Aloncor Torn

The Good, the Bad and the Jedi: Ein kleiner Abschied


Es ist erstaunlich leicht, wenn man abgeschlossen hat.
Die Situation auf Tython hatte sich in den letzten Stunden konstant verschlechtert und inzwischen war den Beteiligten der Kämpfe gegen die unbekannten, überaus zielstrebigen Angreifer auch anzusehen, dass die permanente Anstrengung an ihnen zehrte. Im Taktikkartenraum war ein behelfsmäßiges Lazarett errichtet worden, und der Diplomat bewegte sich leise durch die Reihen der Notbetten mit ihren hustenden, stöhnenden Besitzern. 
Immer wieder blieb er an einem Bett stehen, kniete sich neben dieses und versuchte, der verletzten Person darauf Zuspruch und Ablenkung zu bieten. In einer Situation wie dieser, welche taktisches Können und das Schwingen eines Lichtschwertes vermutlich das einzige waren, womit man diesen unhaufhaltsam wirkenden Vormarsch irgendwie zu bremsen vermochte, war ein wenig kriegerisch veranlagter Diplomat an vorderster Front mehr Hindernis als Hilfe.
Also tat er, was er in solchen Situationen stets tat - er suchte sich einen Platz, an dem er nützlicher sein konnte als dort, wo er kampferfahrenen Rittern im Weg stand. Die vergangenen Stunden hatte er damit verbracht, auf Tythons Planetenoberfläche die Leute aufzusammeln, die in Notfallkapseln aus dem Orbit abgestürzt waren, um die meist zu Tode erschreckten, traumatisierten Soldaten zum Tempel zurückzubringen. 
Bis dieses Tun durch die vorrückenden Truppen des Gegners unmöglich geworden war. Die Geretteten waren nicht in Sicherheit, das wusste er inzwischen, da nun auch der Tempel direkt im Fokus der Angreifer lag. Aber solange man lebte, konnte man etwas tun. Aufgeben konnte man, wenn man tot war.

Von all den Dingen, die man dem Mann von Druckenwell vorwerfen konnte - sein Hang dazu, Grauschattierungen eher zu betrachten als ein klares Schwarz oder Weiss, sich bei der Interpretation des Jedi-Codex auch liberaleren Ansichten offen zu halten, emotionale Verstrickungen zu anderen Personen - war mangelnde Hingabe an die Ideale des Ordens nie eine Frage gewesen. Aloncor Torn war ein seltsames Exemplar einer Mischform von Lebenseinstellungen. Er empfand sich selbst als Idealsten, der daran glaubte, dass die Galaxis die Hilfe und Hingabe des Jedi-Ordens brauchte, um gesund zu bleiben. Gleichzeitig aber war er Realist genug zu erkennen, dass man dieses Ziel nicht alleine mit gutem Willen und einem freundlichen Lächeln erreichte. Langwierige, zähe Verhandlungen mit verstockten Militaristen und sonstigen Ewiggestrigen hatten ihn dies relativ früh gelehrt.
Und alles an der derzeitigen Situation sprach dafür, dass eine Flucht von Tython schwierig werden würde, wenn nicht vielleicht sogar nahezu unmöglich. Der unbekannte Feind war ihnen überlegen, hatte sogar die Orbitalstation zerstört. Die Angriffe, die Aloncor selbst erlebt hatte und bei denen durch diesen Angreifer schon Tage zuvor unbarmherzig alles Leben auf einer Thranta-Fregatte und republikanischen Aussenposten ausgelöscht worden war, waren so zielstrebig ausgeführt worden, dass die Wahrscheinlichkeit groß schien, dass dieses Schicksal auch dem Tempel bevorstand.

Dies war eine Zeit für Kämpfer, für jene, die schnell genug waren, die stark genug waren, die vor allem mit ihrem Lichtschwert einen Unterschied machen konnten. Der Tempel würde fallen, und jeder, der sich etwas anderes vormachte, war vielleicht zu sehr mit dem nostalgischen Gedanken verhaftet, der mit den Wasserfällen, den Blumenwiesen und der Friedlichkeit des 'Padawanfelsens' einher ging. Für Aloncors kleine Welt war die Zeit auf Tython vorüber. 
Er würde nur Erinnerungen mitnehmen können, den Gedanken an den Duft der kleinen blauen Blumen, die Schönheit von Meister Aldes alderaanischen Rosen, die er noch vor wenigen Tagen auf Blattläuse untersucht hatte, wie er es immer tat, wenn er von einem Einsatz nach Tython zurückkehrte. Die Erinnerung an Gespräche, Gedanken, ein Lächeln. Den Wind in seinem Haar auf dem Weg in machtgestützten Sprüngen die Berge hinauf, bis er fast geglaubt hatte, fliegen zu können, nur für einen Bruchteil eines Moments, doch lange genug, um darüber Freude zu empfinden, bis ins innerste Mark hinein. Solche Augenblicke waren es, die ihm Kraft gaben, wenn die Galaxis dunkel wurde.
Wenn auf dem Lichterteppich der emotionalen Eindrücke anderer nach und nach immer mehr kleine helle Punkte erloschen und schließlich nur noch dumpfe, schwarze Leere zurückblieb, umgeben von schwachen Echos, die als einzige Erinnerung an die Ausgelöschten zurückblieb. Sanft griff er die Hand einer Soldatin, die zitternd und mit verbundenem Oberkörper auf einer Liege lag und leise vor sich hin wimmerte. Physischer Kontakt kann Stressoren lindern, Padawan.

Vielleicht würde Morwena es irgendwann verstehen. Die Chancen der Padawan hielt er für recht hoch, den Angriff auf Tython irgendwie zu überleben. Sie hatte ein Talent dafür, den Kopf oben zu behalten, und ihre Meisterin war irgendwo an einer anderen Front im Einsatz. Sie würden sich sicherlich wiederfinden, wenn das alles hier vorüber war. Er konnte nur hoffen, dass Saneera Uniri nicht vergessen würde, ihrer Padawan auch die anderen Dinge nahe zu bringen, die das Leben als Jedi ausmachte. Den Krieg kannte Morwena Aquae genug, doch hatte sie offensichtlich niemand den Frieden gelehrt.
Aloncor lauschte den zittrig und müde gesprochenen Worten der verletzten Soldatin und versuchte, ihr Mut zuzusprechen. Als sie damit begann, von ihrer Familie zu berichten, ermutigte er sie mit behutsamem Nachdruck. Sie erzählte ihm von ihrer jüngsten Tochter, dem Nesthäkchen, das so gerne 'Jedi' spielte und die Rabauken aus der Nachbarschaft mit einem Stock verprügelte. Als die Frau schließlich mit einem Lächeln auf den Lippen vor Erschöpfung einschlief, lächelte auch der Diplomat einige Momente lang, bevor er die Augen schloss und die Geräusche um sich herum ausblendete.

Er betrachtete seine Chancen nüchtern. Die Wahrscheinlichkeit, dass er überlebte, waren nicht allzu hoch. Es würde Jedi geben müssen, die versuchten, den Flüchtenden genug Zeit zu erkaufen, dass sie das Erbe des Ordens von Tython tragen konnten. Jedi, die imstande waren, den Geist der machtanwendenden Angreifer zu verwirren, wenn es ging. Dort sah er seine Aufgabe in den kommenden Tagen und bis dahin musste er seine Kräfte bewahren, um sie auch richtig ausfüllen zu können. Ich empfinde unsere Begegnung als Bereicherung.
Mehr hatte er zu Morwena nicht sagen können, und er hoffte, dass ihm noch die Gelegenheit bleiben würde, sich auch von Andenus, Ritterin Deikan und Ritter Jarok zu verabschieden. Mit wenigen anderen auf Tython verband er so viel wie mit diesen Jedi, und man konnte sich schließlich nicht zu allen begeben, wenn gerade eine akute Notsituation vorlag. Während er seine Gabe langsam auffächerte, um unter den emotionalen Eindrücken seiner Umgebung diejenigen zu entdecken, die am ehesten der Hilfe bedurften, zuckte er leicht zusammen, als sein Geist ein Muster erkannte, das ihm von einigen Einsätzen her vertraut war. 
Schnell erhob er sich und ging in die Richtung der Liege von Ritter Jarok, der den Schlaf der Erschöpften schlief, mal wieder verbunden. Jarok hatte ein seltenes Talent dafür, sich kreative Verletzungen zuzuziehen, diese aber immer zu überleben - es schien dieses Mal dasselbe zu sein.

Aloncor ging zu einem der Wassereimer, die im Lazarett parat standen, tränkte einen Lappen und ließ sich neben Efroy Jaroks Bett nieder, um diesem in aller Ruhe das schmutzige Gesicht zu reinigen. Es würde nichts helfen, es würde ihn nicht gesund machen, aber mehr konnte er für den Ritter im Augenblick nicht tun. Wieder einmal bedauerte er, dass seine Gaben ihm nur Einblicke gewährten, aber es doch letztlich immer viel zu wenig war, um anderen direkt zu helfen. Als seine Robe ein bisschen wackelte, hielt er den Ärmel so, dass der kleine Salamander, den er auf seinem letzten Ausseneinsatz als Mitbewohner gewonnen hatte, aus dem Ärmelinneren herausklettern und sich auf den Rand von Efroys Liege setzen konnte, neugierig züngelnd.
Warum er den Kleinen 'Djeri' getauft hatte, wusste Aloncor selbst nicht so ganz, aber er musste immer kurz schmunzeln, wenn er das farbenprächtige, sture kleine Reptil sah, das trotz seiner Versuche, es auf seinem Heimatplaneten zurückzulassen, immer wieder zu ihm zurückgekehrt war. Vielleicht hatte Morwena Recht, und es gab irgendeinen seltsamen Grund in der Macht, wieso der Salamander ihn als Gefährten auserkoren hatte. 
Vielleicht war Djeri auch einfach nur reiselustig und neugierig - wer wusste das schon. Als Efroy im Schlaf ein Schnauben von sich gab, war es mit der Neugierde aber schnell vorbei und Djeri flüchtete in die Sicherheit des schon vertrauten Robenärmels zurück. Wieder schmunzelte der Diplomat einige Momente lang, den Blick danach wieder auf Efroy richtend.

Dieses Mal war es anders als auf den vergangenen Missionen zuvor. Die Chancen waren einfach viel geringer, aber wenn es die Macht wollte, dann würde Efroy wieder fliegen, was er am liebsten zu tun schien. Ein Grund mehr, sich beim letzten Sturm auf den Tempel als standhaft zu erweisen. Sicher, er war wehmütig, dass sein Leben enden würde, aber für einen Jedi war der Gedanke an ein sinnvolles Opfer zum Wohle eines größeren Zeiles nichts, das nicht bedacht werden durfte. Sein Leben war von vielen interessanten Eindrücken gefüllt gewesen, und er hatte vieles erlebt, vieles gesehen.
Mehr, als es das Schicksal normalerweise für einen Jungen aus einer armen Arbeiterfamilie auf Druckenwell vorsah. In manchem auch mehr, als es die strikten Regeln des Ordens einem Jedi zugestehen wollten - aber auch diese Erinnerungen hatten ihn bereichert und ihn geformt. Es gab nur wenig, das er bedauerte, und so fühlte er inzwischen eine ruhige Leichtigkeit bei dem Gedanken an das Kommende. 
Wenn man für sich eine Entscheidung traf, dann konnte man auch danach handeln. Nichts anderes würde Aloncor Torn tun. Und letztendlich dafür sorgen, dass ein Teil seiner letzten Vision wahr werden würde. Wenigstens hatte er nie die Erfüllung einer anderen Vision erleben müssen ...

Über Nerd- Gedanken

Nerd-Frau Mitte 30 und Kreative aus Leidenschaft, die permanent unter Ideen-Überdruck leidet. Schreiben, zeichnen und neue Welten entwerfen sind meine Hauptbeschäftigung. Man findet man mich im Netz überall dort, wo interessantes Rollenspiel und faszinierende Menschen locken.

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