Fantasy

Rezension: Underworld: Blood Wars

Die Todeshändlerin Selene ist nach wie vor auf der Flucht, inzwischen jedoch sowohl vor den Vampiren, welche ihr den Mord am Vampirältesten Victor nicht vergeben wollen, als auch den Lykanern, die nach dem Blut von Selenes Tochter Eve gieren und glauben, Selene könnte ihnen den Aufenthaltsort des Lykaner-Vampir-Hybriden verraten. Als Selene den Lykanern fast in die Falle geht und sich nur mühsam gegen eine Übermacht zur Wehr setzen kann, erhält sie vom Vampir David Unterstützung, der einst durch Selenes Blut gerettet wurde.

Dessen Vater Thomas wird von der Vampir-Ältesten Semira dazu überredet, vor dem Ältestenrat um Selenes Begnadigung zu bitten, da die Vampire generell im Krieg gegen die Lykaner an Boden verlieren und nur die überragende Kämpferin Selene die jüngeren Todeshändler-Rekruten ausbilden könne. Als Selene die Einladung zum Östlichen Orden annimmt und gemeinsam mit David die Ordensfestung besucht, werden beide mit einem Fest empfangen.

Selene erhält trotz aller Vorbehalte des Rates die Aufgabe als Ausbilderin übertragen, da die neue Bedrohung durch die Lkyaner wichtiger scheint als alte Feheden: Werwolf-Anführer Marius ist es gelungen, die einzelnen Rudel zusammenzuführen und nimmt den Vampiren eine Zuflucht nach der anderen ab. Doch dies ist nicht die einzige Gefahr, welche Selene und David bevorsteht, da Intrigen aus dem Inneren ihren langen Schatten auf das Kommende vorauswerfen ...

Der fünfte Film aus dem "Underworld"-Universum führt die Erzählstränge der vorherigen Filme fort und bietet für Leute, welche diese nicht kennen, eine kurze Rückblende zu Filmbeginn, die über die gravierendsten Ereignisse Aufschluss gibt. Wichtigstes Thema scheint zunächst die Tochter Selenes mit Lykaner Michael zu sein, deren Hybridenblut für die Lykaner ungeahnte Stärke verspricht. Doch recht schnell entwickelt sich die Geschichte zu einer Mischung aus Vampirintrigen und vor allem Action, die darüber hinwegtäuschen soll, dass sich im Grunde bis auf einige Machtverschiebungen und ausgetauschte Führungsfiguren nicht viel in der Welt der Vampire und Lykaner ändert.
David und Selene suchen in einem der wenigen verbliebenen Verstecke Zuflucht vor den Lykanern
Schon mit der Einführung des Lykaners Marius (redlich bemüht: Tobias Menzies) als dem neuen Gegner wird zwar ein vielversprechender Grundstein gelegt, aber die Möglichkeiten nicht ausgereizt, die sich daraus ergeben hätten, dass dieser Werwolf nicht nur kampfkräftig, sondern auch charismatisch genug ist, um die verschiedenen Rudel zusammen zu halten. 
Dank eines Informanten bleibt Marius Selene und David (Theo James) immer auf den Fersen, aber es hätte sicherlich mehr für ihn gesprochen, hätte er die verschiedenen Wegoptionen durch taktische Planung und geschickt platzierte Überwachung auch ohne den Informanten eliminiert, um sein eigentliches Können zu offenbaren. 

Es wird viel Einblick in das Handeln der Vampir-Intriganten gegeben, aber das Handeln der Gegnerseite bleibt leider zu sehr im Dunklen, um die Motive Marius' und seine Überzeugung bezüglich Eves Blut wirklich zu beleuchten. Letztendlich läuft es dann doch wieder auf eine gediegene Klopperei heraus, bei der sich Marius und Selene gegenüberstehen und ihre herausragenden Fähigkeiten messen dürfen. 
Besonders traurig finde ich es, dass die Lykaner während des Filmes für den Konflikt mit den Vampiren sichtbar aufrüsten und bei deren Arsenal einige gute Ideen bezüglich der vampirischen Schwächen zu finden sind, aber es nie erklärt wird, wer diese Ideen beigetragen hat. Gerade im Vergleich mit dem ersten Underworld-Film, bei dem die Story ja durchaus beide Seiten gut beleuchtete und die Lykaner und deren Ziele greifbar gemacht hat, klafft hier eine merkliche Lücke in der Erzählung.
Lykaner-Anführer Marius gibt sich beste Mühe, die einzelnen Rudel zusammen zu halten
Überhaupt scheint Selene (Kate Beckinsale in kleidsamem Lack) während der letzten Filme zum Übervampir mutiert. Sie wird als die beste Todeshändlerin aller Zeiten beschrieben - sorry, liebe Übersetzer, aber ein 'Death Dealer' wäre ein 'Todbringer', aber sicher kein 'Todeshändler"! - und dank ihres mit dem von Michael gemischten Blutes kann sie dem Tageslicht trotzen. 
Während des Filmes überlebt sie sogar eine eigentlich tödliche Verwundung, dazu soll ihr Blut mit das Reinste von allen sein. So langsam gibt es im Grunde kein Superlativ mehr, das nicht auf sie zutreffen würde, immerhin schafft sie gegen Ende des Filmes auch noch einen überraschenden Karrieresprung. Was gibt es denn nun noch, was Selene erreichen könnte - außer, ihre Tochter wiederzufinden, die zwar während des gesamten Films ein Thema bleibt, aber nie darin auftaucht?

Tief in die Klischeeschublade greift das Drehbuch auch bezüglich der Mitglieder des Ältestenrates der Vampire, welcher sich im Östlichen Orden verbarrikadiert hat. Der Älteste Cassius entspricht in allem dem bockigen, zurückgebliebenen und vor allem unversöhnlichen Anführer, Semira (herrlich intrigant: Lara Pulver) als diplomatische Intrigantin nutzt geschickt die verkrusteten Strukturen für ihren eigenen Aufstieg und scheut auch vor Opfern nicht zurück. Die restlichen Mitglieder des Rates bleiben leider blass und gesichtslos, eine weitere verschenkte Gelegenheit für einen tiefer reichenden Blick auf die Vampirgesellschaft und ihre unterschiedlichen Interessen. 
Allenfalls Semiras Handlanger Varga darf sich ein wenig eigene Persönlichkeit und letztendlich auch eine unabhängige Entscheidung leisten, um nicht ganz zum hirnlosen Minion zu verkommen, aber auch er tritt hinter der Glanzerscheinung Davids deutlich zurück, der im Laufe des Filmes dank bis dahin verborgener Herkunft zur neuen Erlösergestalt für den Orden hochstilisiert wird.
Der Rat der Ältesten debattiert über Selenes Begnadigung
Allenfalls durch den Nördlichen Orden, welcher Selene und David im Laufe der Handlung Zuflucht bietet und als Kontrast zu den schwarzgekleideten Ost-Vampiren vor allem in strahlendem Weiß und mit pelzbesetzter Kleidung auffährt, wird ein wirklich neues Element der bereits überaus bekannten Welt hinzugefügt. 
Diese Vampire gelten als Abweichler und Individualisten, scheinen einen Zugang zu einer anderen, mystischen Welt gefunden zu haben, die jedoch auch nie wirklich näher thematisiert wird, sodass nur noch mehr Fragen zurückbleiben denn beantwortet werden. Diese Vampire scheinen bei den Kampfkünsten irgendwo im Mittelalter zurückgeblieben zu sein, da sie bis auf Handarmbrüste und Unterarmschilde den automatischen Schusswaffen nichts entgegen zu setzen haben. 

Überraschenderweise werden sie zunächst im Kampf recht simpel von Werwölfen aufgerieben, sind aber bei der Endschlacht die alles entscheidende Verstärkung, welche das Blatt zu den Gunsten der Vampire wenden können. Anscheinend haben sie dann in den letzten dreissig Minuten des Filmes enorm dazugelernt - oder aber Selenes Kampffähigkeiten wurden innerhalb kürzester Zeit einfach von ihnen adaptiert.
Rein optisch machen die Vampire aus dem Norden durchaus etwas her, auch ihr mystischer Anflug hat mir gut gefallen - aber auch hier liegt der Fokus wieder viel zu sehr auf Selene und deren Konflikt mit Marius und dem Rat der Ältesten, sodass alles am Rande schlichtweg in Bedeutungslosigkeit verharrt.
Die Vampire des Nördlichen Ordens sagen Selene und David Hilfe zu.
Abschließend lässt der Film einen schalen Nachgeschmack zurück. Gefühlt hat sich der gesamte Story-Arc nur recht gering voran entwickelt, auch wenn Selenes Zwangslage nun ausgeräumt ist und die Weichen für den kommenden Film gestellt wurden. So reihen sich von einigen Intrigen-Momenten abgesehen vor allem gut coreographierte Actionszenen aneinander, bei denen Vampire mit Schusswaffen auf Lykaner mit Schusswaffen einballern oder waffenlos einprügeln, dass man kein Morgen mehr sieht. 
Das Ganze ist abwechslungsreich gemacht, wirklich gelangweilt habe ich mich nicht dabei, aber das Gefühl, in eine eigene, interessante Welt eingetaucht zu sein, welches ich noch beim ersten Film hatte, kam nicht mehr wirklich auf. So lässt sich der Film als Action-Popcornkino recht gut konsumieren, der große Wurf war "Blood Wars" leider nicht. Wieder einmal musste ich mich darüber ärgern, dass die meisten Filme der 'vermeintlicher Blockbuster'-Kategorie nur noch in 3D angeboten werden, da von diesem Stilmittel nicht sonderlich häufig Gebrauch gemacht wurde und das dafür ausgegebene Extrageld sich für mich gefühlt nicht gelohnt hat.
Wer diesen Film nicht total fan-hyped, kann sich das Ganze im Kino wirklich sparen, auch auf DVD sollte er noch angemessen kurzweilig sein.

Fazit: Nette Vampir-Werwolf-Prügelei, deren Story allerdings überaus flach bleibt. Vier von zehn möglichen Punkten.

Filmdetails:
Titel: Underworld: Blood Wars
Originaltitel: Underworld: Blood Wars
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 2016
Länge: 92 Minuten
Altersfreigabe: FSK16
Regie: Anna Foerster
Drehbuch: Cory Goodman, Kyle Ward
Darsteller: Kate Beckinsale, Theo James, Tobias Menzies, Lara Pulver, Charles Dance, James Faulkner, Bradley James

Über Nerd- Gedanken

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6 Eure Meinung zu den Nerd-Gedanken:

  1. Semira ist keine Älteste, sondern lediglich Ratsmitglied. Macht ihr alle nur Copy&Paste anstatt den Film selbst zu schauen?!

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    1. *blinzelt* Eingefleischter Fan, dem ein falsches, winziges Detail aufstößt und es nicht schafft, die Frage sachlich zu stellen? Sorry, wenn ich in einer Zusammenfassung nicht jede Entwicklung genau beleuchte - denn zur Ältesten steigt sie schließlich während der Handlung auf! Und ja, an diesen Kinoabend samt persönlicher physischer Anwesenheit im Lichtspielhaus kann ich mich noch recht gut erinnern.

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  2. Nun sicher hätte ich es etwas freundlicher formulieren können. Aber hätte es etwas an der Tatsache geändert dass die ersten beiden Absätze; in welchem das Detail steht um das es in diesem Kontext geht, so auf nahezu jeder Seite zu lesen sind welche einen Mucks von sich gegeben haben zu diesem Film?

    Vllt ist es aber tatsächlich nur Zufall und allen Reviewern ist einfach nur exakt der gleiche Text eingefallen...
    Spaß beiseite. Fan bin ich schon,ja. Aber kein eingefleischter. Passe lediglich auf wenn ich eine Geschichte lese, sehe oder mir anhöre -was natürlich nicht bedeutet dass auch mir etwas entgehen kann.

    Daher: in welcher Szene kam es denn deiner Meinung/Erinnerung nach vor, dass Semira zur einer Ältesten ernannt wurde?

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    1. In dem Moment, in dem Semira den hohen Rat herausforderte, schien sie mir zumindest weit genug machtmäßig aufgerückt zu sein, um Leute um sich zu sammeln und so einen Coup zu schaffen (wäre David nicht aufgetaucht). Aber gut - wenn ich mich darin wirklich total geirrt haben sollte, korrigiere ich das natürlich. Vermutlich sind einfach auch eine Menge anderer Leute demselben Trugschluss unterlegen - das wäre die vermutlich etwas freundlichere Interpretation des Ganzen. Ich schreibe jedenfalls nicht von anderen ab.
      Bin eh etwas erstaunt, dass jemand, der vermutlich nicht nur den Einleitungssatz des Reviews gelesen hat, nicht anhand des Kritikteils auf den Gedanken kommt, ich könnte den Film doch gesehen haben ;) auf der Grundlage eines angeschauten Trailers rezensiert es sich schlecht.

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  3. Hört sich ja spannend an! Irgendwie hatte ich nicht mitbekommen, dass eine neue Folge von Underworld gibt, was für eine Schande für mich! Vielen Dank für die tolle Rezension sowieso :)
    LG
    Lukas

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    1. Gerne, danke Dir :) Ich hoffe, Du hast viel Spaß beim Filmgucken, wenn Du ihn Dir gönnst!

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