Persönliches

Funkstille


Wer schon mal in einer Wüste gewesen ist, kennt dieses Gefühl, dass nach einer gewissen Zeit die Ohren zu klingeln beginnen. Dort gibt es abgesehen von vielleicht durch Personen und Tieren in der Nähe verursachten Geräuschen einfach keinen Laut. Besonders nachts ist diese Stille überwältigend, wenn alles um einen rings herum zur Ruhe gekommen ist.

Deswegen auch dieses Titelbild aus der Wüste Gobi, mit dem ich eine Auszeit ankündige. Wer mein Blog schon einige Zeit lang liest, wird sicherlich gemerkt haben, dass meine Schreibfrequenz in den letzten zwei Jahren stetig in den Keller gesackt ist. Da waren die fünf Monate Hausrenovierung Ende 2017, Anfang 2018, in denen ich ab einem gewissen Punkt einfach nur noch erledigt und unkreativ war.
Danach ging es für mich an einer anderen Stelle schreiberisch erst richtig los - unter anderem durch umfangreiche, sehr herausfordernde Aufträge mit einem starken Zeitdruck, die mich nicht nur sprichwörtlich Tag und Nacht beschäftigt haben. Inzwischen habe ich das Schreiben zum Hauptberuf gemacht und bin als Spielejournalistin tätig - was aber auch bedeutet, dass die kreative Tätigkeit einen gewissen Tribut fordert.

Und dann war da letztes Jahr noch die lange und schwere Krankheit meiner nun bald 18jährigen Omakatze, bei der alles um ein Haar schlecht ausgegangen wäre. Beim Tierarzt zu sitzen und gesagt zu bekommen, dass ein geliebter, felliger Lebensbegleiter nur noch mit viel Glück überleben wird, war für mich während enormem Stress nebenher ein zusätzlicher, fieser Faktor - glücklicherweise ist diese zähe Ex-Straßenkatze zu stur zum sterben.

Habe ich erstmal meinen Arbeitstag mit Schreiben verbracht, ist die Lust auf noch mehr Schreiben in der Freizeit einfach geringer bis gar nicht mehr vorhanden - darunter leidet dieser Blog schon eine ganze Weile. Mit den Jahren habe ich mir bestimmte Rituale angewöhnt. Beispielsweise einmal im Monat bei der RPG-Blog-O-Quest mitzumachen, jede Woche mit dem Media Monday zu beginnen. Aber in Ritualen kann man sich auch verlieren.
Gerade dieses Jahr waren diese Rituale oft die Beiträge, die ich noch am ehesten hinbekommen habe, denn alles andere erfordert mehr Zeit, mehr Muße, mehr Ideen und Kraft, als ich geben konnte. Und so wurde es hier still und für mich entstand ein innerlicher Druck, meinen Lesern Inhalte zu bieten, die ich einfach momentan nicht mehr schaffe. Jede Woche aufs Neue bin ich an dieses Blog mit weniger Spaß, weniger Ideen und weniger Elan heran gegangen, immer mit diesem Gefühl, dass ich auch hier leisten muss, ohne zu können.

Generell ist gerade dieses Jahr sehr vieles in der Arbeit untergegangen. Bücher, die ich rezensieren wollte, Rollenspiel-Regelwerke, die ich ausprobieren wollte, das Zeichnen generell, ich habe seit langer Zeit nichts mehr genäht, kein LARP mehr besucht. Und jetzt, nach einem Jahr, in dem ich genau eine Woche im Urlaub war, und zwei Wochen pausierte, weil ich krank war oder mich von den Folgen einer OP erholt habe, merke ich, dass meine Reserven nicht nur leer sind, sondern auch so vollständig aufgebraucht, dass ich nicht mehr nur nicht kann, sondern auch nicht mehr will.

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die sich lang und breit in den sozialen Medien über ihre Befindlichkeiten auslassen, wenn man mal einen schlechten Tag hat. Solche Sachen mache ich immer mit mir selbst aus und bin dann vermutlich eher still als dass ich es andere merken lasse. Dieses Posting hier schreibe ich nicht nur, um euch zu erklären, warum es erstmal stiller wird, sondern auch, um klar zu machen, dass es ein gravierender Punkt für mich ist. Dass ich so leer gelaufen bin, dass ich Konsequenzen ziehen muss, die abseits von 'ich mach halt weiter' liegen, weil ich das Gefühl habe, in einen Burnout oder zumindest in die entsprechende Richtung zu laufen.

Für mich ist Kreativität immer etwas gewesen, das mit Leichtigkeit zu mir kam wie die Nässe, wenn man im Regen steht. Inzwischen ist da nur noch Trockenheit, die sonst locker laufende Maschine will nicht mehr anspringen - und ich habe mir Abstinenz und Arbeitspause verordnet, so gut ich das als Freelancer eben kann. Das betrifft auch dieses Blog und damit auch alles, was noch aussteht. Aufgeschoben ist aber nicht vergessen, ich halte meine Versprechen für Rezensionen.

Ich werde dieses Blog nicht aufgeben, dafür mag ich meinen 'personal space' abseits SEO-Vorschriften, Inhaltsvorgaben und sonstigen Regeln zu sehr. Aber ich muss Pause machen, um wieder diese Leichtigkeit zurückzugewinnen, die mein Leben geprägt hat, bevor ich mich irgendwo zwischen dauerndem Termindruck verloren habe. 
Deswegen werde ich auch meinen Patreon auflösen, da ich nicht guten Gewissens von anderen Geld nehmen möchte, ohne ihnen dafür etwas zu bieten. Danke an alle, die mich bis heute unterstützt haben, ich weiss das nach wie vor sehr zu schätzen und werde das nicht vergessen - ihr seid die Besten! :)

Over and out - erstmal. Wir lesen uns wieder, macht es gut bis dahin!

Über Gloria H. Manderfeld

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