Guide

Neun Antagonistentypen für Helden nach dem D&D-Gesinnungssystem


Bei allen Abenteuern lebt die Story nicht alleine von den Erlebnissen der Helden, sondern auch von den Hindernissen, welche sie bei der Erreichung ihrer Ziele überwinden müssen. Das können rein zufällige, durch die Umgebung und das Verhalten der Charaktere bestimmte Hindernisse sein, oder aber welche, die durch den Antagonisten des Abenteuers gesteuert werden, seien es seine Untergebenen, die durch diesen Antagonisten vorgegebene Szenerie oder den Antagonisten selbst. 

Sehr gerne wird im Rollenspielumfeld dabei schwarz/weiss gemalt - die Heldengruppe steht auf der Seite des Guten, und der Antagonist ist der Böse, gegen den es vorzugehen gilt. Spätestens jedoch, wenn die Helden nicht mehr ganz so strahlende Lichtgestalten sind, wird es schwieriger, ihnen einen Gegner vorzusetzen, der glaubwürdig wirkt.
In diesem Artikel für den "Karneval der Rollenspielblogs" zum Thema "Gesinnungen", der im Februar 2016 von 'Neue Abenteuer' ausgerichtet wird, soll es deswegen darum gehen, anhand des D&D-Gesinnungsmodells und Game-of-Thrones-Charakteren Ideen für Gegner anderer Art zu liefern, die für ganz eigene Geschichten sorgen können - oder dafür, eine den Spielern schon sehr gut bekannte Welt ein bisschen aufzupeppen. 

Der 'böse' Gesinnungsraum im D&D-System


Chaotisch Böse: Der Zerstörer
Mit chaotisch böser Gesinnung sind viele Klischeebösewichte ausgestattet, deren einziger Sinn und Streben es ist, dem persönlichen Vorteil Genüge zu tun und größtmögliches Vergnügen nach eigenem Geschmack aus dem Leben zu ziehen. Für solche Antagonisten sind die Schwachen dazu da, ausgebeutet zu werden, während die Starken jegliches Recht haben, sich zu nehmen, was sie haben wollen. 
Sie töten zum Spaß, weil es ihnen gerade gefällt, und haben eine relativ niedrige Frustrationstoleranz, was zu schrecklichen und für andere tödlichen Gefühlsausbrüchen führen kann, wenn dem chaotisch Bösen etwas missfällt. Gegen eine solche Gesinnung haben naturgemäß die meisten Heldencharaktere etwas und deswegen ist es auch sehr leicht, einen Gegner damit zu basteln. Derart psychopatische Personen lassen sich zudem nur durch Gewalt und Einschüchterung irgendwie kontrollieren - wehe, wenn sie losgelassen!

König Joffrey
ist eine nahezu ideale Verkörperung eines chaotisch bösen Antagonisten, der für sein Vergnügen nicht nur buchstäblich über Leichen geht und sich darüber zudem noch prächtig amüsiert. Er kennt weder Skrupel noch Moral, und was ihm nicht gefällt, wird aus seiner Welt entweder eliminiert oder so weit gebrochen, dass es seinen Vorstellungen besser entspricht.
Ein Gegner dieser Art kann den Helden durch seine willkürlichen Handlungen und mit dem Selbstverständnis eingergehende Grausamkeit sehr viele unvorhergesehene Hindernisse in den Weg setzen - ideal für einen SL, der flexibel bleiben möchte und dessen Heldengruppe gern mal ein bisschen unvorhersehbares tut. Und natürlich für ein Abenteuer, in dem sehr licht gesinnte Helden versuchen, die Welt zu verbessern und die unter diesem Irren leidenden Personen von diesem zu befreien..

Zwei Archetypen im Gespräch: Cersei Lannister und Petyr Baelish
Neutral Böse: Der Übeltäter
Ein neutral böser Charakter ist der ultimative Egoist - er handelt vor allem für den eigenen Vorteil und Aufstieg innerhalb seiner Gesellschaftsumgebung und scheut auch nicht davor zurück, Freunde und Kameraden für persönliche Zwecke zu hintergehen oder zu missbrauchen. Wenn sich ein schneller, einfacher Weg findet, einen Profit für sich herauszuschlagen, wird dieser genutzt, egal ob legal, fragwürdig oder eindeutig illegal.

Petyr Baelish taugt sehr gut als neutral Böser - in der Serie vermählt er beispielsweise Sansa an einen Mann, der ihr sicher nicht guttun wird, um seinen Vorteil zu erlangen, obwohl er Sansa zugeneigt scheint. Auch seine Beteiligung an Jon und Lysa Arryns Tod ist ganz sicher nicht altruistisch zu bewerten.
Wenn die Heldengruppe also ein wahres Wechselbad an Gefühlen erleiden soll, ist ein neutral böser Antagonist sicherlich eine gute Wahl, denn er könnte ihnen zunächst als hilfreicher Helfer zur Seite stehen (wie es Petyr Baelish bei Ned Stark tat), um diese dann in einem schwerwiegenden Moment zu verraten und fortan alle in der Umgebung der Helden zu manipulieren, eher seinen als ihren Zwecken zu dienen. Gerade wenn die Helden mit Intrigen und mehr geistiger als körperlicher Arbeit konfrontiert werden sollen, ist ein Gegner dieser Art geradezu ideal - und könnte schließlich auch durch die Früchte seiner eigenen Intrigen mit zu Fall gebracht werden, wenn die Helden genügend Ansatzpunkte dafür finden.

Rechtschaffen Böse: Der Tyrann
Für einen rechtschaffen Bösen ist das Weltengefüge recht klar organisiert: Macht gebührt denjenigen, die sie verdient haben, und eine klar definierte Hierarchie innerhalb ihrer Umgebung zeigt, wer wohin gehört. Wer also an der Spitze steht, ist für diesen Ort prädestiniert und Gesetze mögen demjenigen nutzen, seine Position zu halten und alle anderen in ihre Schranken zu verweisen. Meist setzen Charaktere mit dieser Gesinnung einen bestehenden Gesetzcodex oder aber, so sie sich als Diktator aus eigenem Recht erhoben haben, ihre klar strukturierten Moralvorstellungen, mit aller zur Verfügung stehenden Gewalt durch. Ein Charakter dieser Art teilt seine Macht nicht und wird gegen jeden vorgehen, der sie in Frage stellt.
Cersei Lannister ist hier ein brauchbares Beispiel - im Glauben aufgewachsen und erzogen, an die Spitze zu gehören, setzt sie mit ihrer Gewalt als Herrscherin ihre Vorstellungen durch (und intrigiert, wenn ihr durch offenes Vorgehen ein Nachteil entstehen würde). Ihr Selbstverständnis, als Herrscherin prädestiniert zu sein, zeigt sich in so gut wie jeder Handlung.
Gerade am Rande der Legalität operierende Charaktere dürften in einem Herrscher dieser Art einen würdigen Gegner finden. Stadtwachen und sonstige Loyalisten können innerhalb einer geschlossenen Umgebung für zwielichtigere 'Helden' ein echtes Problem werden, vor allem, wenn die Heldengruppe einem brisanten Geheimnis des Antagonisten auf der Spur ist. Dabei darf nicht vergessen werden, dass ein rechtschaffen Böser bei allem Hang zu gesetzmäßigem Handeln jedoch immer für eine Überraschung der unangenehmen Art gut sein dürfte. Schließlich leisten sich machtverliebte Herrscher gerne auch mal eine Geheimpolizei oder einen Attentäter ...

Der 'neutrale' Gesinnungsraum im D&D-System


Chaotisch Neutral: Der Freigeist
Bei diesen Charakteren ist vor allem eines sicher - dass nichts wirklich sicher ist. Ein chaotisch Neutraler glaubt daran, dass es keine Ordnung gibt und bezieht das auch auf die eigenen Handlungen, welche oft von der aktuellen Gemütslage bestimmt sind. Sie sind die ultimativen Individualisten und legen sehr viel Wert auf persönliche Freiheit, wenngleich die Freiheit anderer zu beschützen für sie kein wirkliches Thema ist. Solche Persönlichkeiten vermeiden Autoritäten, fordern Traditionen heraus und schätzen Einschränkungen nicht, sondern versuchen sich generell von allen gesellschaftlichen wie humanitären Zwängen zu befreien.
Bronn entspricht hierbei dieser Gesinnung recht gut - alle seine Aktionen sind von seiner Gemütslage und dem Moment stark abhängig, und trotz seiner durch Gold erkauften Treue ist er vor allem sich selbst treu und gewahrt sich einen klaren Ermessensspielraum in dem, was er tut.
Einen solchen Charakter als Gegner zu haben, wird die Heldengruppe vor echte Probleme stellen, denn es wird für sie schwer werden, seine Aktionen vorauszuberechnen und innerhalb der Grenzen üblichen menschlichen Verhaltens abzuschätzen. Ein chaotisch Neutraler verlangt Helden viel Kreativität ab, denn nichts ist weniger vorherbestimmbar als der Zufall, der die Handlungen dieses Gegners stark beeinflussen und unter Umständen sein Vorgehen komplett verändern kann. Ein solcher Gegner hat zudem einen starken Überlebensinstinkt und wird einen für ihn nachteilig verlaufenden Konflikt eher verlassen denn bis zum letzten Moment stehen zu bleiben - er sucht vielmehr eine neue Möglichkeit, den Helden beizukommen und meist eine vollkommen andere, als es sein bisheriges Handeln vermuten lässt.

Neutral: Der Unabhängige
Ein wahrhaft neutraler Antagonist wird für die Helden schon alleine deswegen schwer greifbar sein, da er selten offen und direkt in Erscheinung tritt und die Charaktere vor allem mit den Auswirkungen seiner Entscheidungen konfrontiert werden dürften. Deswegen wird der Neutrale hier auch bewusst nicht as Bösewicht bezeichnet, sondern als Antagonist. Wirklich eindeutig bösartige Handlungen sieht seine innere Agenda nicht von vornherein vor. Er entscheidet in jeder Situation unabhängig und wägt Vor- und Nachteile sorgsam gegeneinander ab, wobei die jeweiligen Entscheidungskriterien sehr von der augenblicklichen Lage abhängig sind. Für gewöhnlich verfügt ein solcher Charakter über ein hohes Maß an Einsicht, Fairness und Welterfahrung.

Schwer vorherzusagen: Tyrion Lannister
Tyrion Lannister erinnert in der stark von Extremen geprägten Welt von Game of Thrones noch am ehesten an dieses Gesinnungsmodell, da er sich weniger von moralischen oder gesetzlichen Regeln denn von seinem gesunden Menschenverstand leiten lässt und letztendlich auf keiner Seite wirklich eindeutig steht. Wie die D&D-Druiden, die als Archetypus des 'True Neutral'-Charakters gelten, schlägt sich auch Tyrion letztendlich immer wieder auf die Seite der Schwächeren und Unterlegenen, wenn er die Wahl hat.
Auch wenn dieser Archetypus nicht von vornherein als möglicher Gegner angelegt ist, so gibt es doch einige Situationen, in der ein bis dato hilfreicher NPC zu einem echten Problem für eine Heldengruppe werden kann: Wenn diese beispielsweise Schwächere unterdrücken oder der Charakter ein grobes Unrecht gegenüber Schwächeren mitbekommt, bei dem die Helden nicht helfen wollen. Oder sich die Heldengruppe zunehmend extremistischer verhält - denn nichts ist für einen wahrhaft Neutralen unerfreulicher als Fanatismus.

Rechtschaffen Neutral: Der Richter
Für einen Charakter dieser Gesinnungsrichtung gibt es nichts Wichtigeres als klar definierte gesetzliche Normen, Traditionen oder einen persönlichen Code, nach dem in jeglicher Lebenssituation gehandelt wird. Ordnung ist ein absoluter Anteil des Lebens eines solchen Bösewichts und mittels einer starken, gutorganisierten Regierungsform für alle bevorzugt. Dabei können jedoch Individualismus, Freiheit und Wahlmöglichkeiten für Lebensentscheidungen schnell auf der Strecke bleiben - ein rechtschaffen Neutraler wird stets versuchen, dem geltenden Gesetz Geltung verschaffen, egal ob es gerecht ist oder nicht. Dazu gehört auch, geltende, von dieser Ordnung umfasste Gesellschaftsstrukturen zu respektieren und zu unterstützen.

Stannis Baratheon ist ein typischer Vertreter einer rechtschaffen neutralen Gesinnung - sein Glaube an seine rechtmäßige Thronfolge führt ihn so weit, dass er sich selbst der düsteren Blutmagie Melisandres bedient, um seinen stärksten Rivalen auszuschalten. Zweifel scheint es für ihn bezüglich des Gesetzes und seines Platzes innerhalb der vorhandenen Ordnung nicht zu geben.
Spätestens, wenn die Heldengruppe sich nicht der vorhandenen Ordnung entsprechend verhält, erwächst ihnen aus einem rechtschaffen neutralen Charakter schnell ein unerbittlicher Gegner, der erst ruhen wird, wenn die Helden die Gesetze respektieren und für Straftaten zur Rechenschaft gezogen wurden.
Durch die mit dieser Gesinnung gern einhergehende Sturheit und das eifrige Beharren auf dem durch den Antagonisten vorgegebenen Wertesystem versagen Mittel wie Bestechung, Überredung oder Verführung naturgemäß und machen den rechtschaffen Neutralen zu einem ausgesprochen unschönen Gegner, der, da er normalerweise eine Position inne hat, in der er das Gesetz vertritt oder sich von Gesetzvertretern Hilfe holen kann, jederzeit Verstärkung erhalten könnte.

Der 'gute' Gesinnungsraum im D&D-System


Chaotisch Gut: Der Rebell
Ein klassischer chaotisch Guter will zwar Gutes tun, sich aber nicht von einem festen System einschränken oder limitieren lassen. Er bricht das Gesetz, wenn er der Ansicht ist, damit etwas Gutes erreichen zu können, und oftmals macht es ihm auch sehr viel Spaß, den Gesetzesvertretern ein Schnippchen zu schlagen. Solche Charaktere finden sich oft als Rebellen innerhalb von Systemen, die von einem rechtschaffen bösen Herrscher kontrolliert werden. Allerdings kann das Handeln eines solchen Bösewichts auch so weit gehen, dass er in Kauf nimmt, eine Gesellschaftsordnung zu Fall zu bringen, egal welche Folgen dies haben könnte - wenn er der Ansicht ist, dass das notwendig ist. Persönliche Freiheit ist einem solchen Charakter sehr wichtig, er wird sich von Autoritäten ungerne einengen oder kontrollieren lassen, ebenso wird er versuchen, Unschuldige zu schützen.

Arya Starks Handlungen entsprechen durchaus einer chaotisch guten Gesinnung, auch wenn viele der Toten auf ihrem Weg auch einem persönlichen Rachefeldzug geschuldet sind und sie sich sicherlich noch in verschiedene Richtungen entwickeln kann. Dennoch weiss sie recht gut, was gut und was böse ist und versucht, für Gerechtigkeit zu sorgen, damit andere von Schaden verschont bleiben. Schon als Tochter eines Lords versucht sie, die Schwächeren vor der Willkür Joffreys zu beschützen.
Spätestens, wenn die Heldengruppe im Auftrag eines tyrannischen oder despotischen Herrschers handelt, kann ein chaotisch Guter zu einem problematischen Antagonisten werden, da dieser durch seine Agenda für gewöhnlich sehr viel Unterstützung des einfachen Volkes erfährt, welches ihn versteckt, ihm Vorräte und Informationen zukommen lässt. Dabei muss den Helden erst einmal gar nicht klar sein, dass das herrschende System vom Herrscher für persönliche Zwecke benutzt wird - wer seine Spieler mit moralischen Konflikten beschäftigen will, trifft mit einem chaotisch guten Gegner eine herausfordernde Wahl. Ist die Gruppe dunkel veranlagt, wäre ein 'guter' Rebell ein nahezu perfekter Antagonist, da er ähnlich wenig regelhörig vorgeht und seine Ziele denen der Gruppe direkt entgegen gesetzt sein dürften.

Neutral Gut: Der Wohltäter
Wie auch ein wahrhaft guter Charakter für eine Heldengruppe zum Problem werden kann, ist mehr als nur eine Überlegung wert - denn eine Person, die stets in allem Handeln versucht, Gutes zu tun und richtig zu entscheiden, ohne sich zu sehr von Regeln beeinflussen zu lassen, diese durchaus beugt, ohne sie zu brechen, kollidiert naturgemäß mit allen, die stur auf der Wahrung von Ordnung beharren. Für einen neutral Guten ist es der Lebensinhalt, hilfreich, gut und richtig zu handeln, wobei 'richtig' durchaus eine Frage der Interpretation sein kann und nicht zwangsläufig 'gesetzmäßig' bedeutet.

Eine Frau, eine Armee, ein Ziel: Daenerys Targaryen
Daenerys Targaryens Kreuzzug zur Befreiung der Sklaven zeigt ihre neutral gute Grundeinstellung zum Leben, doch dass sie, wie alle Personen mit einer klaren inneren Agenda, dabei mit allen möglichen anderen Leuten in Konflikt gerät, ist schon recht früh merklich. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie kompromisslos ein neutral guter Charakter vorgehen kann, der von der Richtigkeit des eigenen Tuns überzeugt ist - und welche Konsequenzen dies mit sich zu bringen imstande ist.
Eine so klare Lebensaufgabe polarisiert naturgemäß, und so kann ein neutral guter Charakter durch die Art, wie er diese verfolgt, sehr schnell zu einem Antagonisten für eine Heldengruppe werden, selbst wenn die Charaktere im Inneren mit der Grundidee des Handelns übereinstimmen. Wenn es jedoch darum geht, auch nach links und rechts abseits des einmal gewählten, humanitären Kurses zu blicken, wird ein neutral Guter seine Grenzen erreichen und könnte sich, die entsprechende Entscheidungsgewalt vorausgesetzt, als Hindernis für Helden erweisen, die auch noch andere Ziele erreichen müssen als nur den Schwachen zu helfen und das Richtige zu tun. Interessant könnte hier ein Szenario sein, bei dem die Spielercharaktere nach und nach mit den Folgen des Handelns ihres Antagonisten konfrontiert werden und gezwungen sind, diesem entgegenwirken.

Rechtschaffen Gut: Der Kreuzritter
Neben einem strikten moralischen Code besitzen rechtschaffen gute Charaktere auch die innere Disziplin und den starken Willen, diesen stets zu befolgen und gegen das Böse in jeglicher Form zu kämpfen. Sie sind sehr verlässlich und handeln buchstabengetreu im Sinne ihres moralischen Codex. Dabei entsteht der heftigste Konflikt für solche Charaktere meist darin, sowohl Recht, als auch Gesetz als auch Gerechtigkeit beim eigenen Handeln zu berücksichtigen - und ein solcher Antagonist hält sich nicht damit auf, das Unrecht in der Welt zu betrachten, er fühlt auch stets den inneren Trieb, diesem entgegen zu treten und zu handeln.

Eddard Stark ist ein geradezu archetypischer rechtschaffen Guter, dessen strikte Moral ihn nicht nur dazu verpflichtet, seinen Bastard am eigenen Hof großzuziehen, obwohl seine Gemahlin dies deutlich missbilligt, sondern der auch versucht, seinen König gegen die Ränke dessen Königin zu beschützen und dafür den höchsten Preis bezahlt. In all seiner Rechtschaffenheit jedoch übersieht Ned Stark deutlich die um den Thron gesponnenen Ränke und die Zweigesichtigkeit anderer Handelnder.
Ähnlich klar ausgerichtet kann ein rechtschaffen guter Antagonist einer Heldengruppe entgegen treten, die einer Agenda folgt, die der seinen entgegen läuft oder die nachweislich eher in Randbereichen des Gesetzes agiert. Gerade ein seiner Gottheit fanatisch ergebener, entsprechend engstirniger Paladin kann trotz ehrenhafter Motive schnell zu einem schwer überwindbaren Hindernis werden und bringt zur Not auch genug kämpferisches Geschick mit, um zur direkten Bedrohung zu werden. Versuchen die Helden sogar, die Gegner des rechtschaffen Guten zu beschützen, weil sich die Interessen überschneiden oder sie dafür bezahlt wurden - Stoff für Konflikte mit einem so auf eine bestimmte Richtung fokussierten Charakter gibt es wahrlich genug.

-----

Mit ein bisschen Phantasie und einem Hineindenken in die jeweiligen Gesinnungsmodelle lassen sich also relativ simpel Gegnertypen ersinnen, die nicht so flach bleiben, wie es der typische 'chaotisch böse' Psychopath sein muss - gerade wenn sich die Spieler eine Herausforderung wünschen, neige ich dazu, sie ihnen auf mehreren Ebenen zu geben, die auch von ihnen verlangt, moralische Entscheidungen zu treffen, die schwerwiegende Auswirkungen haben können.
Und dann wird auch erreicht, was man sich als Spielleiter nur wünschen kann - tiefgreifende Erzählungen, welche die Spieler grübeln lassen und sicher nicht so schnell vergessen werden. Trotz all seiner Sperrigkeit bietet das D&D-System dafür in seinen groben, recht allgemeinen Aufteilungen eine gute Hilfe. Und dieser Guide für euch hoffentlich ebenfalls :)

Edit: Nach einigen sehr hilfreichen Anmerkungen in der VC-RP.de-Community habe ich die Bezeichnung des Neutralen auf 'Der Unabhängige' geändert, da diese einfach den Sinn besser trifft. Danke an Jestocost, Trigger und besonders Kinman für die Anregungen!

Über Nerd- Gedanken

Nerd-Frau Mitte 30 und Kreative aus Leidenschaft, die permanent unter Ideen-Überdruck leidet. Schreiben, zeichnen und neue Welten entwerfen sind meine Hauptbeschäftigung. Man findet man mich im Netz überall dort, wo interessantes Rollenspiel und faszinierende Menschen locken.

Auch auf Facebook, Google+ und Twitter erhältlich!

2 Eure Meinung zu den Nerd-Gedanken:

  1. Nun ja - erfrischend ist ja mal das D&D-Gesinnungsystem auf ASoIaF angewendet du sehen, er knirscht aber doch im Detail. G.R.R. Martin versucht ja bewusst Schwarz/Weiß Schemata von vorne herein zu durchbrechen. Dem entsprechend finde ich die Zuordnungen nicht immer ganz passend.
    Die Populären Figuren als Veranschaulichung des Schematas zu nutzen und damit Archetypen und Ideen zu präsentieren funktioniert gut - am Ende reden wir ja z.B. nicht über Eddart Stark als Antagonisten, sondern eben einen "typischen" RG Fanatiker

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Klar sind die Zuordnungen nicht perfekt - denn zum einen ist das System selbst ein bisschen sperrig, zum anderen hat George R. R. Martin auch abertauschende Seiten Zeit, uns die Charaktere aus seiner Reihe begreiflich zu machen, mit allen Höhen und Tiefen. Bei manchen funktioniert die Zuordnung sehr gut, bei anderen wird sie schwieriger - aber ich erhebe auch keinen Anspruch auf Perfektion :)
      Warum ich die GoT-Figuren benutzt habe, ist einfach - in der Diskussion mit anderen habe ich festgestellt, dass es vielen Leuten schwer fällt, sich die Archetypen gut vorzustellen, die sas D&D-System vorstellt; und mit etwas Veranschaulichung ist es viel leichter zu verstehen, wie so ein Charakter tickt. Und nur darum geht es: Interessierten das Rüstzeug an die Hand zu geben, interessante Antagonisten zu basteln. :)

      Löschen

Powered by Blogger.