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SWTOR: Bioware - die Meister des Unfertigen


Seit Ende 2011 gibt es nun Star Wars: The old Republic als Alternative zu einer Menge anderer MMORPGs, und seit dieser Zeit muss das Spiel auch den Vergleich zu all diesen anderen aushalten. Inzwischen scheinen die Macher bei Bioware endlich entschieden zu haben, in welche Richtung sie das Spiel künftig entwickeln wollen - nach über vier Jahren wohl etwas, das man langsam mal erwarten durfte.
Leider ist es eine Richtung, bei der eine Menge anderes Zeug liegengeblieben ist, weil man sich vollkommen auf die Ein-Spieler-Story und deren episches Vorankommen konzentriert. Nichts gegen die Story - es macht Spaß, sie durchzuspielen, auch wenn es ab einer gewissen Menge an Twinks, bei denen man immer und immer wieder dasselbe erlebt, irgendwann deutlich an Spannung verliert. Und andere Dinge sind schlichtweg auf der Strecke geblieben, die SWTOR viel Format verliehen hatten.

Warum mich das nervt? Weil von den alten Sachen, in die immer weniger Energie gesteckt wird, eine Menge Dinge wirklich Spaß gemacht haben und ich mich frage, was der Blödsinn soll. Klar ist Biowares Kernkompetenz das Erzählen von Geschichten - aber ein MMORPG muss mehr bieten als eine gut inszenierte Story, die man innerhalb weniger Stunden durchgespielt hat. Um langfristig zu fesseln, müssen viele Möglichkeiten gegeben werden, sich die Zeit zu vertreiben. Was ich meine? Lest es selbst:

1. Weltraumballereien sind ein Rohrkrepierer
Als der Starfighter eingeführt wurde, konnte man im Grunde Tag und Nacht Raumgefechte spielen - selbst als total hilfloser Pilot war es möglich, ein bisschen Erfahrung zu sammeln und sich mit den Leuten von der anderen Seite im Raumschiff zu prügeln. Es wurden neue Karten versprochen und neue Inhalte.
Mehr als ein Jahr nach der Einführung sieht es hier aber total mau aus. Heutzutage wartet man sich blutig, wenn man mal eine kleine Flugrunde einlegen will, und natürlich trifft man, wenn mal ein Battleground aufgeht, nur auf fixe Teams, die einen binnen Sekunden zu Staub zerblasen. Ranked Starfighter wurden nie eingeführt, auch wenn es geholfen hätte, dieses Ungleichgewicht zwischen Casual-Spielern und den PvP-Profis ein bisschen auszugleichen. Aus diesem Aspekt, der so unmittelbar mit dem Star-Wars-Gefühl verknüpft ist, hätte man so viel mehr machen können, ein echtes Alleinstellungsmerkmal für das einzige MMORPG mit Star-Wars-Lizenz. Sein eigenes Schiff steuern und die Bösen von der anderen Seite abknallen zu können, während man spannende Ziele für die eigene Fraktion erreicht, könnte so cool sein. Aber sorry, Bioware, das habt ihr echt versaut.

2. PvP bleibt eine Dauerbaustelle
Serverübergreifende PvP-Warteschlangen fehlen genauso, was für alle Prügelbegeisterten ein stetiger Quell des Missvergnügens ist, da die Wartezeiten ziemlich ätzend sein können. Mal ganz davon abgesehen, dass bei jedem Patch aufs Neue das Gefluche und Gezerve losgeht, weil irgendeiner laut im Forum offiziellen kreischenden Gruppe an Spielern nachgegeben und entweder ihre eigene Klasse gestärkt oder eine andere generft wird. Ach Bioware, da ist euch Blizzard mit gut balanciertem PvP wirklich um einiges voraus! 
Ganz zu schweigen davon, dass aus irgendeinem sinnfreien Grund die Entwickler nun beschlossen haben, PvEler mit absolut null PvP-Erfahrung für das Erlangen eines Gefährten in die Arenen zu schicken, was zu noch mehr Frust auf beiden Seiten führt. Für die PvEler ist es nervig, weil sie etwas tun müssen, von dem sie keine Ahnung haben, für die PvPler ist es unschön, weil permanent Leute in den Battlegrounds stehen, die von nichts wirklich Ahnung haben und ihnen das Spiel vermiesen.
Muss das denn wirklich sein? Was ist so schwer daran, beim PvP mal eine klare Linie zu fahren? Andere schaffen es doch offenslichtlich auch.

3. Kartellpakete sind ein besserer Witz
Als die Kartellpakete eingeführt wurden, gab es pro Paket sechs Items, inzwischen sind es vier. Seit die Allianzpakete erschienen sind, gibt es in ihnen zudem keine garantierten Items aus der aktuellen Loot-Table mehr, sondern stattdessen Glückswürfel. Wenn man diese einlöst, kann man ein beliebiges Item aus allen vorherigen Paketen herauskommen - das können richtig tolle Sachen sein, oder aber der letzte Crap. Bisher hatte ich bei wirklich allen Glückswürfeln, die ich eingelöst habe, Zeug erhalten, das ich auch früher schon nicht haben wollte und das sich dank Massenware auch nicht verkaufen lässt.
Von Deko ist in den neuen Paketen immer weniger Spur, auch die Menge an neuen Items sinkt, vermutlich will man das durch die Glückswürfel irgendwie kompensieren. Der Gedanke, dass man für dieselben Münzenkosten (oder geringfügig weniger als zuvor) immer weniger Gegenwert erhält, drängt sich nicht nur mir dabei auf. In den offiziellen Foren wird das Thema heiß diskutiert, viele Leute in meinem Freundeskreis kaufen keine Hyperkisten mehr, auch ich spare mir das inzwischen. 
Mit dieser Geldgeilheit tut sich Bioware wirklich keinen Gefallen - und zerstört sich unnötig ein eigentlich recht interessantes Modell.

4. Housing könnte so viel mehr sein
Derzeit kann man fünf verschiedene Strongholds erwerben - zwei sehr große mit Yavin 4 und Tatooine, ein mittelgroßes auf Nar Shaddaa und zwei kleine auf Dromund Kaas und Coruscant. Alle sehr schick und für gewisse Arten von Rollenspiel ideal. Aber warum nicht mehr davon? Eine Wohnung auf Alderaan steht auf den Wunschlisten ganz weit oben. Ebenso neutralere Orte, die als Zentrale, Lagerhalle, einfache Wohnung dienen könnten - wie wäre es mal mit etwas ganz anderem, ein Stronghold aus den unteren Ebenen irgendeines schmutzigen Planeten? 
Ebenso ist die Menge an Deko, mit der man wirklich eine Wohnung einrichten könnte, in den letzten Paketen immer geringer geworden und wurde zugunsten Technik, Waffen und Spezialzubehör vollkommen vernachlässigt. Dafür geben Spieler nach wie vor Millionen Credits aus. Dekogegenstände werden im GHN begeistert gehandelt, gerade viele alte Einrichtungssachen erzielen Spitzenpreise. Wertet ihr die Handelstabellen nicht aus, Bioware? Warum macht ihr es nicht möglich, mehr und neue interessante Gegenstände mit dem Handwerkssystem herzustellen? Ein erster Schritt in diese Richtung ist längst gemacht, jetzt könnte man den Weg konsequent weitergehen.

Zwei reizende Damen, die Imperiale zu den Kuat Drive Yards schicken
5. Total nervtötende taktische Flashpoints 
Mit den "Kuat Drive Yards" hattet ihr mal eine spaßige Idee: von fünf möglichen Modulen und drei möglichen Endbossen bekam man bei jedem Besuch jeweils zwei Module und einen Boss zugelost. Auch wenn man schon oft genug drin war, hatte das Ganze dennoch immer einen gewissen Überraschungsfaktor - warum nicht mehr davon? 
Stattdessen wurden alle vorhandenen Flashpoints zwangsweise auf das klassenlose taktische System angepasst, was bei manchen FPs mehr, bei anderen allerdings weniger gelingt. Gerade Gruppen mit hochgestuften Lowlevelcharakteren haben kaum eine brauchbare Chance, sich durch die Blutjagd zu kämpfen, ohne am Mandoehepaar derb zu scheitern. Schonmal mit Lowbiechars durch den Korriban-FP durchgestorben? Es macht einfach keine Laune, sich an solchen Bossen permanent eine blutige Nase zu holen, weil die Mechanik das Problem ist, nicht eventuelle Spieleraussetzer.
Achja, der Bug bei HK in der Fabrik wurde seit vier Jahren nicht gefixt. Vielleicht wäre es auch mal hilfreich, alte Sachen ordentlich aufzuräumen, bevor man zig neuen Kram ins Spiel presst, der bei Patches nur noch mehr Probleme verursacht.

6. Weltraummissionen sind totes Ende
Von Level 17 an, wenn man das Raumschiff in der Storyline freigespielt hat, wird man durch ein hübsches Questsymbol im Schiffscockpit darauf aufmerksam gemacht. Diese Railshooter erfordern gerade in höheren Missionsstärken echtes Geschick. Aber nach Makeb gab es in dieser Ecke des Spiels absolut keine Updates mehr - es wird einfach totgeschwiegen oder ignoriert, wer weiss. Dabei hatten eine Menge Leute damit viel Spaß, ich unter anderem. 
Man kann damit in den niedrigen Levelstufen sehr gut Exp-Punkte farmen, ohne sich zum tausendsten Mal durch dieselben Quests zu prügeln - mal ganz davon ab, dass auch die Weltraummissionen viel Star-Wars-Feeling haben, das damit vollkommen verschenkt wird. 

7. Immer weniger MMORPG-Feeling
Die KOTFE-Kapitel sind wirklich spaßig - aber sie rücken langsam den Fokus des Spiels in eine Richtung, die mit 'gemeinsam' und 'im Team spielen' immer weniger zu tun hat. Bei einem MMORPG möchte ich nicht online ein Single-Player-Game zu spielen, bei dem ich nichtmal mehr mit anderen Leuten gemeinsam questen kann, weil der Hauptteil der Story nur noch in instanzierten Bereichen stattfindet, deren Fortschritte dann also nur für den Instanzbesitzer zählen. So hangeln sich die Leute in meiner Gilde einsam durch die einzelnen Kapitel, neue Flashpoints gab es zwar mit KOTFE, aber diese erzählen keine eigene Story, sondern sind nur eine fünffache Auflage eines einzelnen Motivs. Und wie wäre es mal mit einem neuen Raid? Das sind Endgame-Inhalte, die für Leute, die gerne im Team spielen, wichtig sind.

Es gibt sicherlich noch mehr Dinge, an denen man zu recht das mangelnde Durchhaltevermögen der Entwickler beklagen könnte, aber diese sechs Punkte sollen erstmal genug sein, um zu zeigen, dass hier irgendwas in Schräglage hängt. Schade, dass man sich inzwischen so sehr auf die Storyaspekte versteigt, auch wenn sie eine schöne Ergänzung sind. Ein echtes MMORPG braucht jedoch mehr als eine gute Story, um langfristig Spieler zu binden und neue zu begeistern. 
Es bleibt zu hoffen, dass die Entwickler irgendwann ein Einsehen bekommen, um nicht langfristig Spieler an Neuentwicklungen wie Star Citizen zu verlieren, das sich immer weiter entwickelt. Was meint ihr - schafft SWTOR noch eine positive Kurve?

Über Nerd- Gedanken

Nerd-Frau Mitte 30 und Kreative aus Leidenschaft, die permanent unter Ideen-Überdruck leidet. Schreiben, zeichnen und neue Welten entwerfen sind meine Hauptbeschäftigung. Man findet man mich im Netz überall dort, wo interessantes Rollenspiel und faszinierende Menschen locken.

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5 Eure Meinung zu den Nerd-Gedanken:

  1. Sehr gut auf den Punkt gebracht. Ich mag es überhaupt nicht, wenn man nur irgendwas halbgares veröffentlicht. Die Grundideen hinter den einzelnen Konzepten/Spielmodi sind zwar gut, allerdings hätte man sie einfach fortführen sollen, anstatt einfach eine neue Baustelle aufzumachen.

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    1. Ich schätze, da haben sich einfach auch zu oft die Schwerpunkte geändert. Am Anfang wollte man eine Mischung aus Wow und Kotor bauen. Danach wollte man mehr Alleinstellungsmerkmale, deren Ausrichtung sich mehrfach geändert haben dürfte - und jetzt pendeln sie sich wieder auf 'möglichst storylastig' ein. Da kann ja nichts bei rumkommen. :D

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  2. *Kopf schüttelt* also eigentlich habe ich Sie ja als einigermaßen vernünftigen Menschen eingeschätzt Frau Manderfeld, auch wenn Sie ins tiefste Bayern verzogen sind; aber diese ewige Meckerei bei den MMOs wegen echten Bugs, gefühlten Fehlern und sonstigen angeblichen Spaßkillern geht mir als Informatiker doch gewaltig auf den Keks. Ja, es gibt Fehler im Spiel, ja, sie sollten korrigiert werden, und ja, das geht dem Spieler auf die Nerven, aber ist Ihnen eigentlich klar, wie so etwas abläuft? Man hat da ein Team von mehreren hundert Leuten, die -zig verschiedene Gebiete bearbeiten, angefangen bei der Grafik, den Bewegungsabläufen, dem Sound, der Questverfolgung und so weiter und so fort .... Fehler werden von dem Teamchef bewertet, und je nach Schwierigkeit bearbeitet, und ganz wichtig, wieviel Geld dafür da ist. Ergo gibt es lose Enden, und die sind manchmal ärgerlich, aber tun sie im Endeffekt dem Spielspaß wirklich weh? M.E. nein!
    Ach ja, und was den Vergleich PVP bei WoW und SWTOR angeht: bis auf die Erweiterung mit dem Lichking war das Balacing beim PVP in WoW auch ein ewiges Streitthema und ist es bis heute. PVP hat in einem MMO nichts zu suchen, ausser es ist ein MMO das NUR auf PVP ausgelegt ist.

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    1. Ich betrachte es aus der Warte eines Dienstleisters, der für geleistete Arbeit bezahlt wird: Meine Arbeit muss von vorn bis hinten stimmen, sonst ist der Kunde unzufrieden. Ich werde nicht für halbgare Lösungen bezahlt, sondern für fertige.
      Wenn ich jahrelang 13€ im Monat für ein Produkt bezahle, dann erwarte ich auch, dass Bugs gefixt werden, wenn sie auftreten. Nicht sofort, klar, das geht sicherlich nie. Aber Bugs, die von Anfang an (das Spiel wurde 2011 released) im Spiel enthalten und 2016 noch nicht gefixt wurden, sind ein Mangel, bei dem man denke ich zu Recht sagen darf: Wann wird der mal behoben?

      Ebenso wundere ich mich, dass Inhalte in einem Produkt, die eigentlich tauglich sind und auch Spaß machen, nicht konsequent weitergeführt werden, sondern man sich immer mehr darauf versteift, aus einer richtig gut sitzenden Hose (MMORPG) plötzlich einen flauschigen Pulli (Single-Player-Game) machen zu müssen. MMORPGs funktionieren mit ganz anderen Zielsetzungen als Single-Player-Spiele. Wenn ich eine geniale Story spielen will, in der mein Char sich zum Helden mausert, der die Welt rettet, dann greife ich zum Single-Player-Game, und das hat Bioware ja richtig gut drauf - siehe Dragon Age oder Mass Effect. Aber das Funktionieren von MMORPGs haben sie anscheinend nach wie vor nicht verstanden: Da spielt man im Team und erreicht im Team Erfolge. Für diese Art Miteinander muss es auch nachgelieferte Inhalte geben, und an denen krankt es seit KOTFE erschienen ist, gewaltig.

      Darf man das als zahlender Kunde und langjähriger MMORPG-Spieler anmerken? Ich denke schon ;) mein Spielspaß wird beschnitten, wenn ich in einem Onlinegame mit anderen spielen möchte, es aber mangels neuer Inhalte und Dauerinstanzierung der Story nicht kann. Und da es in meinem Freundes- und Bekanntenkreis vielen anderen ebenso geht und die meisten nur noch wegen des Rollenspiels (!) anwesend sind, mit dem Bioware so richtig gar nichts zu tun hat, sondern vor allem die Kulisse stellt, ist es doch mal Zeit, das anzumerken. :)

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    2. ich bin seit kleinkind an gamer und spiele wow und swtor schon sehr lange. swtor btw schon seit der beta und ich kann bei all den punkten, die gloria angesprochen hat, nur zustimmen! habe btw selber in den foren von bioware herumposaunt, wie die situation momentan aussieht. tatsache ist, dass so gut wie alles von den mitarbeitern gekonnt (!) ignoriert wird! und kein spieler will ein spiel spielen, was nur noch aus bugs und "kartellpakete kaufen" besteht. vor allem: kein mmo (angeblich). nein, danke! und ich denke nicht, dass swtor noch die kurve kriegt. es hat mich seit monaten nur noch enttäuscht, was mich dazu veranlasst hat unregelmäßige pausen vom spiel zu nehmen. mit "werde von bla bis blub abonnent und erhalte dies und das von hk", damit ist es nicht getan! vielleicht hält sich bioware mit den paketen und ihren "verlockenden angeboten" über wasser, aber swtor, an sich, wird als mmo aussterben, wenn der support nicht endlich mal seinen hintern bewegt. so sieht die sache aus. an geld sollte es nicht mangeln. mittlerweile können die leute von ea und bioware auf abonnenten verzichten. ihre einstellung dazu ist zumindest kaum zu übersehen. ich, als ehemaliger abonnent, der geholfen hat das spiel zu verbreiten und positiv darzustellen, bin sichtlich angewidert von den verunstaltern dieses meisterwerks, die es mit ihrer kurzsichtigen, geldgeilen auffassung versuchen zu verhunzen, anstatt zu verbessern. dafür gibt es keine entschuldigung, nur noch sichtliche, reale verbesserungen und fehlerbehebungen, die sie der community schulden!


      Jusatsu von DokugaCoop

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