Aloncor Torn

The Good, The Bad and The Jedi: Waltzin' Jedi



Zurück in der Blase, zurück auf Tython. Der Kontrast zum stinkenden, smogbehafteten und schmutzigen Nar Shaddaa hätte nicht größer sein können. Auf dem Huttenmond blieb die Zeit nie stehen, kannte vermutlich niemand die wohltuende Kraft der Stille, denn dort gab es schlichtweg keine. Selbst in den untersten Ebenen, welche der Mondoberfläche nahe kamen, war der wummernde Takt vergänglicher Vergnügungen überdeutlich zu hören. 
Es war eine interessante Mission gewesen, die Ritter Efroy Jarok, Padawan Morwena Aquae und ihn dorthin geführt hatte, und sie waren erfolgreich gewesen. Auch wenn natürlich die Rettung der Wissenschaftlerin Dr. Aiko das Wichtigste am gesamten Auftrag gewesen war, nahm Aloncor vor allem die kleinen Details am Rande mit, die den Auftrag für ihn selbst zu einer unverwechselbaren Erinnerung gestaltet hatten.

Ritter Jaroks erste Bekanntschaft mit einer überaus üppig gebauten, blauen Twi'lek, die ihn als geeignete Begleitung für die Nacht auserkoren zu haben schien. Padawan Aquaes hintergründiger Humor, den sie geschickt hinter sarkastischen Spitzen verbarg. Ein nächtliches Gespräch über den Krieg und die Zukunft, die beide nicht vorhersehen konnten. 
Das als Bordell getarnte Hauptquartier von Agent Sierra und seinen Leuten, die pittoreske Zusammenstellung ihrer Helfer auf Nar Shaddaa. Streifzüge über die Promenade, die seltsame Tarnung als Touristen. Was man wohl in der Asservatenkammer mit dem Plüschhutten machen würde, dem man auf den Bauch drücken musste, damit er 'Her mit den Credits' sagte? Aloncor war immernoch erstaunt darüber, dass es wirklich viele Leute zu geben schien, die derlei in ihrem Urlaub kauften und behielten.

Selbst ein Kampf war zu bestehen gewesen, bei dem Aloncor wieder einmal erkennen musste, dass er zwar den Lichtschwertkampf erlernt und innerhalb der bescheidenen Grenzen seines vorhandenen Talentes auch gemeistert hatte, ihm aber doch der tiefe Zugang dazu fehlte.
Er war kein Krieger und würde niemals einer werden, die instinktive Geschmeidigkeit und das Gefühl für den absolut richtigen Moment würde er niemals erlangen. Aber darüber war der Diplomat längst nicht mehr traurig oder wütend. In den Jahren als Jüngling, als die Schwertkampfkenntnisse so überaus wichtig gewesen waren, gefühlt sogar überlebenswichtig, hatte ihn sein mangelndes Talent oft genug in Verwirrung und Sorge gestürzt.

Wie oft er gefürchtet hatte, vielleicht doch niemals Padawan zu werden, von einem Meister auserwählt. Wie oft er damals einen anderen Weg durch den Tempel von Coruscant gewählt hatte, um nicht von den größeren und kräftigeren Jünglingen aufgestöbert zu werden, die sich eine Freude daraus gemacht hatten, den Jungen von Druckenwell herumzuschubsen. 
 Natürlich nie so, dass sich einer der Lehrer genötigt gefühlt hätte, einzugreifen, gewisse Grenzen wurden immer gewahrt. Doch innerhalb dieser Grenzen konnte das Leben für einen Jüngling dennoch sehr unangenehm sein, vor allem, wenn er im Schwertkampf nicht unbedingt talentiert war. Bis er Andenus Dexter kennengelernt hatte ..

Lächelnd schritt Aloncor Torn den kleinen Flusslauf entlang, die Stiefel und Socken am Ufer zurückgelassen. Die eisige Kühle des Wassers fühlte sich so frisch an, und es schien, als könnte er der flotten Strömung des Wassers mit allen Sinnen nachspüren. Es erlaubte ihm einen Zugang zu dieser Welt, der für einen Aussenstehenden kaum nachvollziehbar war, aber für jeden Machtbegabten doch verständlich, öffnete sich der Ritter doch mit allen Sinnen der um ihn pulsierenden, lebendigen Natur.
Hier auf Tython konnte er seine sonstige Beherrschung fallen lassen, die Abschottung seines Geistes so weit öffnen wie es statthaft war, ohne in die Privatsphäre anderer zu dringen. 
Das war auf Coruscant früher zur Notwendigkeit geworden, um den Emotionseindrücken der vielen Millionen Lebewesen zu entgehen. Beim Angriff und der Plünderung des Planeten war sein Kopf fast geborsten, das übermächtige Leid war zu einer gewaltigen Faust geworden, die mit Macht beständig auf seine Sinne eingehämmert hatte. Aber das war vorüber, und Tython war ein Hort der Stille. Sicher, auch hier gab es Lebewesen. Emotionen. Wünsche. Sehnsüchte. Furcht. Schmerz ...

Der Diplomat runzelte leicht die Stirn und ging den Fluss entlang, auf die Quelle kindlichen Leides zu, ohne sich zu schnell zu nähern. Die Situation hatte einen vertrauten Geschmack, war mit einem Mal überlagert von den Erinnerungen an sein eigenes früher. Vielleicht lag es an seinem Gespräch mit Andenus am vorherigen Abend, das so viele angenehme Gedanken zurückgebracht hatte. Alte Freundschaft rostete nicht, sie ruhte nur, und an diesem Abend hatten sie diese wieder aufgenommen.
Sie waren älter geworden, hatten ihre Erfahrungen gemacht, gewiss. 
Und doch - tief im Herzen waren die beiden Jünglinge noch vorhanden, die sich über ihre tiefe Liebe zum Wissen kennengelernt hatten. Heute musste Andenus zwar keine anderen Jünglinge mehr für Aloncor verprügeln, weil dieser sich selbst verteidigen konnte, aber alles andere war im Grunde noch so wie damals. Und heute konnte er seinem alten Freund helfen, wieder zurück zu seinem Selbst zu finden, nachdem es ihm durch die imperiale Folter fast genommen worden war.

Vielleicht würde es ihm auch helfen, einen Tanz mit Ritterin Deikan zu führen, einen langsamen Walzer, den sie besonders schätzte. Auf eben jener kleinen Wiese am Pass, zu der leisen Musik aus einem Com heraus. Und sie war eine wirklich hervorragende Tänzerin, die sich so leicht und geschmeidig führen ließ wie eine Feder. 
Dass er tatsächlich auf einer Wiese Tythons zu einem Walzer gekommen war, hätte der Diplomat vorher auch nicht vermutet, aber er war der Letzte, der sich gegen einen solchen Tanz gewehrt hätte. Ein stilles Vergnügen, mit einer ihm vollkommen Fremden für einen einzigen Moment geteilt, die ihm danach ein bisschen weniger fremd gewesen war. Wieviel Freude am Tanz doch hinter der beherrschten Fassade schlummerte - gegen einen zweiten würde er sich gewiss nicht wehren.

Als er um einen der Felsen am Fluss trat, sah Aloncor den Grund für leise Schluchzer - ein junger Togruta, vielleicht gerade einmal acht Jahre alt, in der Kleidung eines Jünglings, der ziemlich erschrak, als sich ihm ein Ritter näherte, den er noch nicht kannte. Einige freundliche Worte später setzte sich der barfüßige Diplomat neben den Jüngling und ließ sich das ganze Ausmaß dessen Sorgen schildern. Und der Kreislauf begann von neuem ...

Über Nerd- Gedanken

Nerd-Frau Mitte 30 und Kreative aus Leidenschaft, die permanent unter Ideen-Überdruck leidet. Schreiben, zeichnen und neue Welten entwerfen sind meine Hauptbeschäftigung. Man findet man mich im Netz überall dort, wo interessantes Rollenspiel und faszinierende Menschen locken.

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