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The Division 2 - (m)eine Liebeserklärung


Eigentlich bin ich kein Shooter-Fan. So gar nicht. Es kam mir bislang immer maximal uninteressant vor, sich meist begleitet von minimaler Story durch irgendeine Spielwelt zu pflügen und massenhaft Gegner umzulatzen. Mein Genre sind Rollenspiele, Adventures, Aufbau-Strategie - alles, was sich halbwegs friedlich oder doch zumindest nicht ausschließlich kampfkonzentriert spielen lässt.

Dann kam The Division 2. Die Story ist schnell erklärt: Als Teil einer Bürgermiliz namens The Division spielen wir einen aktivierten Division-Agenten, der nur mit seinem Wissen um die Benutzung technischer Gadgets, einer Pistole und einem Sturmgewehr bewaffnet nach Washington D.C. reist, um in dieser nach einer Kontinentenweiten Epidemie verheerten Stadt für Ordnung zu sorgen. 
Die dortigen Bewohner versuchen verzweifelt, sich eine neue Existenz aufzubauen, während sehr unterschiedlich gestrickte Banden, die von warlordartigen Anführern dirigiert werden, ihnen das Leben schwer machen. 

Wir sind also die Guten, aber unsere Mittel sind radikal. Neben einem sehr breiten Arsenal auffindbarer Knarren sprenge ich mich mit Clusterminen durch Feinde, beballere sie mit einem tragbaren Minigeschütz, spritze mit einem Chemikalienwerfer entflammbare Flüssigkeit auf sie und so weiter - ein Division-Agent ist das letzte verbliebene Ordnungsmittel, wenn alles andere versagt hat. 
Das Geniale an diesem Spiel ist aber nicht alleine das abwechslungsreiche Gunplay, bei dem selbst ich als Nicht-Shooter-Fan einige Waffentypen gefunden habe, mit denen ich sehr gut zurecht komme und sogar ein paar Gegner treffe. Durch das implementierte Deckungssystem und die vielen taktischen Möglichkeiten gibt es für jede Situation irgendeine Lösung, vor allem, wenn man in der Gruppe unterwegs ist.


So hechte ich unter Beschuss von Deckung zu Deckung, kauere hinter ausgebrannten Autos, Kisten und halb zerstörten Möbelstücken, um in eine bessere Position zu kommen und in einer Feuerpause der Gegner meine zerstörerische Wucht zu entfalten. Meine bessere Hälfte schießt dank Scharfschützengewehr wirklich gefährliche Gegner schnell zu Klump, zwei weitere Freunde kümmern sich entweder darum, dass niemand aus der Gruppe schlapp macht oder darum, nervige Gegner dank Maschinengewehrdauerfeuer in deren Deckung zu halten. 
Ich schnappe mir meine dicke Schrotflinte, nehme die Beine in die Hand und flankiere die in Deckung gezwungenen Gegner - und RÖMMS RÖMMS RÖMMS, drei Schuss, ein Problem weniger. Es macht mir einen Riesenspaß, als Teil eines Teams Taktiken zu ersinnen und zu sehen, dass das Ganze in Anwendung tatsächlich funktioniert, garniert mit langsam ansteigendem Schwierigkeitsgrad.

Denn die tollen Gadgets, die wir Division-Agenten mitschleppen, haben die Gegner irgendwann auch! Ergänzt durch nervige kleine Fernsteuerautos, die von irgendeinem feindlichen Gangmitglied mitten hinter unsere Deckung gefahren werden und dann dort vor Ort explodieren. Oder gleich ein fetter Kampf-Robohund, der einem dank aufmontiertem Geschütz richtig die Hölle heiß macht. The Division 2 lässt uns richtig bockschwere Kämpfe durchstehen und belohnt uns durch kleine, aber stetige Fortschritte. Während der Hauptstory erreichen wir zwei Siedlungen und helfen den dortigen Bewohnern, eine schraddelige Zuflucht zu einem schönen Zuhause voller toller Extras wie funktionierender Wasserversorgung, Bibliothek oder Spielecke für Kinder auszubauen, die dann im Spiel auch zu sehen sind. 


Nach dem Erreichen des Endgame versuchen wir die Invasion krimineller Söldner zurückzuschlagen, die ihrerseits ein Stück vom Kuchen in der amerikanischen Hauptstadt abhaben wollen, was den Anspruch der Kämpfe und an unsere Taktik nochmal ein gutes Stück in die Höhe schraubt. Langweilig war es noch nie, mit steigender Erfahrung und Gewöhnung an den Spielstil der anderen brauchen wir im Team auch immer weniger Ansagen, weil jeder weiss, was die anderen meistens tun würden und man angepasst vorgeht. 
Brauchbares Loot gibt es für jeden satt - im Grunde fühle ich mich an frühere WoW-Raids erinnert, nur mit sehr viel weniger Leuten, weniger Streit um Loot und mit sehr viel mehr sichtbaren Fortschritten, die jedem etwas bringen. 

Und die Kämpfe - ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas jemals schreiben würde - machen einfach eine Menge Spaß. Nicht nur dann, wenn uns ein Glückstreffer auf die Granatentasche eines Gegners gelingt und man statt einer Granate gleich den explodierenden Gegner aus dessen Deckung herausfliegen sieht. Beim Zusammenspiel verschiedener Waffentypen zeigt The Division 2 echte Stärken, dazu kommt noch das dynamische Wettersystem, das uns tatsächlich Vorteile und Nachteile gewährt. Ist es neblig oder regnet es in Strömen, ist unsere Sicht mehr als bescheiden - die unserer Gegner aber auch, meist sogar schlechter als unsere, da wir durch Gadgets deren Positionen herausfinden können. 

Bei einem Sandsturm (ja, auch das gibt's in Washington) sieht man tatsächlich fast die Hand vor Augen nicht, gleichzeitig können wir aber nahezu unter der Nase der Gegner an denen vorbeischleichen, ohne dass sie was von uns bemerken. Das habe ich bislang noch nie in dieser Form erlebt, da in anderen Spielen die meisten Gegner über eine übermenschliche Wahrnehmung potentieller Gefahren verfügen und mich schon wittern, wenn ich gegen den Wind aus fünf Kilometern Entfernung anschleiche. 


Aber nicht genug, die Locations sind dermaßen detailliert und abwechslungsreich gestaltet, dass wir beim Erobern eines Museums oft einfach mal stehenbleiben und die Begleittexte der einzelnen Ausstellungsräume durchlesen, bevor es zum nächsten Showdown mit den Gegnern geht. Mein Geheimtipp ist nach wie vor die Mission im American History Museum, in dessen Vietnamkrieg-Abteilung man vor der Kulisse eines Hubschraubers mit einer Minigun Schneisen in die anstürmenden Gegnermengen fräst, untermalt mit Sounds, die direkt aus einem entsprechenden Film stammen könnten. 
Da kommt echtes Apocalypse-Now-Feeling auf, und das nicht im negativen Sinn. Auch die anderen Missionen sind abwechslungsreich und trotz vorhersehbarer Gestaltung - man ballert sich durch ein Areal und nietet am Ende einen Bossmob um - nie langweilig, da alles zwischen Betreten und Verlassen der Questgegend höchst unterschiedliche Anforderungen stellt.

Der kleine Lootmessi in mir wird bei The Division 2 durch die Unmengen an Kisten, Taschen, Rucksäcken, Schublanden und anderen Behältnisse glücklich, in denen ich nach Loot wühlen darf - nicht umsonst gelte ich inzwischen als Loot-Trüffelschwein, weil ich dank meines inneren Schnäppchenradars auch noch die letzte Kiste aufstöbere, an der die Teammitglieder achtlos vorbeilatschen. Nur das Inventar, das dürfte dann schon ein bisschen größer sein, irgendwo muss der ganze tolle Kram schließlich hin!

Vielleicht wird mir das Ganze irgendwann langweilig, wenn wir jeden Kontrollpunkt zum hundertsten Mal erobert, jede Kiste ungefähr tausend Mal geöffnet und jede wichtige Mission mehrfach gespielt haben - aber noch immer erfreue ich mich am Gruppenspiel, an der Taktik, an der Tatsache, dass sich für jeden Spielertypen passende Waffen und Gadgets finden lassen, die alle ihren Sinn haben. Und irgendwann haben wir vielleicht auch Washington D.C. vollständig gerettet ...

Über Gloria H. Manderfeld

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