Crusader Kings II

Never Change A Running System - Der Tag nach 'Conclave'


Ernsthaft, ich liebe eine gute Herausforderung bei einem Strategiespiel. Gerade bei 'Crusader Kings II', das ich am liebsten im Co-Op-Modus zocke, bringen neue Addons meistens einige neue Aspekte ins Spiel. Paradox ist es bisher immer gelungen, die Waage zwischen sinnvoll und spaßig zu halten, ohne den Schwierigkeitsgrad zu heftig anzuziehen. Das neueste Addon "Conclave" hat allerdings einiges an Chaos gestiftet: 
Mit einem lieben Rollenspielkumpel habe ich seit einigen Wochen eine Runde laufen, die wir relativ regelmäßig spielen und bei denen wir Wikinger von ihrer wilden Stammesregierung und drei winzigen Domänen zu einem inzwischen recht großen Reich geführt haben - inzwischen reicht unser neues Skandinavien schon bis zum Mittelmeer.
Meistens natürlich durch wilde Kriege, bei denen wir unsere unmittelbaren Nachbarn überfallen und dem entstehenden skandinavischen Reich eingegliedert haben. Auch der ursprünglich heidnisch-germanische Glaube wurde durch unser werkeln reformiert und eifrig verbreitet - inzwischen ist er neben dem jüdischen und sunnitisch-moslimischen Glauben sowie dem katholischen und orthodoxen Christentum die fünfte Weltreligion.


Besondere Herausforderung war dabei, die unsäglich nervtötende Gavelkind-Erbnachfolge irgendwie loszuwerden - denn die führt dazu, dass alle Besitzungen des aktiven Herrschers bei dessen Tod unter allen männlichen Nachkommen aufgeteilt wird. Wenn man versucht, ein großes Reich zusammen zu basteln, ist das die denkbar schlechteste Erbfolge-Regelung, die man haben kann.
Allerdings gibt es für eine Erbfolge, bei der die Besitzungen nur an einen, den ältesten Nachkommen weitergegeben werden (Ältestenrecht), einige Voraussetzungen. Unter anderem muss man im Lauf der Jahrzehnte und Jahrhunderte das eigene Reich konsolidieren und die Verwaltung zentralisieren; nichts, was man einfach mal so nebenher macht.

In den gut vier Ingame-Jahrhunderten, in denen wir von der Stammesregierung Richtung Feudalsystem gespielt haben, mussten wir bei jedem Herrscherwechsel das Reich mittels Bürgerkrieg immer wieder zusammenholen, Konkurrenten aus dem Feld schlagen und so weiter.
Entspannter wurde es erst, als die Erbfolge endlich nach Wunsch funktioniert hat; auch dann hat man noch genug damit zu tun, die ewig nörgelnden und besitzgierigen Vasallen gewogen zu stimmen. 'Conclave' fügt dem Spiel eine neue Mechanik für den Rat des jeweiligen Herrschers hinzu und stellt einen vor das permanente Problem, dass sich Vasallen mit gleichen Interessen noch lieber zusammenrotten als zuvor und man im Grunde gar nicht genug tun kann, um alle gleichzeitig bei Laune zu halten.

Wenn dann gleichzeitig der alte Fylkrir stirbt (das religiöse Oberhaupt des neogermanischen Glaubens und gleichzeitige Oberherrscher des skandinavischen Reiches) und nur Töchter als Erben vorweisen kann, die von so ziemlich allen Untertanen gehasst werden, kann das ganz schnell in ein Riesenproblem eskalieren:

Unpraktischerweise hat 'Conclave' nämlich auch unser mühsam erworbenes Erbrecht torpediert und auf null zurückgesetzt, da sich die Voraussetzungen für dieses im neuen Addon ein bisschen geändert haben - beim Erbfall war das schöne, riesige Reich der neuen jungen Fylkria plötzlich geteilt, da ihre zweitälteste Schwester eine Hälfte geerbt hat. Nachdem wir das durch einen blutigen Geschwisterkrieg zurückerobert hatten, waren die ganzen Vasallen nicht eben glücklicher über die Herrschaft einer Frau - so wirklich modern waren unsere reformierten Germanen noch immer nicht drauf.

Wir versuchten es mit einer typisch amerikanischen Taktik - einen äußeren Feind suchen, um eine innere Krise zu bekämpfen - und begannen einen Konflikt mit unserem südlichen Nachbarn Italien.  Genau der richtige Moment, für so ziemlich alle unzufriedenen Vasallen, eine kleine Revolte zu starten - dazu einen orthodoxen Glaubensaufstand, der natürlich auch gleich mit einer riesigen Armee von Süden her in Richtung unseres Restreiches marschierte, da vom katholischen Glauben nicht mehr allzu viel übrig geblieben war und nun unser nettes, freundliches, überhaupt nicht aggressives Germanenreich direkt im Blickpunkt der Aufmerksamkeit Andersgläubiger stand:

Die roten Feldchen sind übrigens die Armeen, die unserer verbliebenen und relativ ausgehöhlten Streitmacht entgegen zogen - das war der Punkt, an dem wir entschieden, diese Zeitlinie abzubrechen und unser skandinavisches Reich mit dem alten Addonstand wieder zu laden, um es in aller Ruhe zu Ende zu spielen.
Die Veränderungen in 'Conclave' sind spannend und bieten eine Menge neuer Möglichkeiten, ein Reich effizient zu verwalten - aber wenn ein neu geladenes Addon einfach mal alle Fortschritte, die man in den letzten Jahrhunderten erspielt hatte, auf Null zurück setzt, wird der Schwierigkeitsgrad von 'schwierig' zu 'unmöglich', und dann sollte man sich das nicht unbedingt antun. Es war immerhin einen Versuch wert und wir haben knapp zehn Jahre im Versuch durchgehalten, beim leckgeschlagenen Kahn alle nacheinander auftauchenden Löcher irgendwie zu stopfen, aber irgendwann waren es einfach mehr Löcher als Hände.

Ich habe so eine Situation bei CKII noch nie erlebt und es war ausgesprochen spannend - bisher haben wir jede Krise mit der Nutzung aller Tricks (Gewalt, Vasallen-Geschenke, Bestechung, Verteilung von Ratsposten und niedrigen Titeln, Erpressung und Verführung) beigelegt bekommen, aber das waren einfach zu viele Krisen zur gleichen Zeit. Auch wenn man effizient zusammenarbeitet (der eine spielt den Herrscher, der andere den mächtigsten Vasallen), gehen die Optionen ab einem gewissen Punkt einfach aus.
Also bin ich einfach gespannt, wie das Spiel sein wird, wenn man 'Conclave' von Beginn an einbauen kann - und bis dahin erobern wir mit unseren Wikingern einfach noch ein bisschen den Rest der Welt - ein paar Hundert Jahre bleiben ja noch. Also, wenn ihr das neue Addon ausprobiert, tut das nicht in einem vorhandenen, alten Reich, wenn ihr nichterleben wollt, wie man grandios scheitert, sondern beginnt ein ganz neues Spiel ;)

Über Nerd- Gedanken

Nerd-Frau Mitte 30 und Kreative aus Leidenschaft, die permanent unter Ideen-Überdruck leidet. Schreiben, zeichnen und neue Welten entwerfen sind meine Hauptbeschäftigung. Man findet man mich im Netz überall dort, wo interessantes Rollenspiel und faszinierende Menschen locken.

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