Persönliches

Warum der Uhrwerk-Verlag gerettet gehört


Es gab mal eine Zeit, in der ich weder gebloggt habe, noch sonderlich selbstsicher war, was meine Schreiberei und das Illustrieren betraf. Zugegeben, das ist schon über acht Jahre her, aber ich erinnere mich noch gut daran. Es war eine Zeit, in der ich einige harte, persönliche Rückschläge habe einstecken müssen, an denen ich lange zu knabbern hatte. 
Manchmal braucht es dann einfach jemanden, der einem eine Hand entgegen streckt - und genau diese Hand hielt mir Patric Götz vom Uhrwerk-Verlag hin. Ohne mich vorher zu kennen, ohne mich mangels professioneller Erfahrung zu verurteilen. Genau deswegen hat mich die Insolvenzmeldung des Uhrwerk-Verlags auch richtig hart getroffen.

Aber von Anfang an. Ich besuchte damals mit lieben Freunden die RPC in Köln, zu dieser Zeit war sie noch sehr szenenah und rollenspielerfreundlich aufgestellt, kurz, für alle Rollenspieler im Einzugsbereich auf jeden Fall eine Messe, die man besucht haben sollte. An diesem Tag war ich ultranervös, da ich mir ein kleines Portfolio meiner Illustrationen zusammengepackt hatte, um es Verlagen zu präsentieren. Einfach so, auf die harte Tour mit Kaltakquise, wie man im Marketing so schön sagt. 

Ein Bekannter hatte mich auf verschiedene Verlage aufmerksam gemacht, mir sogar zu einem bestimmten Verlag geraten, da er dort Kontakte hatte - bei denen bin ich aber nie gelandet. Meine Werke hatten diesen Verlag wohl nicht überzeugt.Aber da ich ohnehin schon da war, um mich hoffnungslos vor wildfremden Leuten zu blamieren, dachte ich mir, dass ich eh nichts mehr zu verlieren hätte und probierte mein Glück auch bei Uhrwerk. 

Es war so ein Moment, der im Augenblick des Geschehens schon wegen totaler Hypernervosität total untergeht, danach aber jahrelang nachwirkt. Ich fühle mich in Menschenmengen extrem unwohl, und ich bitte ungerne andere Menschen um etwas, und sei es nur ein Moment ihrer Zeit. Denkbar ungünstige Voraussetzungen, um sich souverän und selbstsicher zu präsentieren, aber anstelle mich mit ein paar netten Worten wegzuschicken, nahm sich Patric Zeit für mich. Schaute sich an, was ich ihm zeigte. Wir redeten über ein paar Rollenspiele, die wir beide mögen und schon fühlte ich mich wesentlich besser. 

Dann stellte er mich dem Chefautor des CONTACT-Regelwerks, Robert Hamberger, vor und schon hatte ich zumindest einen kleinen Finger in der Tür. Dieses Gefühl des Ernstgenommen-Werdens, des Angenommen-Werdens an diesem Tag, der für ihn sicher extrem stressig gewesen sein muss, rechne ich Patric auch heute noch hoch an. Es führte letztendlich dazu, dass ich am großen Erweiterungsband von CONTACT "Schrecken aus der Tiefe" mitarbeitete und Spieler auch heute noch mit der fiesen Kampagne gestraft werden, die ich dafür schrieb. 

Aber dieses Wissen, dass das, was ich so vor mich hin werkelte, anscheinend für eine mir bis dahin völlig unbekannte Person einen Wert hatte, dass ich damit auf Augenhöhe mit jemandem sprechen konnte, wirkt bis heute nach. Auch in den Jahren später habe ich Patric immer wieder auf diversen Messen getroffen, und er war immer sympathisch, entspannt, einfach jemand, der wie ich selbst ein Nerd aus tiefstem Herzen ist und sein geliebtes Hobby zum Beruf machen konnte. 
Ich schreibe nicht mehr für Uhrwerk, auch die Illustrationen habe ich zugunsten journalistischer Arbeit an den Nagel gehängt. Was gelieben ist, ist diese initiale Zündung, die mich seither immer hat Mut fassen lassen, wenn es darum ging, auf andere zuzugehen, etwas berufliches zu wagen. 

Vor einem Jahr lernte ich dann Kathrin Dodenhoeft, die Verlagsleiterin des Uhrwerk-Schwesterverlags Feder und Schwert kennen, der nun leider auch mit in die Insolvenz gelaufen ist. Es war bei einer Podiumsdiskussion auf der Leipziger Buchmesse, bei der wir beide zum Thema "Blogtouren" als Gast geladen waren. Auch hier: Ultrasympathischer Mensch, eine wirklich nette Nerdin, mit der ich mich seither lose auf Twitter austausche. 
Dieses Jahr kam die Bekanntschaft mit Aşkın-Hayat Doğan, genannt Ask, wieder auf der Leipziger Buchmesse, hinzu - der mir sogar sagte, dass er ein Leser meines Blogs sei. Noch ein wirklich sympathischer Mensch mehr, dessen Arbeit ich sehr bewundere, noch ein weiteres Gesicht, das für den Uhrwerk-Verlag steht und dessen weltoffene, diverse Art mit ausmacht.

Uhrwerk und Feder und Schwert, das sind für mich nicht nur Verlage, die konsequent auf gut produzierte und durchdachte Nischentitel setzen, sondern vor allem Menschen. Offene, freundliche und kreative Menschen, denen ich von ganzem Herzen wünsche, dass die Verlage dann doch nicht baden gehen. Denen ich wünsche, dass Patrics Lebenswerk noch eine Chance bekommt und dass die vielen Fans, die sich in den letzten Tagen zur Unterstützung der Verlage Rollenspielmaterial und Bücher gekauft haben, einen Unterschied machen können.

Ich habe mir nun eine FATE-Sammlung zugelegt, auf die ich mir sehr freue - aber was ich vor einigen Jahren einfach so geschenkt bekam, ist einfach unbezahlbar und hat mir auf meinem Weg sehr geholfen. Manchmal braucht es eben einfach nur einen einzigen Menschen, der einem vermittelt, dass er einen ernst nimmt, an einen glaubt. 
Danke dafür - und ich drücke jetzt einfach fest die Daumen, dass Uhrwerk und Feder und Schwert die Kurve noch kriegen. Verdient haben es die Menschen dahinter, die Herz und Seele der Verlage ausmachen, auf jeden Fall! Falls ihr gerade ein paar Euro locker habt und eure Sammlung ergänzen wollt - werft doch mal einen Blick in den Uhrwerk-Shop. Gerade PDF-Verkäufe helfen laut Verlag im Augenblick sehr.
Wer sich für mehr Reaktionen aus der Rollenspiel-Community interessiert, liest mehr dazu beim entsprechenden Artikel und Übersicht "Im Herz der Community" bei Nandurion oder auf PnP-News.

Über Gloria H. Manderfeld

4 Eure Meinung zu den Nerd-Gedanken:

  1. Hey!
    Da sprichst Du mir aber aus der Seele! Ich kenne das Gros der Süßen ja auch schon seit vielen Jahren. (Thomas seit 1991, Uli seit seiner Teilnahme an der Namenlos-Anthologie, Patric seit dem Wechsel von DSA von FanPro zu Ulisses, alle anderen kamen dann hinzu, sobald sie auf der Bildfläche waren.) Ich fühle mich ihnen sehr verbunden und könnte nun über alle lauter liebe Details fallen lassen. Ich beschränke mich aber mal auf Patric, weil Du mit ihm begonnen hast, und weil ich das, was Du über ihn erzählt hast, so gut nachvollziehen kann. Denn genau mit diesem freundlichen, entgegenkommenden und letztlich optimistischen Wesen hat der kleine Grummler auch mich damals "begrüßt" sozusagen. Ich wusste damals sofort, dass er meinem Leben gut tun würde. Und der liebe Patric - ich bin mir sicher, dass er das hier sowieso bald lesen wird - weiß sehr gut, dass er sich auf mich verlassen kann, ... naja, dass ich ihm komplettomato wohlgesonnen bin und mich immer freue, ihm zur Seite stehen zu können. Ich mag Dich, Patric. :)

    Hoffen wir das Beste!

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    1. Ja, ich denke mal, wir drücken alle die Daumen, dass der Verlag nochmal vom Rand des Abgrunds zurücktaumelt. Wenn ich bedenke, welches enorme Echo auf die Insolvenzmeldung kam, wie viele Leute Positives berichteten - möge das positive Karma, das Patric und die anderen im Hobby aufgebaut haben, möglichst umfangreich auf sie zurückfallen :)

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  2. Daumen hoch, Gloria, toll geschrieben. Wenn ich so drüber nachdenke bin ich auch durch Patric ins Pathfinderteam gerutscht und ein Stück näher hinter die Kulissen der Szene.

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    1. Danke dir :) und ich würde wetten, es gibt eine Menge Leute, die eine positive Patric- oder Kathrin- oder Ask-Story (oder mit sonstigen Verlagsmitarbeitern) erzählen könnten ...

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