchen, sei es in dem Baumarkt, in dem Ana neben dem Studium arbeitet, wo Grey vorgibt, renovieren zu wollen, sei es auf Anas Abschlussfeier, bei der Grey als Redner auftritt. 

Entgegen seiner Gewohnheiten lässt sich Grey auch darauf ein, sich für das Interview fotografieren zu lassen – und schließlich hat sein beständiges Handeln Erfolg: Ana verliebt sich in den geheimnisvollen Milliardär und lässt sich auch von seinen Beteuerungen, er sei für eine normale Beziehung nicht der passende Partner, nicht abschrecken. Doch Greys Worte haben ihren Grund, der sich Ana erst mit der Zeit eröffnet – und sie mehr als genug erschreckt …

Es gibt Filme, bei denen schon wenige Schnipsel an Information im Vorfeld in den Himmel hinaus gehyped werden, weil das Buch über alle Maßen erfolgreich war. So auch bei »50 Shades of Grey«, dessen Romanvorlage alle Rekorde brach – doch gleichzeitig ist das Buch auch das Haupt-Problem dieses Filmes. 
Wenn die Vorlage schon nur mit einer kruden, wenig durchdachten und in vielen Aspekten einer BDSM-Beziehung problematischen Story aufwarten kann, dann kann man kaum erwarten, beim Film den Wurf des Jahrhunderts zu erhalten. In sofern bin ich schon mit sehr wenigen Erwartungen an diese filmische Umsetzung heran gegangen, die leider tatsächlich an vielen Ecken und Enden krankt.


Dass die Story von »Fifty Shades« aus der billigsten Klischeeschublade stammt, wäre sicher nicht schlimm, hätte man daraus noch etwas Spannendes gemacht. Aber außer »naive junge Frau verliebt sich in superreichen Stalker, der versucht, sie auf seine BDSM-Vorstellung einer Beziehung zu eichen« ist da nichts, allen schönen Bildern zum Trotz. Während bei Christian Greys Ankleideritual im Vorspann noch dezente Spannung aufkommt, da man nie das Gesicht des Hauptdarstellers sehen kann und nur seine Handlungen verfolgt, ist es spätestens beim ersten Blick auf das harmlose Milchbubi-Antlitz des Grey-Darstellers Jamie Dornan aus. 

Es gelingt ihm einfach in keiner Sekunde des Filmes, einen gleichsam intelligenten wie verstörten Mann darzustellen, dessen Tiefen man schon aus purer Neugierde ergründen möchte. Sein Spiel ist selbst in den erotischen Szenen so leidenschaftslos wie ein in die Ecke gespuckter Schluck Wasser und so bleiben die wichtigsten Inhalte des Filmes – nämlich die Sexszenen, welche maßgeblich zum Erfolg des Buches beigetragen haben dürften – total unspektakulär.

Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern ist trotz Dakota Johnsons recht authentischer Inszenierung der jungen Naiven alias Ana Steele einfach weitab von anregend. Daran ändern auch die mit viel Geschmack und Sinn für stimmungsbildende Farbwahl gefilmten Szenen nicht viel. Ästhetisch gesehen kann »50 Shades« durchaus mit einigen Leckerchen aufwarten – schöne Farben, passende Settings und vor allem genug visuelle Abwechslung, dass man sich an den einzelnen Szenen nicht zu früh satt sieht. 


Wäre das doch nur auch bei der Erotik gelungen, bei denen ein durchschnittliches Madonna-Video aus den 90ern vermutlich anzüglicher und versauter ist als alle Sexszenen in »Fifty Shades« zusammen. Sicher, Dakota Johnson hat nach diesem Film vermutlich sehr viel Übung darin, sich kunstvoll so aufzubäumen, dass man ihre Schamregion nicht sieht. Auch im »auf die Lippe beißen« dürfte ihr so schnell keine Schauspielerin gleich kommen.

Vielleicht ist es ja Absicht, dass die Film-Ana sehr viel schlagfertiger ist als die Buchversion und Christian Grey durchaus gegenhalten kann – dieses Element führt die eigentlich gewollte Beziehungsdynamik dieser beiden Charaktere völlig ad absurdum. Wenigstens wurde auch auf etwas anderes verzichtet, das die Buchvorlage neben der mehr als seichten Story zu einer echten Geduldsprobe gemacht hat: die ständigen Referenzen auf Anas »innere Göttin« sind glücklicherweise ganz herausgefallen. 


Generell ergötzt sich diese filmische Umsetzung vor allem in Andeutungen: die in vielem sehr viel härtere Sprache des Buches wurde den zarteren Empfindungen des zu erwartenden Publikums angepasst, die Peitschen und Flogger und sonstiges Spielezubehör werden zwar ausgiebig beleuchtet, aber selten sichtbar benutzt. Ebenso entfallen die vielen Verweise darauf, dass Christian sehr wohl Ana seinen Willen aufzwingt, ohne auf ihre Proteste zu achten und dafür auch Alkohol als probates Mittel benutzt. 
Das Endergebnis ist ein blutleerer, weichgespülter Möchtegernsoftsex-Film, dessen Sexszenendichte und -intensität selbst von einer durchschnittlichen HBO-History-Dramaserie übertroffen wird.

Neben den schönen Bildern gibt es jedoch einen Lichtblick, der mich dann doch noch bis zum Ende des Filmes hat durchhalten lassen – der herausragende Soundtrack mit Interpreten wie Annie Lennox, Beyoncé, den »Rolling Stones« und Frank Sinatra. Danny Elfmans Können rundet die instrumentalen Klänge vollendet ab. Schade, dass man bei einem 125 Minuten dauernden Film vor allem die Musik als positiv in Erinnerung behält!

Fazit: Kann man anschauen, muss man aber wirklich nicht. Wer einen wirklich interessanten und spannenden Film mit BDSM-Beziehung sehen will, sollte auf »Secretary« mit James Spader und Maggie Gyllenhall umsteigen. Drei von zehn möglichen Punkten.

Filmdetails:
Titel: Fifty Shades of Grey
Originaltitel: Fifty Shades of Grey
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 2015
Länge: 125 Minuten
Altersfreigabe: FSK 16
Regie:Sam Taylor-Johnson
Darsteller: Dakota Johnson, Jamie Dornan, Eloise Mumford, Luke Grimes, Rita Ora, Victor Rasuk

Über Nerd- Gedanken

Nerd-Frau Mitte 30 und Kreative aus Leidenschaft, die permanent unter Ideen-Überdruck leidet. Schreiben, zeichnen und neue Welten entwerfen sind meine Hauptbeschäftigung. Man findet man mich im Netz überall dort, wo interessantes Rollenspiel und faszinierende Menschen locken.

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