Rollenspiel

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Media Monday #274

- Montag, 26. September 2016 Keine Kommentare
Noch immer zeigt sich der September hier im schönen Niederbayern als sehr sonnig - Grund genug, die neue Woche mit ein paar ebenso sonnigen Sätzen im Media Monday des Medienjournals zu beginnen. Wie immer habe ich meine Ergänzungen im Lückentext fett und kursiv für euch markiert - viel Spaß!

1. Die Handlung mag bei Pornos eine eher untergeordnete Rolle spielen, aber ganz darauf verzichten kann keines dieser Filmchen, schließlich muss ja vom obligatorischen Blowjob irgendwie zur Paaraction und dann zur Endszene übergeleitet werden. Auch wenn man die Dialoge am Besten nie zu genau bewertet, da vermutlich auch ein Aufsatz von Grundschülern weniger gewollt klingt...

Einer meiner Lieblingsfilme: Sleepy Hollow, mit Johnny Depp in der Rolle des Constable Ichabod Crane
2. Grundsätzlich mag ich ja Filme mit Johnny Depp, bei "Transcendence" allerdings bin ich mir immer noch nicht sicher, was an diesem Film ein "Thriller" sein soll, da sich der Spannungsbogen durch die Vorwegnahme des Endes nicht wirklich aufbaut und das Erzähltempo relativ indirekt ist. Ein Film, der recht viele interessante Fragen bezüglich künstlicher Intelligenzen aufwirft, bleibt es allemal, aber die groteskeren Rollen liegen Johnny Depp definitiv mehr.

3. Ich bin ja der Meinung, dass Robert Downey Jr. in den letzten Jahren quasi immer dieselbe Rolle spielt, denn in seinen größeren Filmen wie "Iron Man" oder "Sherlock Holmes" gibt er vor allem den schwierigen Individualisten, der mit der Welt nicht zurecht kommt, die ihn umgibt, da er ihr weit voraus ist. Ich würde ihn gerne mal wieder in einer Rolle sehen, in der er von diesem Muster deutlich abweichen muss, um sein volles Können zu zeigen.

4. "Teenage Mutant Hero Turtles" hätte ja nun wirklich keine Fortsetzung gebraucht, schließlich war schon der erste Film unter Michael Bays Regie eine Vergewaltigung meiner Kindheitshelden sondergleichen, bei der ich leider die Erinnerung an den Film nicht aus meiner Erinnerung herausbrennen kann. Ich hätte nie gedacht, dass mir ein Körperteil von Megan Fox (ihr Hintern) mal bei einem Film als einer der wenigen positiven Aspekte erscheinen würde!

5. Stop-Motion-Filme wie die "Wallace und Gromit" oder "Shaun das Schaf"-Kurzfilme finde ich herrlich - natürlich ist der Dreh sehr aufwendig, aber der Charme dieser Filme ist wirklich etwas ganz besonderes und sorgt für ein Gefühl von Zeitlosigkeit. Diese Filme kann ich mir immer wieder anschauen und Spaß damit haben.

Katniss Everdeens letzter Schuss | Mockingjay Teil 2
6. Die Millennium-Trilogie von Stieg Larsson war so eine Lektüre, die mir nach dem ersten Lesen so gut gefallen hat, dass ich sie unter meine All-Time-Favourites aufgenommen habe. Einmal im Jahr lese ich die Geschehnisse um Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander mit Genuss aufs Neue durch und verliere mich in einer Welt, die mir ansonsten eher fremd ist. Wirklich schade, dass Stieg Larsson nur drei Bücher vollenden konnte - sein präziser, in vielem nüchterner Stil sagt mir einfach sehr zu.

7. Zuletzt habe ich den letzten Teil der Filmreihe um die "Tribute von Panem" gesehen und das war ein bisschen enttäuschend, weil das in den Büchern sehr plastisch beschriebene Kriegsgeschehen irgendwie eher stilisiert dargestellt wurde und sehr viel mehr Zeit damit verging, Jennifer Lawrences Gesicht in leidender Großaufnahme zu betrachten. Keine Frage, ein brauchbarer Abschluss der Filmreihe, und schlecht war "Mockingjay - Teil 2" nicht. Aber wirklich mitgerissen hat er mich leider auch nicht.

Wie geht's weiter mit Westeros?

- Samstag, 24. September 2016 Keine Kommentare

Egal, wohin man derzeit als eingefleischter "Game of Thrones"-Fan blickt, man muss warten. Die nächste, siebte Staffel der mehrfach preisgekrönten HBO-Erfolgsserie wird vermutlich mindestens bis Sommer 2017 auf sich warten lassen, da die Dreharbeiten wegen des notwendigen, strengen Winterklimas erst zur kälteren Jahreszeit beginnen können und erst jetzt im Herbst 2016 richtig angelaufen sind.
Dazu noch die Hiobsbotschaft, dass es künftig noch weniger Folgen pro Staffel sein werden, sodass mit der siebten und achten Staffel nur noch insgesamt dreizehn Folgen sind, auf die wir uns freuen können! Dchwere Zeiten für Fans ausgiebiger TV-Schwelgereien., denn nach der achten Staffel ist Schluss und Westeros liegt entweder in Trümmern oder wird von der kundigen Hand eines echten Anführers regiert.

Dass uns George R. R. Martin schon bei der sechsten Staffel die Buchgrundlage nicht mehr nachliefern konnte, ist besonders für alle Leseratten ein echtes Manko. Der Autor scheint sich der Enttäuschung seiner Fans durchaus bewusst zu sein, immerhin erschien das letzte Buch (A Dance with Dragons, in deutscher Ausgabe in 'Der Sohn des Greifen' und 'Ein Tanz mit Drachen' geteilt) im Jahr 2011. Entsprechend hat er sich in seinem Blog zu Beginn dieses Jahres geäussert, und noch hat sich bis auf ein zweites Vorschaukapitel aus "The Winds of Winter" nichts weiter getan. 
Einerseits verstehe ich Martins Aussage 'Es ist einfach noch nicht fertig' sehr gut - wenn ich unter Zeit- und Erwartungsdruck anderer etwas schreiben muss, ist das einfach eine ganz andere Situation als ein lockerflockiges Vor-sich-hin-Schreiben, weil man gerade Lust drauf hat. Andererseits sind das nun schon fünf Jahre Wartezeit - irgendwann muss man doch auch mal zu Potte kommen.

Gerade wenn man sich im Internet ein bisschen umschaut, wird deutlich, wie viele Fans sich mit "Game of Thrones" und den vielen Details beschäftigen, die in Büchern und Serie Eingang gefunden haben. Ich liebe die teils skurrilen, teils abstrusen und - nach Staffel 6 - auch bestätigten Fantheorien, deswegen stelle ich euch heute ein paar vor, die ich besonders bemerkenswert finde. 
Dazu noch eine Vorbemerkung: Dieser Artikel ist dunkel und voller Spoiler - wer also Staffel 6 der Serie noch nicht gesehen hat und nicht gespoilert werden möchte, möge den Teil mit den Fantheorien bitte überspringen!

1. Die getrennten Zwillinge
Daenerys Targaryen begibt sich im zweiten Band "Die Saat des goldenen Löwen" in das Haus der Unsterblichen und erlebt dort eine vielteilige Vision, die in mehr oder weniger verständlichen Bildern Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft umfassen und für sie reichlich unverständlich bleiben. In einer der Passagen heisst es:
"Der Mann hatte das gleiche Haar wie ihr Bruder, doch er war größer, und seine Augen waren eher dunkel indigofarben denn veilchenblau. "Aegon", sagte er zu einer Frau, die ein Neugeborenes in einem großen Holzbett stillte. "Welcher Name wäre für einen König besser geeignet?"
"Wirst du ein Lied für ihn verfassen?", fragte die Frau.
"Er hat schon ein Lied", erwiderte der Mann. "Er ist der Prinz, der verheißen wurde, und sein ist das Lied von Eis und Feuer." [...] "Es fehlt noch einer", fuhr er fort, und ob er zu ihr sprach oder zu der Frau in dem Bett, vermochte sie nicht zu sagen. "Der Drache hat drei Köpfe." 
Er ging zum Fenster, nahm eine Harfe und strich mit den Fingern sanft über die silbernen Saiten. Süße Traurigkeit erfüllte den Raum, derweil Mann und Frau und Säugling sich wie Morgennebel auflösten, nur die Musik blieb [...]"

Es ist davon auszugehen, dass es sich bei dem Mann um Rhaegor Targaryen handelt, der sich mit seiner Gemahlin Elia über beider Sohn unterhält. Da Aegon nicht überlebt, alle Visionen bei "Game of Thrones" jedoch eine tiefere Bedeutung haben, ist eine populäre Vermutung, dass es sich bei zwei Köpfen des angesprochenen Drachen um Daenerys Targaryen und Jon Snow (als Rhaegars Bastard) handelt. Beim dritten Drachenkopf scheiden sich die Geister - einige vermuten, es könnte Tyrion Lannister sein, dessen Mutter Joanna vom verrückten König Aerys geschwängert wurde. Das könnte erklären, warum Tywin seinem jüngsten Sohn neben Joannas Tod bei dessen Geburt mit so viel Verachtung entgegen tritt.
Andere bringen den Namen Meera Reed ins Spiel - da Howard Reed zu der Zeit, in der Ned Stark Jon Snow zu sich nahm, an dessen Seite war und ganz Star-Wars-like die 'Leia' eines neugeborenen Zwillingspaares Jon/Meera zu sich genommen hätte. Mutig genug für einen Targaryen-Spross ist Meera allemal ..

Ein (Geschwister-) Paar mit Höhen und Tiefen: Jaime und Cersei Lannister | Game of Thrones
2. Tod durch den Valonquar
Schon als junges Mädchen wird Cersei Lannister von einer Hexe (Maggy der Frosch) ihre Zukunft vorhergesagt. Drei Fragen durfte sie der Hexe stellen und erhielt darauf recht durchwachsene Antworten. Auf ihre dritte Frage, ob sie und der König, den sie heiraten würde, Kinder haben würden, antwortete Maggy recht kryptisch:
"O ja. Sechzehn er, drei du. Golden werden ihre Kronen sein, und golden ihre Totenhemden. Und wenn deine Tränen dich ertränkt haben, wird der Valonqar die Hände um deinen hellen weißen Hals schließen und zudrücken, bis du dein Leben ausgehaucht hast."

Nachdem in der sechsten Staffel auch das dritte Kind Cerseis sein Leben (wie auch von Maggy vorhergesagt) auf tragische Weise aushaucht, bleibt für die Verkörperung des Valonquar eigentlich nur noch eine Person übrig - Jaime Lannister. "Valonquar" ist der hochvalyrische Begriff für 'kleiner Bruder', und wie wir auch wissen, kam bei der Zwillingsgeburt Cersei/Jaime die intrigante Königinwitwe zuerst auf die Welt. Angesichts der Tatsache, wie viel Tragik Jaime durch den Tod seiner Kinder erleben musste und wie rasant sich Cersei zu einer reinen Machtperson entwickelt, scheint mir dieser Ausgang gar nicht so unwahrscheinlich.

3. Des Königs Appetit gebar Zwillinge
Und schon wieder sind wir bei den Lannisters und einer Theorie, die aus Tywin vermutlich die deprimierendste Gestalt der gesamten Geschichte machen könnte: Während viele Leute darüber spekulieren, dass Tyrion Lannister (siehe 1.) ein Bastard aus stattgefundenen Trieben des König Aerys und der strahlend schönen Joanna Lannister sein könnte, halten andere wegen seiner Eigenschaften energisch dagegen. Denn Tyrion besitzt Tywins politischen und taktischen Scharfsinn, seine Intelligenz und die Anführerqualitäten, die sehr unterschiedliche Leute dazu bringt, ihr Leben mit dem seinen zu verknüpfen.
Was, wenn das als Verkörperung der Lannister-Schönheit geltende Zwillingspaar Cersei/Jaime die untergeschobenen Kinder von Aerys mit Joanna wären? Denn auch wenn die optischen Tugenden der Lannisters eher in Richtung goldblondes denn weißblondes Haar gehen, so scheinen doch beide zwar rege am Spiel der Throne beteiligt, jedoch ohne sich so geschickt zu gebärden wie Tywin Lannister, den man für ihren Vater hält.

Als grausam, gierig und machtverliebt erweist sich Cersei - Eigenschaften, die man einer Menge Targaryens ebenso zuschreiben könnte und gut zu jenem Sprichwort über die Targaryens passt, nachdem bei der Geburt eines Nachkommen eine Münze geworfen würde, welche darüber entscheidet, ob das Kind verrückt werde oder nicht. Paranoid genug dafür ist Cersei ganz sicher.
Und gab es da nicht einmal eine angestrebte Verlobung zwischen ihr und Rhaegar Targaryen, die ohne viele Gründe gecancelt wurde?
Vielleicht wollte König Aerys schlichtweg nicht, dass sein leiblicher Sohn seine Bastardtochter heiratet. Bedenkt man, dass Targaryen-Bastarde als verrückt und brutal gelten, sollte man sich zumindest über Cerseis Herkunft ein paar Gedanken machen. Damit hätte der stolze Tywin Lannister Zeit seines Lebens den einzigen wahren Sohn aus seinem Samen verdammt...

4. Der Eunuch mit dem weißen Haar
Eine Person, die im Buch stets als haarlos beschrieben und auch in der Serie immer mit Glatzkopf gezeigt wird, ist einer der stärksten Unterstützer der Targaryen-Fraktion in Westeros - Varys 'die Spinne', der Meister der Ohrenbläser und Mitglied im Königsrat. Er sorgte für Tyrions Flucht, war stets ein Verbündeter von Meister Ilyrio, welcher Daenerys und Viserys Unterschlupf gewährte.
Was, wenn seine Haarlosigkeit nicht an seinem hormonell nun etwas anderen Leben als Eunuch liegt, sondern daran, dass er sich die verräterische Haarpracht generell abrasiert - gerade unter dem extrem targaryenhassenden König Robert Baratheon definitiv hilfreich, um länger zu leben.

Letztendlich ist Varys' Anspruch, dem Reich zu dienen, kein vollkommener - denn während Lannisters auf dem Thron sitzen, kocht der listenreiche Ratgeber ein ganz eigenes Süppchen direkt unter den Augen der Löwen. Selbst sein Name gilt hier als der Beweis - zugegeben, 'Varys' hat schon deutlich mehr Ähnlichkeit mit den klingenden Namen der Targaryens als mit irgendwelchen Stämmen sonst. Allerdings bleibt die Frage zu Varys' Eltern und eigentlicher Herkunft unbeantwortet. Da König Aerys II. ihm vertraut haben soll, könnte er zumindest ein geheimer Bastard der Targaryens sein, da er immerhin auch deren Geheimnisse hüten durfte ...

Brienne 'die Schöne' - eine Frau mit Durchschlagskraft | Game of Thrones
5. Die Schöne gegen die Goldhaarige
Wieder sind wir bei einer Prophezeihung, genauer der zweiten Frage, welche Cersei von der Hexe beantwortet erhält - jener danach, ob Cersei Königin werden würde. Maggy antwortete folgendes:
"Ja. Königin wirst du werden, bis eine andere kommt, eine Jüngere und Schönere, die dich niederwirft und dir alles nimmt, was dir lieb und teuer ist."

Allgemein geht man davon aus, dass damit die Heirat zwischen Margaery Tyrell und Cerseis Sohn Tommen ist, der als ihr einziges Kind in Cerseis direkter Nähe blieb und nach dem Tod von Joffrey diesem als König nachfolgt. Margaery wird Königin, Cersei ist es damit nicht mehr, jünger ist sie allemal, über 'schöner' darf man sich streiten. Doch wenn es nicht Margaery ist, wer könnte es denn noch sein? Die Rede ist nicht davon, dass die andere auch Königin wird, sondern nur davon, dass sie Cersei niederwerfen und ihr alles nehmen würde.
Die Kraft dazu hätte eine ganz sicher: Brienne von Tarth, genannt 'Die Schöne', welche im Kampf gegen Sandor Clegane brillierte und zudem über zehn Jahre jünger als Cersei ist. Was die furchtlose Kriegerin dazu bringen könnte, in den direkten Clinch mit Cersei zu gehen, ist jedoch noch unklar. Vielleicht kommen Gefühle ins Spiel, die seit Jaimes und Briennes gemeinsam verbrachten Weges durchaus existieren könnten?

6. Tanzmeister und Assassine im Dienste der Gesichtslosen
Ein Mann hält sich hartnäckig als Einfluss in Arya Starks Leben - Jaquen H'gar, der sie auf den Weg nach Braavos schickt, um aus ihren Rachegefühlen etwas Sinnvolles zu machen und sie dort im Haus von Schwarz und Weiß aufnimmt, damit sie dort als Novizin dienen und das Leben als Gesichtslose erlernen kann.
Ein anderer Mann stammte jedoch auch aus Braavos, nannte Arya ebenso 'Junge' und war ebenfalls ein wichtiger Einfluss in Aryas Entwicklung: Syrio Forel, ihr 'Tanzmeister', welcher ihr die Künste einer Bravoosi-Wassertänzerin nahebrachte und den Grundstein für ihre Entwicklung und ihr Können legte. Weder im Buch noch in der Serie sieht man ihn sterben, es könnte also durchaus sein, dass es ihm gelang, die Königsgarde auszumanövrieren und zu flüchten. Für einen Mann, der das Aussehen seines Gesichtes verändern kann, stellt auch ein abgeriegelter Palast kein zu großes Problem dar.
Demnach also müsste die Aufmerksamkeit des Todesgottes schon sehr früh auf Arya gerichtet gewesen sein - oder erst durch ihre Ausbildung entstanden. Andererseits soll Forel ein über mehrere Jahre hinweg bekanntes Vorleben gehabt haben - wer weiss. Sicher ist jedoch, dass Jaquen H'gars Rolle in Aryas Leben gewiss noch nicht vorüber ist.

7. Aus zwei mach eins
Eine weitere Theorie rückt Arya Stark ebenfalls in den Mittelpunkt, genauer gesagt ihre Novizenzeit im Haus von Schwarz und Weiß. Mit ihr dient eine junge Frau im Tempel, die Heimatlose (englisch: the Waif), welche Aryas zunächst ihre Pflichten erklärt und diese zum Teil mit ihr gemeinsam ausübt. Doch als Arya ihre persönliche Rache über den Dienst am Vielgesichtigen Gott stellt, ist es die Heimatlose, die während Aryas Sühnedienst stets genau Bescheid über deren Leben weiß und Aryas Sünden alle kennt. Die Heimatlose verletzt Arya bei deren zweitem großen Versagen schwer und wird von jener schließlich im blinden Kampf bezwungen.

Eine gängige Theorie besagt, dass die Heimatlose und Arya ein und dieselbe Person sein sollen und sie Aryas Killerinstinkt symbolisiert, und erst wenn es ihr möglich ist, diesen Instinkt zu akzeptieren, könne sie wirklich zu 'Niemand' anstelle von 'Jemand' werden. Zuvor soll sich Aryas Persönlichkeit gespalten haben, als sie zu den Gesichtslosen gekommen ist.
Ein Beweis dafür soll sein, dass nur Arya und Jaqen H'gar wirklich fähig sind, die Heimatlose zu sehen - als sie Arya in den Gassen von Braavos mit einem Stock verprügelt, scheint sich keiner der Umstehenden daran zu stören. Mit den Dolchstichen, welche die Heimatlose Arya schließlich versetzt, soll sie auch versucht haben, gleichzeitig das letzte bisschen Gute in sich zu töten.

Arya Stark und Jaquen H'gar im Haus von Schwarz und Weiß | Game of Thrones
8. Der Sadist als Retter der Welt
Es gibt unzählige Theorien um den prophezeihten "Azor Ahai", gerade im Umfeld der Roten Frau, der Priesterin Melisandre, häuft es sich ein bisschen mit den Blicken in eine nicht allzu ferne Zukunft. Azor Ahai war ein Held aus der Vergangenheit, welcher vor tausenden von Jahren das Schwert Lichtbringer schmiedete, um den Großen Anderen zu besiegen.
Jedoch brachte er für diese legendäre Waffe ein bitteres Opfer: erst als er nach zwei Misserfolgen bei der Herstellung die dritte, geschmiedete Version dieses Schwertes in das Herz seiner geliebten Frau stieß, konnte er sein Werk vollenden, weil sich die Seele seiner Frau mit der Waffe verband.

Melisandre war davon überzeugt, dass es Stannis Baratheon sein würde, der als wiedergeborener Azor Ahai mit dem Flammenschwert die Bedrohung durch die White Walker zurückschlagen würde - blöd gelaufen, Stannis dürfte endgültig aus dem Spiel sein. Auch weissagende, schattengebärende Priesterinnen können sich schließlich mal irren!
Da scheint Jon Snow der geeignetste nächste Kandidat zu sein, was auch Melisandres Interesse an ihm erklärt - und da er nicht totzukriegen ist, könnte er sich tatsächlich noch als brauchbar erweisen. Da sie in einer ihrer Visionen im Feuer 'Schnee' gesehen hat und dies Stannis kundtat, scheint dies durchaus realistisch. Der andere 'Schnee', nämlich der legitimierte Ramsay Bolton, wurde ja auch aus dem Spiel genommen, galt aber in einer Fantheorie durchaus als möglicher Kandidat für die Verkörperung des Azor Ahai.

Ramsay hatte sich mit seiner Vorliebe für das Quälen anderer längst ganz nach vorne auf die Sadisten-Topliste gespielt, da ihm Joffrey keine Konkurrenz mehr machen konnte.
Aber der fiese Bastardsohn eines Verräters als der auserwählte Retter von Westeros? Schwer vorstellbar, dass dieser Kerl trotz rasantem Aufstieg irgend etwas anderes im Kopf hatte als seinen eigenen Vorteil. Die nötige Grausamkeit, um wie der Azor Ahai aus der Sage seiner Geliebten das Schwert in die Brust zu stoßen, um daraus einen Vorteil zu erlangen, hätte er jedoch allemal gehabt.

Ob sich von diesen Theorien irgend etwas bewahrheiten wird, werden wir spätestens in Staffel 7 und 8 feststellen - denn ich fürchte, auf "The Winds of Winter" müssen wir noch eine ganze Weile warten. Welche dieser Theorien erscheint euch denn besonders wahrscheinlich? Welche haltet ihr für totalen Blödsinn?

Im Moment könnte ich mir vorstellen, dass das Buch erst mit Erscheinen der 7. Staffel auf den Markt kommt. Damit steht noch eine Wartezeit von gut 8 Monaten an, bis man als Fan neues Futter erhält - was nun?
Ich werde die Gelegenheit sicher nutzen, die gesamte, bisher vorhandene Buchreihe nochmals zu lesen, da das letzte Mal schon eine ganze Weile zurückliegt und ich mich dann hoffentlich über die Durststrecke von Tyrions Reise auf dem anderen Kontinent nicht mehr so ärgern werde. Alternativ jedoch möchte ich euch etwas ganz anderes ans Herz legen, vor allem, wenn ihr nicht die totalen Lesefreaks seid:

Die Hörbücher zur "Das Lied von Eis und Feuer"-Reihe ersparen euch das Blättern und können euch auf dem Weg zur Arbeit, auf längeren Strecken oder einfach beim abendlichen Relaxen auf dem Sofa begleiten. Die Stimme des Sprechers Reinhard Kuhnert hat mich schon beim Hörbuch "Westeros - die Welt von Eis und Feuer" echt begeistert, als er in der Rolle als Maester Mervyn die Geschichte der sieben Königslande erzählt hat.

Bei den Hörbüchern zur Reihe liest er szenisch und verleiht den verschiedenen handelnden Personen durch den Klang seiner Stimme ein ganz eigenes Charisma, auch die weiblichen Charaktere wirken für meinen Geschmack gelungen. Neugierig geworden? Hört doch einfach mal 'rein: audible.de hat eine zweistündige Hörprobe zur Verfügung gestellt, in der ihr euch diese tolle Stimme samt der spannenden Handlung erstmal kostenfrei gönnen könnt:



Ein besonderes Goodie bei den Hörbüchern bedient die Fans, welche mit den Übersetzungen zu lesen begonnen haben, in denen die Eigennamen und Ortsbezeichnungen noch in der englischen Version vorhanden waren. Sprecher Reinhard Kuhnert hat sich sehr dafür eingesetzt, dass diese auch in den Hörbüchern erhalten bleiben! So dürfen wir beim Zuhören  'Jon Snow' anstelle 'Jon Schnee' genießen und müssen uns auch nicht fragen, wo zur Hölle 'Altsass' liegt anstelle von 'Oldtown'. 
(Ich gebe zu, ich war bei der Umstellung der Bezeichnungen damals sehr irritiert und hoffe, dass dieser schmerzhafte Ausflug in die zwanghafte Eindeutschung bei den neueren Buchausgaben irgendwann endet!)

Hier geht's zur gesamten Game-of-Thrones-Hörbuch-Reihe bei Audible - zu jedem auf deutsch erschienenen Buch gibt es zwei Hörbücher, also derzeit insgesamt zwanzig. Vielleicht hilft euch das, die Zeit ein bisschen zu überbrücken - die Sprecherleistung von Reinhard Kuhnert ist auf jeden Fall einen Versuch wer.
Wenn ihr in die Hörprobe 'reingehört habt: wie gefällt euch denn die Sprecherleistung von Reinhard Kuhnert? Würde mich wirklich interessieren, vielleicht teilt da draußen ja jemand mein kleines Fandom ;) Bald geht es auch mit den kuriosen Fundstücken zu Game of Thrones weiter - ihr dürft gespannt bleiben!

Dieser Artikel wurde mit der Unterstützung von audible.de erstellt - vielen Dank an dieser Stelle!

Drei Ansätze für mehr Charaktertiefe

- Donnerstag, 22. September 2016 Keine Kommentare

Gerade wenn man mit einem langjährig gespielten Charakter auf eine Neuschöpfung trifft, geschieht es oft, dass der Uraltcharakter auf einen riesigen Fundus an Erzählungen und Erlebnissen zurückgreifen kann, die diesen in seiner Entwicklung und seinen Ansichten geformt haben. Für einen Neucharakter, der vielleicht gerade frisch erschaffen wurde, ist es da natürlich gerade bei tiefgreifenderen Diskussionen schwierig, wirklich gegenzuhalten - oder aber man hat sich als Spieler bereits sehr viele Gedanken im Voraus um Wohl und Wehe dieses Neuzugangs gemacht. 
Doch auch bei Charakteren mit längerer Geschichte kann der Wunsch aufkommen, noch ein bisschen mehr zu erschaffen, das andere im Spiel entdecken können und den Umgang des Charakters mit seiner Umgebung erweitert. Deswegen stelle ich euch heute drei verschiedene Ansätze vor, mit denen ihr euren Charakteren vielleicht noch etwas mehr Hintergrund und Tiefe verleihen könnt - ich hoffe, für den einen oder die andere etwas hilfreiches bieten zu können :)

1. Eine Weltanschauung


Ohne eine grundlegende Weltanschauung bleibt jeder Charakter blass, da sie auf fast jede Aktion Einfluss nehmen kann. Ein Optimist wird sicherlich anders mit Problemen umgehen als ein Pessimist, ein Pazifist wird in kriegerischen Situationen andere Wege zur Lösung wählen als ein Charakter, der an das Recht des Stärkeren glaubt. 
Der Vorteil bei einer Weltanschauung ist, dass sie nichts ist, das in Stein gemeißelt sein muss, wenn man den Charakter mit einer bestimmten Ansicht starten lässt. Tiefgreifende Ereignisse im "Charakterleben" können die Weltanschauung auf die Probe stellen und auch verändern. Eine solche Entwicklung kann sehr spannend sein, wenn man Mitspieler hat, die das mit einem teilen und Spaß daran finden, einen Weg wie diesen zu begleiten. Da ist es auch egal, in welchem Umfeld man spielt, ob nun am Tisch, online oder beim LARP. Gerade langjährige Charakterfortschritte können durch einen Wandel in der Weltanschauungen sehr spannend werden und geben dem Spieler auch eine neue Herausforderung, altbekannte Situationen neu bewerten zu müssen.

Mögliche Weltanschauungen könnten sein:
Optimismus: Egal was passiert, dieser Charakter glaubt daran, dass sich die Dinge zum Besseren wenden und ein positives Endergebnis erreicht werden kann. Gerade junge, behütet aufgewachsene Charaktere oder Persönlichkeiten mit einer gewissen Grundnaivität können mit einer solchen Weltanschauung starten.
Nihilismus: Für einen Nihilisten zählen allein die Befriedigung seiner Bedürfnisse, er folgt seinen Trieben und Neigungen. Konsequenzen für sich und die Umgebung sind dem Nihilisten erstmal weniger wichtig; das Individuum steht vor der Masse. Gesellschaftliche Systeme oder moralische Erwägungen haben für den Nihilisten keinen Belang.
Recht des Stärkeren: Derjenige, der die Möglichkeit hat, sich etwas zu nehmen, darf es sich auch nehmen. Meistens sind es Charaktere mit starkem Fokus auf körperlichen und kämpferischen Talenten, die sich ihr überragendes Können oder ihre Machtbasis zum Anlass nehmen, über andere herrschen zu können und die Dinge zu erhalten, die sie sich wünschen.
Rationalismus: Alles muss für einen rational denkenden Charakter erklärbar sein, mystische Erwägungen werden von einem Rationalisten als unpassend verworfen. Beim Erwerb neuen Wissens und neuer Erkenntnisse wird logisch gefolgert oder durch Versuche untermauert, was man zu beweisen gedenkt. Gerade wissenschaftlich orientierte Charaktere könnten dieser Anschauung folgen.
Konfession: Der Charakter hat aus irgendeinem Grund zu einem Gott oder einem Götterkosmos gefunden und folgt den Richtlinien und Regelungen seiner gewählten Religion. Diese bestimmen ihn auch in seinem Alltag, sodass sich schon dadurch Konflikte mit anderen ergeben können.

2. Ein Traum


Jeder hat sie, Wünsche, die man sich gerne erfüllen würde, Träume, die man gerne erreichen würde. Warum also sollte nicht auch der Charakter über längere Zeit einen Traum entwickeln oder aber mit einem Traum in das Spiel starten? Wie energisch der Charakter die Erfüllung seines Traumes verfolgt, kann durch seine Weltanschauung und seinen persönlichen Leidensdruck in seiner aktuellen Situation beeinflusst werden und ist somit höchst individuell. 
Wird aus einem Traum irgendwann vielleicht ein Ziel, das der Charakter über alles andere stellt und das seinen Umgang mit der Umgebung verändert? Oder bleibt dieser Traum eine Vorstellung, in die sich der Charakter flüchtet, wenn seine Realität für ihn belastend oder schwierig wird? Vielleicht gewinnt dieser Traum auch, wenn der Charakter ihn mit anderen teilt, eine so große Strahlkraft, dass sich andere dem Charakter bei der Verwirklichung desselben anschließen?

Der Umgang mit einem Traum kann sich ebenso wie eine Weltanschauung in Momenten ändern, die einen großen Einfluss auf den Charakter ausüben - Lebensgefahr, der Verlust einer geliebten Person, ein großer Gewinn oder Glücksfall, Konfrontation mit Leid und Elend oder einer Kriegssituation im Gesamten und so weiter.
Oder aber der Traum verändert sich, wenn sich grundlegende Dinge im Leben des Charakters verändern, schließlich wächst man aus Kindheitsträumen auch irgendwann einmal heraus und ersetzt diese durch andere, die der neuen Lebenssituation als Erwachsener angepasster sind. Was auch immer sich der Charakter wünscht: es kann sein Handeln und seinen Umgang mit seiner Spielumgebung maßgeblich beeinflussen.

Mögliche Träume könnten umfassen:
Reichtum: Gerade Charaktere aus armen Verhältnissen könnten sich wünschen, irgendwann so viel Geld (oder vergleichbare Wertgegenstände) zu besitzen, um ein Leben in der relativen Sicherheit wohlhabender Personen zu führen. Das kann dazu führen, dass der Charakter auf die schiefe Bahn gerät oder versucht, sich sonstwie ein Vermögen anzueignen - oder aber hart arbeitet, um dieses Ziel irgendwann zu erreichen.
Liebe: Vielleicht hat der Charakter irgendwann eine andere Person kennengelernt und sich unsterblich in sie verliebt, ohne eine Chance zu haben, dieser nahe zu kommen? Oder aber er glaubt an die Liebe und wünscht sie sich innerhalb eines romantischen Ideals für sein Leben? Vielleicht tröstet sich der Charakter auch damit, dass er irgendwann eine Romanze erleben wird, die ganz anders ist als die Ehe, die er führt - hier sind unendlich viele Möglichkeiten vorhanden.
Vergebung: Der Charakter hat in seiner Vergangenheit irgend etwas getan, was er heute zutiefst bereut und am liebsten ungeschehen machen würde. Da dies aber nicht geht, muss er mit seiner Schuld leben und sehnt sich danach, irgendwie Vergebung für sein Tun zu erlangen, egal wie diese aussehen mag. 
Freiheit: Egal ob der Charakter ein Sklave ist, im Gefängnis sitzt, in einem restriktiven Gesellschaftssystem lebt oder vielleicht in einer sehr schwierigen Ehe gefangen ist, er wünscht sich mit aller Macht, eines Tages von diesen Zwängen frei zu sein und ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. 

Kämpfen für den Traum von der Freiheit: Spartacus und seine Gefährten | Spartacus (Starz)

3. Ein Geheimnis


Irgendwas verbirgt man immer vor anderen - nichts ist persönlicher als ein Geheimnis, das vielleicht sogar den Charakter in Gefangenschaft bringen könnte, weil er irgendwann in seiner Vergangenheit etwas  Schlimmes getan hat. Oder aber der Charakter hegt eine geheime Begierde, die er mit niemandem teilen kann und die seinen gesellschaftlichen Ruin bedeuten könnte, wenn sie bekannt würde. Vielleicht hat sich der Charakter an einer Verschwörung gegen den derzeitigen Herrscher beteiligt und muss fürchten, sein Engagement könnte auffliegen? 
Die Möglichkeiten sind mannigfaltig und können von etwas, das dem Charakter schlichtweg nur peinlich ist bis hin zu etwas reichen, das für ihn im wahrsten Sinn des Wortes lebensgefährlich wäre, wenn davon jemand erfährt.

Dabei sollte man sich auch überlegen, wie weit der Charakter geht, um sein Geheimnis zu beschützen und was er tun würde, um Personen, die das Geheimnis aufgedeckt haben, davon abzuhalten, es anderen zu verraten. Hier wäre eine definierte Weltanschauung des Charakters hilfreich, um die Reaktionen genauer abstecken zu können. 
Auch die Konsequenzen für die Aufdeckung des Geheimnisses solltet ihr euch dabei auswählen, da jedes Geheimnis irgendwann ans Licht kommt - meistens dann, wenn der Charakter es am wenigsten brauchen kann. Und ein kleiner Hauch von Gefahr kann die Handlungen eines Charakters in sehr vielen Details bestimmen und verändern.

Mögliche Geheimnisse könnten sein: 
Vergangene Gewalttaten: Vielleicht hatte der Charakter in seiner Jugend eine Phase, in der er bei einer gewalttätigen Bande war oder aber es gelang ihm, einen verhassten Konkurrenten brutal auszuschalten. Oder er hat sich aus einer Zwangslage befreit, die nur mit Blut bereinigt werden konnte - egal was, irgendwann in seiner Vergangenheit hat der Charakter eine Sache getan, die ihm auch in der Gegenwart noch echte Probleme bereiten würde.
Heimliche Begierden: Egal, ob es eine verbotene sexuelle Begierde, eine verbotene Glaubensrichtung, das Verlangen nach einer Person oder einem Gegenstand ist, der dem Charakter derzeit vorenthalten ist, er sehnt sich mit aller Macht nach diesem und muss gegen diese Begierde täglich ankämpfen. Oder der Charakter war einst suchtkrank und muss versuchen, das auf dem gesellschaftlichen Parkett zu überspielen, um seinen Ruf zu retten.
Scheitern: Irgendwann einmal ist dem Charakter eine Sache richtig misslungen, was größere negative Auswirkungen auf seine Umgebung hatte. Er konnte seine Beteiligung an der Sache vertuschen oder es jemand anderem in die Schuhe schieben, dennoch ist dieser Misserfolg ein großer Makel auf einem ansonsten vorbildlichen Lebensweg und würde den Charakter bei Offenlegung schaden.
Identität: Irgendwann einmal war der Charakter jemand anders und hat es erfolgreich geschafft, sein altes Ich und die damit verbundenen Probleme hinter sich zu lassen. Dennoch kann er des Vergessens seiner damaligen Umgebung nicht vollkommen sicher sein und muss mit dem Risiko leben, einem alten Freund oder Feind wiederzubegegnen.

Etwas entdeckt, das euch helfen könnte? Das einfachste ist, mit der Weltanschauung zu starten, falls ihr diese für eure Charaktere noch nicht gewählt habt, und sich dann über den Traum hin zu einem passenden Geheimnis zu arbeiten. 
Auf jeden Fall lohnt es sich, sich tiefgreifendere Gedanken über die Dinge zu machen, die eure Charaktere antreiben und beeinflussen - denn auch in Romanen wachsen uns die Figuren besonders ans Herz, deren Entwicklung, Schwierigkeiten und Sehnsüchte wir verstehen und nachfühlen können.
Ich wünsche beim Erkunden der Tiefen eurer Charaktere auf jeden Fall viel Spaß und hoffe, dass ihr damit interessante Szenen erlebt, die euch und eure Mitspieler bereichern. Es würde mich freuen, wenn ihr in den Kommentaren eure Ideen teilen würdet :)

Media Monday #273

- Montag, 19. September 2016 Keine Kommentare

Wieder ein Wochenende vorüber, und der Sommer scheint es auch zu sein - pünktlich zum Samstag gab es einen üblen Temperatursturz und seitdem heizt der Nachbar von unten den Ofen ein. Da braucht man doch was zum Aufwärmen - für euch gibt's wie immer den Media Monday des Medienjournals, mit meinen Ergänzungen in fett und kursiv zum Lückentext.

1. "CSI: Crime Scene Investigation" ist mir ja irgendwann zu beliebig geworden, da ich ein sehr großer Fan des Usprungs-Teams war und dieses durch den Tod eines Charakters, den Weggang anderer irgendwann extrem dezimiert wurde. Gerade der mehrfache Chefwechsel hat für mich viel an Vertrautheit einstürzen lassen, auch wenn ich Gil Grissoms Nachfolger nie wirklich schlecht fand - es war aber dennoch nicht mehr 'wie früher'.

Gemeinsam auf Spurensuche: Drei Mitglieder des ursprünglichen CSI-Teams | CSI: Crime Scene Investigation
2. Zuletzt gekauft habe ich die Mittelalterdorf-Aufbausimulation "Life is Feudal: Forest Village" - das Spiel ist zwar noch in der totalen Alphaphase und es knarrt und knarzt an allen Ecken, aber Spaß macht es auf jeden Fall jetzt schon. Wenn die Entwickler konsequent dran bleiben, kann daraus wirklich was Gutes werden, denn grafisch stimmt da schon sehr viel, die Musik macht viel Spaß und man muss mit definitiv mehr Vorsicht und Planung herangehen als beispielsweise bei 'Banished', das ich vor einigen Jahren auch sehr gerne gespielt habe.

3. Selbstfindungstrips oder spirituelle Sinnsuche sind eher nicht so mein Lesethema. Mal ist sowas sicherlich interessant, aber ich kann mich gr nicht daran erinnern, wann das letzte Buch dieser Art in meinem Regal gelandet ist.

4. Meine Rollenspiel-Regelwerksammlung hat einen Ehrenplatz in meinem Regal, schließlich steckt da eine nicht unbeträchtliche Menge an Geld und auch Mühe drin. Gerade auf meine "Engel"-Regelwerke bin ich stolz, daneben die ganzen Dinge, die sich im Lauf der Jahre als 'das will ich spielen', 'das brauche ich zum spielen' und 'das klingt interessant, vielleicht spiele ich das mal' angesammelt haben.

5. Allein schon wegen totalem Platzmangel musste ich vor einigen Jahren auf eReader umstellen und kaufe mir neue Bücher vor allem in der Kindle-Ausgabe. Irgendwann passen die vielen, vielen Bücher einfach nicht mehr in die Wohnung - einer meiner Exfreunde meinte mal im Scherz, bei mir würde man in einer Bücherei wohnen.

Alleine auf weiter Flur | The Walking Dead
6. Der Hype rund um "The Walking Dead" lässt mich vollkommen kalt, weil das Zombiethema einfach nicht so meines ist. Keine Ahnung wieso, aber bei richtig üblen Zombiefilmen träume ich für gewöhnlich schlecht, und deswegen meide ich derartiges dann eher - Horrorschinken mit fiesen Vampiren, gehirnfressenden Aliens oder Ähnlichem gehen aber ohne Probleme. Also dann doch lieber "The Strain" weiterschauen, selbst wenn da der Splatteranteil nicht gerade gering ist!

7. Zuletzt habe ich die letzten Folgen der zweiten Staffel von "Tyrant" gesehen und das war ziemlich spannend, weil der Konflikt zwischen den einzelnen Parteien auf einen echten Höhepunkt zusteuerte, eine Entspannung erfuhr und dann durch einen bösartigen Cliffhanger beendet wurde. Die meisten Charaktere wurden konsequent weiterentwickelt, einer meiner Lieblingschars ist glücklicherweise nicht gestorben, dafür jemand anderer, bei dem es absolut nicht vorher absehbar war. Man könnte meinen, George R.R. Martion hätte ein bisschen beim Drehbuch mitgemischt! Das Ende dieser Staffel war wirklich unerwartet und lässt mich umso mehr auf die kommenden Folgen hoffen - aber jetzt heißt es erstmal wieder warten ...

RPG-Blog-O-Quest #012: Geld

- Donnerstag, 15. September 2016 Keine Kommentare

Im schönen September dreht sich bei Greifenklaues Ausgabe der RPG-Blog-O-Quest alles ums Geld - nach dem schwierigen letzten Monat endlich wieder etwas, bei dem ich mich ein bisschen leichter tue, auch ein bisschen Senf als hauptsächlich-online-Rollenspieler beizutragen:

1. Wie groß ist Dein durchschnittliches monatliches Rollenspielbudget?
Es gibt kein festes Budget für RPG, da ich auch mal ein, zwei Jahre verbringe, in denen ich keinerlei neue Bücher oder Zubehör kaufe und dann mal in einem Jahr zwei neue Grundregelwerke, weil sie mich interessieren. Eine dauernde Ausgabe für Rollenspiel stellen jedoch die monatlichen 13€ Abonnementgebühr für Star Wars: The old Republic dar, wo ich hauptsächlich im RP aktiv bin, aber auch die PvE-Inhalte nutze. Ob das als Rollenspielbudget zählen kann, dürft ihr selbst entscheiden ;) 

2. Wieviel gibst Du typischerweise für eine Sitzung aus und wo ist Deine Schmerzgrenze?
Da meine expliziten Pen&Paper-Runden im Teamspeak stattfinden, habe ich keine Anfahrts- und Verköstigungskosten; abendessen würde ich an einem Spielabend auch und das hat mit dem Rollenspiel nichts zu tun.

3. Für welche Art von RPG-Gimmicks würdest Du Geld ausgeben?
Ich kaufe eigentlich recht wenig Kram nebenher - vielleicht mal ein neues Würfelset oder einen Hintergrundband zu einem Regelwerk, das mir gut gefällt. Aber das klassische Opfer für allen möglichen Merchandise bin ich nicht, selbst von Star Wars ist das ausgefallenste hier im Haushalt ein Set Lichtschwert-Esstäbchen und mehr nicht. Aber gut, ich habe ja auch nur zwei Paar Schuhe, was, wie man mir immer wieder sagt, für eine Frau anscheinend sehr wenig ist.

4. Bei DSA oder Earthdawn gab es zuletzt drei unterschiedliche Ausgaben: die saugünstigen Sparausgaben mit wenig Illus, die Normalausgabe und die teurere Sammlerausgabe, z.B. in {Pseudo}-Schlangenleder für Earthdawn. Welche Art Ausgabe bevorzugst Du für Dein Lieblingssystem, welche für ein System, welches Du mal eben ausprobieren möchtest? Und wo wir gerade dabei sind: Numenera hat es vorgemacht … Box oder Hardcover? Oder ganz anders?
Ich kaufe mir immer Standardausgaben, weil Rollenspielregelwerke, wenn man sie benutzen will, über die Jahre hinweg 'leiden'. Man blättert, mal kippt man vielleicht aus Versehen irgendwas drüber, oder ein Mitspieler macht beim Ausleihen Eselsecken 'rein - solche Dinge passieren und dafür möchte ich dann keine superteure Spezialausgabe opfern müssen. Da ich generell kein Freund von Dingen bin, die ansonsten nur ungenutzt im Schrank stehen, die man eben hat, um sie zu haben, fahre ich mit dieser Art Anschaffungstaktik sehr gut. Wenn ich mir dann mal was kaufe, bevorzuge ich Bücher in Hardcover, da am stabilsten - auch bei Systemen, die ich 'nur' ausprobieren will. Gefällt mir ein System nicht, gibt es immernoch die Möglichkeit, das erstandene Buch weiterzuverkaufen.

5. Spendenaktionen im Rollenspiel, egal ob die Ulisses-Charity auf der Ratcon, das Bundle of Holding oder Spendenbundle bei DriveThru / RPG Now – wie stehst Du dazu?
Warum nicht - wenn der Zweck etwas sinnvolles ist, kann ich mir durchaus vorstellen, etwas zu spenden oder einen leicht erhöhten Preis für ein Produkt zu bezahlen, das dann einem guten Zweck zugute kommt. 

Bonusfrage: Welches ist Dein größter Rollenspielschatz {egal, ob Buch, Box oder ultraseltener Würfel etc.}?
Ich habe vor einigen Jahren in einem inzwischen geschlossenen Rollenspielladen in Gelsenkirchen einen sargförmigen Würfel-Behälter mit einigen W10 im Vampire-The-Masquerade-Stil gekauft, bei dem ich heute noch denke, den Ladenbesitzer abgezogen zu haben, weil der Preis in keinem Verhältnis zum eigentlichen Wert dieses Sammlerstücks stand.

Lösung für Latenzprobleme bei SWTOR und WoW

- Mittwoch, 14. September 2016 Keine Kommentare

Es begann harmlos: gegen Abend stiegen die Latenzen beim gemütlichen SW:ToR-Zocken immer mal wieder an, aber nie so sehr, dass es unspielbar geworden wäre. Das ging einige Tage so weiter, dann kamen die ersten richtigen Ausfälle mit dem gefürchteten roten X anstelle einer Latenzanzeige. Manchmal ging es schon gegen 20 Uhr los, aber spätestens um 21 Uhr schnellten die Latenzen in eine dermaßen heftige Höhe, dass es nicht mehr möglich war, sich im Spiel auch nur zu rühren - oder neu einzuloggen, ohne minutenlang auf den Ladescreen zu starren, ohne letztendlich wieder auf den Server zu kommen.
Die Zeit verging, das Problem blieb bestehen.
 Die ersten Tage beschäftigte ich mich noch anders, immerhin kam das neue WoW-Addon heraus, das gespielt werden wollte. Da aber SW:ToR meine Hauptanlaufstelle für Rollenspiel ist, blieb dann doch eine recht große Lücke offen. Bis auf SW:ToR konnte ich auch alles spielen - WoW, ESO, Steam-Spiele, alles kein Problem. Nur die Ausflüge in die Galaxis weit, weit entfernt schienen erstmal Geschichte zu sein.

Nach drei Wochen wurde es mir zu blöd - unsere Anrufe bei unserem Internet-Provider (Vodafone) erbrachten nur die Aussage, die Leitung sei in Ordnung, und es sei ihnen kein solches Problem bekannt. Beim SW:ToR-Support erhielt ich zumindest die Antwort, dass sie das Problem kennen würden, weil einige andere Kunden dieses auch hätten; eine Lösung konnte mir jedoch auch dort niemand nennen - ausser aussitzen.

Niemand fühlte sich verantwortlich, niemand konnte helfen 


Mein Kerl und ich versuchten dem Problem mittels Ping und tracert auf die Spur zu kommen und fanden immerhin heraus, dass unsere einzige Route zu den SW:ToR-Servern über Netzknoten von Level3 und das Telia.net-Netz verlief. Laut diverser Suchergebnisse war diese Kombination schon früher ein Garant für hohe Latenzen und langwierige Verbindungsprobleme - da schien guter Rat teuer.
Zwischendrin war ich an dem Punkt, an dem ich am liebsten einen anderen Provider gehabt hätte - aber ähnliche Latenzprobleme gibt es auch immer mal wieder zwischen der Telekom und den WoW-Servern, da diese genau wie die SW:ToR-Server in Irland stehen und man am Telia.net-Netz nicht vorbei kommt.

Glücklicherweise gab mir ein Mitspieler den Tipp, es mit einem VPN-Programm zu versuchen, um auf einem alternativen Weg zu den Servern zu gelangen. Das Ganze funktioniert im Grunde wie eine Reise per Auto von München nach Hamburg:
München ist dabei mein Ausgangspunkt (alias der Ort, an dem mein Rechner von unserer Box aus ins Netz geht und sich seinen Weg sucht). Hamburg ist der Zielort (an dem die SW:ToR-Server über das Netz erreichbar sind). Von München nach Hamburg gibt es nur eine bestimmte Anzahl an Strecken, die man per Auto befahren kann - all diese Strecken gehören unterschiedlichen Eignern, die für eine Benutzung gerne Geld sehen möchten. Ich als Kunde bezahle meinen Provider (Vodafone) dafür, dass er mir einen Weg durch dieses Netz an Verbindungsmöglichkeiten eröffnet und die Bezahlung der Eigner übernimmt. So weit, so gut.

Ein Problem entsteht dann, wenn an einem bestimmten Punkt - nehmen wir mal die Dauerbaustelle Elbtunnel als Beispiel - nur noch eine gewisse Menge Verkehr durchfließen kann (aus welchem Grund auch immer: Netzknoten kaputt, Streit zwischen Provider und Netzknotenbetreiber, etc), aber immernoch dieselbe Menge Autos durch den Tunnel wollen. Dann gibt's Stau und nur noch wenige Leute kommen zur selben Zeit durch. 
Da aber beispielsweise andere Provider sich mit dem Netzknotenbetreiber auf andere Weise geeinigt haben, werden die priorisiert durch den Elbtunnel durchgelassen oder aber dürfen von Anfang an eine alternative Route nutzen. Das heisst, wer Kunde bei einem Laden ist, der mit dem Elbtunnelbesitzer nicht gut kann oder keine Alternativroute benutzen darf, der hat Pech gehabt und steht im Stau.

Mittels VPN freier im Netz bewegen - und andere Routen nutzen


Mit einem VPN-Programm kann man sich eine andere IP-Adresse zulegen, beispielsweise eine aus den USA oder Großbritannien, und bekommt so die Chance, auf einer ganz anderen Route zum Zielpunkt geleitet zu werden.
Wer viel auf öffentlichen WLAN-Hotspots unterwegs ist, kann so verhindern, Malwareangriffen ausgesetzt zu sein und kann sich generell auch am heimischen PC im Netz anonymer bewegen - im Zeitalter von allzu datengierigen Anbietern im Netz vielleicht auch nicht die schlechteste Idee.
Man muss allerdings in Kauf nehmen, dass man beim Surfen ein bisschen langsamer unterwegs ist, immerhin wird man erstmal quer durch die Weltgeschichte geschickt - auch funktionieren nicht alle Dienste einwandfrei (Amazon Prime reagiert zB recht verschnupft auf eine britische IP).

Aber die Hauptsache ist, dass SW:ToR nun wieder spielbar für mich ist und nicht wesentlich langsamer läuft als noch zu der Zeit, als alles okay war. Damit lässt sich die zeitweilige Leitungszuckerei irgendwie aushalten - und alle Google-Funde lassen mich hoffen, dass diese Zeit extremer Leitungsunwilligkeit nur eine periodische Angelegenheit ist und nach ein paar Wochen wieder vorbei ist.

Und sollte das Ganze wiederkehren, dann weiss ich nun, was ich tun werde. Im CHIP-Test der fünf besten VPN-Anbieter im Vergleich findet ihr sicher etwas Brauchbares - oder ihr sucht selbst mal nach den Stichworten "VPN" und "Service" bei Google.
Solltet ihr euch nicht sicher sein, ob ihr einen solchen Service nutzen wollt oder ob es überhaupt funktionieren kann, wäre Hotspot Shield (bei CHIP verlinkt) die erste Wahl, da ihr dort komplett kostenfrei testen könnt und nur mit ein bisschen Werbung leben müsst, die eingeblendet wird.

Alternativ könnt ihr auch zuerst versuchen, über euren Provider den Port resetten zu lassen oder aber, wenn ihr eine Leitung mit viel Speed habt, diese drosseln zu lassen, um mehr Stabilität zu erreichen (diese Tipps stammen von User joealtendorf aus dem Latenzproblem-Diskussionsthread im offiziellen SW:ToR-Forum).
Wichtig bei allen Problemen dieser Art: Lasst euch nicht entmutigen, sucht auf eigene Faust weiter und vor allem, gebt euch nicht mit dem zufrieden, was die 'offiziellen Stellen' tun oder auch nicht tun. Ich musste dieses Problem selbst lösen und bin froh darum, mich bemüht zu haben.

Rezension: Die Erlöser

- Dienstag, 13. September 2016 Keine Kommentare

Jonah Murtag ist ein treuer Diener des Kirchenstaates und Mitglied einer Einheit der Religionspolizei in New Bethlehem, welche Andersgläubige rigoros verfolgt. Egal ob Sektenanhänger oder Gläubiger einer der früheren Weltreligionen, in der reformierten Gesellschaft der fundamentalistischen Republik hat man sich entweder anzupassen oder man gilt als Gegner des Glaubens, der erbarmungslos ausgemerzt werden muss. Eigentlich hat sich der Gefolgsmann mit seinem recht gleichförmigen Leben arrangiert, welches aus Einsätzen gegen Andersgläubige, Papierkram und der rituellen Opferung zur Reinwaschung von den begagnenen Sünden besteht. Selbst seine Zuneigung zu seiner Kollegin Angela Doe ist eher unterschwellig vorhanden, als dass er ihr aktiv nachgeben würde, da derlei für Unverheiratete als nicht statthaft gilt.

Als John Murtag jedoch den Spezialauftrag erhält, die Tochter des Glaubensführers der Stadt in einen angesagten In-Club zu begleiten, geschieht eine Katastrophe und die Schuld dafür wird Murtag angelastet. Niemand will ihm eine wichtige Beobachtung glauben, und als er nach langen Verhören wieder in den Dienst der Religionspolizei aufgenommen wird, muss er in einer Anschlagsserie ermitteln, die immer weniger Sinn zu ergeben scheint – und die Uhr tickt, da die Regierung damit beginnt, die scheinbar abtrünnig gewordene Stadt New Bethlehem mit selbst initiierten Plagen zu vernichten …


Das Setting der Story war der Grund, warum ich mich darum bemüht habe, dieses Buch als Rezensionsexemplar in die Finger zu bekommen, da Nick Cutter recht geschickt mit dem Gedanken des ‚was wäre wenn‘ spielt, bei dem sich eine rücksichtslose Ausprägung des christlichen Glaubens gegenüber allen anderen Glaubensrichtungen durchgesetzt hat. Lebensansichten anderer Kulturen werden hier brutal unterdrückt, der Glaube hat in jedem Detail des Lebens Einzug gehalten, seien es Hallelujah-Energydrinks mit einem gewissen Extra, Läden, in denen man Opfertiere für die Reinwaschung von größeren und kleineren Sünden nach Feierabend kaufen kann oder der allgegenwärtige Kreuzewald auf den Dächern der Stadt New Bethlehem, welche der Hauptschauplatz der Erzählung ist.
Schon nach den ersten Seiten, die von der »Großen Säuberung« berichten, einem Ereignis, bei dem sich die christliche Mischreligion schließlich durchgesetzt und in Pogromen Andersgläubige schlichtweg ausgerottet hat, giert man geradezu nach weiteren Details, welche das Setting weiter beleuchten und mit mehr Leben erfüllen. Dass es dem Autor gelingt, diese nur häppchenweise zu servieren, hält das Interesse an der Welt über eine lange Zeit hinweg wach und lässt die Entwicklung noch drastischer erscheinen.

Über die gesamte Erzählung hinweg verfolgt man das Geschehen aus der Perspektive von John Murtag, dessen loyale Pflichterfüllung nach und nach zu schwanken beginnt und damit aus der Ecke eines puren Befehlsempfängers heraustritt. Zu seinem rigoros von Glaubenssätzen bestimmten Leben passt auch, dass er sich über viele seiner Wünsche und Träume nicht so recht klar zu sein scheint und diese erst im Laufe der Erzählung deutlicher zutage treten; man kann somit den gehemmten, durch äußere Umstände und Erziehung beschränkten Mann, der sich aus diesen Fesseln zu befreien beginnt, als sein Erkenntnisprozess einsetzt, sehr gut nachempfinden.
Gerade die doch vielfach stumpfe, trockene Art Murtags, seine Umwelt und die sich daraus ergebenden Ereignisse zu betrachten, empfand ich beim Verfolgen der vielen, recht blutigen Actionszenen und sich überstürzenden Entwicklungen als interessant, da man als Leser automatisch irgendwann damit beginnt, seine Lebenseinstellung in Frage zu stellen. Man möchte manches Mal schreien und John Murtag schütteln, um ihn zu einer Handlung oder zumindest Widerstand zu bringen, doch letztendlich gelingt es der Hauptfigur selbst, diesen Schritt zu tun.

Die Story selbst ist eine konstante, recht geradlinige Entwicklung mit einem hohen Actionanteil, deren Konsequenzen jedoch aufgrund der gewählten Erzählperspektive nur nach und nach für den Leser sichtbar, sodass man erst im Nachhinein wirklich alles sortiert bekommt. Daher entstehen beim Durchlesen einige  Durststrecken, bei denen sich scheinbar ein blutiges Event an das andere zu reihen scheint, sodass dieses erzählerische Mittel irgendwann abstumpft und an dramatischer Wirkung verliert. Hier hätte etwas mehr Abwechslung sicherlich gut getan, vielleicht auch Rückblenden auf die Geschichte der Republik und die genaueren Umstände, durch welche die Kirche ihren Erfolgskurs beginnen konnte.

Trotz dieses Mangels hat mich die Story jedoch auch dank Cutters eindringlichem Schreibstil gepackt und dafür gesorgt, dass ich dieses Buch wie im Rausch durchgelesen habe. Gerade die Möglichkeit, aus Murtags nüchternem Blick heraus zu entdecken, wie verrottet und kaputt die scheinbar perfekte Gesellschaft im Grunde ist und auch die Hintergründe zu erkunden, warum dies geschehen konnte, hat mich nachhaltig bei der Stange gehalten und schließlich mit dem Gefühl zurückgelassen, dass mir das Buch viel zu kurz vorkam.

Das offene Ende unterstützt dabei dieses Empfinden noch, da durchaus mehrere Varianten möglich wären, bei denen der Leser aufgrund des vorgestellten Weltenmodells selbst entscheiden muss, welche ihm am wahrscheinlichsten erscheint.
Überlegt man, wie viel Gewicht die Religionsdebatte nach wie vor in unserem täglichen Leben einnimmt und dass sich Sekten wie der IS ein eigenes Einflussgebiet erobert haben, wirkt der Weltentwurf von Nick Cutter besonders aktuell und bitter. Seine Variante einer allmächtigen, christlichen Religion, welche in ihrer Bigotterie und unterschwelligen Ungleichheit sehr nahe an amerikanischen Verhältnissen zu sein scheint, gewinnt damit deutlich an Tiefe und Schrecken und lässt ‚Die Erlöser‘ zu einem Buch werden, bei dem man am Ende froh ist, dass sich unsere reale Welt noch nicht in diese Richtung entwickelt hat.

Fazit: Erschreckender, spannender Thriller-Dystopie-Mix in religiösem Umfeld. Acht von zehn möglichen Punkten.

Buchdetails:
Titel: Die Erlöser
Originaltitel: The Acolythe
Autor: Nick Cutter
Übersetzer: Frank Dabrock
Buch/Verlagsdaten: Heyne Verlag, Juli 2016, Taschenbuch, 368 Seiten, ISBN-13: 978-3453419414, 9,99€

Das Rezensionsexemplar wurde vom RandomHouse-Bloggerportal zur Verfügung gestellt - vielen Dank! 

Media Monday #272

- Montag, 12. September 2016 2 Kommentare

Nach einem sehr ruhigen Wochenende darf die Woche wieder richtig loslegen - und was wäre ein besserer Start als der Media Monday des Medienjournals? Wie immer habe ich euch meine Ergänzungen zum Lückentext in fett und kursiv markiert - viel Spaß!

1. Die Serie "Burn Notice" habe ich zuletzt regelrecht durchgesuchtet, denn Amazon Prime hatte mal wieder alle Staffeln zur Verfügung und ich kannte die letzte, aktuelle noch nicht. Nicht, dass ich es geschafft hätte, wirklich alle Folgen anzusehen, aber das macht nichts - es wird ja nichts schlecht und irgendwann kommt die Serie ja wieder. Für mich eine der witzigsten "Krimi"serien, die man derzeit sehen kann.

Ex-Spion und schießwütige Ex-Freundin: Michael Westen und Fiona Glenanne | Burn Notice
2. Das Ende der ersten Staffel "Lucifer" war ein richtig übler Cliffhanger, schließlich glaubt man, der werte Herr Teufel sei endlich mal auf einen grünen Zweig gekommen, nur um dann festzustellen, dass ein echtes Problem auf ihn in Staffel Zwei warten wird. Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie sich die Story entwickelt, ganz abseits davon, dass ich mich auf Tom Ellis' weiteres Schauspiel sehr freue, weil er Lucifer so genial verkörpert ...

3. Das lange Warten auf die dritte Staffel von "Mozart in the Jungle" wird sich sicherlich noch eine ganze Weile übelst hinziehen, denn die Dreharbeiten dafür haben noch nicht einmal begonnen. Aber ich brauche doch neues Futter - rerade weil das Ende der zweiten Staffel einen üblen Cliffhanger hinterlassen hat und die Frage im Raum stehenbleibt, wie es mit meinem Lieblingsorchester weitergehen wird - da haben sie mal wieder alles richtig gemacht!

4. Das Würfelsystem von "Star Wars: Edge of the Empire" hat sich zu meinem Lieblings-Würfelsystem gemausert, da die Symbolwürfel deutlich mehr begünstigen, bei einer Probe auf Fähigkeiten nicht nur mit 'klappt/klappt nicht' zu antworten, sondern eine kreative Antwort zu finden. Gerade wenn man dann doch mal des öfteren Mist würfelt, hat man noch die Hoffnung, dass man wenigstens noch irgendein positives Symbol dazubekommt, sodass eine kleine Hilfe noch dabei ist, damit die Situation nicht total in die Hose geht. Und bei richtig heftigen Erfolgen wird einfach ein richtig epischer Moment daraus ...

5. Vergangenes Wochenende habe ich endlich eine gangbare Lösung für mein 'SWTOR hat ab 20 Uhr abends übelste Latenzen und wird damit unspielbar'-Problem gefunden. Technik, die mich nachhaltig nicht wirklich begeistert, da hier Provider und irische Netzknoten die Urheber sind, nicht etwa ein eigener, kaputter Rechner. Welche Lösung das ist, verrate ich euch im Laufe der Woche noch in einem extra Artikel, da ich weiss, dass auch einige andere Spieler dieses Problem haben und daran mindestens so verzweifelt sind wie ich.

Bassam al-Fayeed hat vieles, worüber er nachsinnen muss | Tyrant
6. Für den Herbst/Winter 2016 habe ich mir vorgenommen, zwei meiner halbfertigen Manuskripte zu beenden, die da noch in der Schublade schlummern - irgendwie bin ich dann doch eher ein 'Kaltes Wetter' Schreiber, bei kalten Temperaturen bekomme ich einfach viel mehr gewuppt. Zum einen wird es viktorianisch und mystisch, zum anderen ganz klassisch Chick-Lit-mäßig witzig bis skurril!

7. Zuletzt habe ich weitere Folgen der zweiten Staffel von "Tyrant" geschaut und das war teilweise richtig bösartig, weil die Probleme für die Diktatorenfamilie al-Fayeed im fiktiven Nahoststaat Abuddin so richtig gravierend werden. Neben einer gewalttätigen Opposition, die sich energisch gegen das brutale Vorgehen der Regierungstruppen wendet, hat nun auch das "Kalifat" in Abbudin die Möglichkeit entdeckt, ihre Vorstellungen vom Gottesstaat durchzusetzen - und das wird richtig schmerzhaft und auch blutig. Glücklicherweise gelingt es den Machern, die handelnden Charaktere vielschichtig darzustellen, sodass man immer mal wieder eine neue Facette entdecken kann. Den nächsten Folgen fiebere ich wirklich entgehen...

Der perfekte Moment: Noch nicht zuhause

- Donnerstag, 8. September 2016 Keine Kommentare

"Ich wusste gar nicht, dass der Lieutenant eine Tochter hat."
"Was? Wer jetzt? Limsharn?" Die beiden Wachsoldaten am Tor der Kaserne Aurek-12 inmitten der Hauptstadt von Dromund Kaas wendeten die Köpfe und salutierten, als eine Frau Mitte Dreißig mit einem etwa vierjährigen Mädchen an der Hand an ihnen vorüberging und ihnen höflich zunickte. Während die Offizierin mit ihrem aufrechten Gang an ihnen vorüber schritt, schwieg der Helmfunk der beiden Soldaten, aber kaum hatten die Frau und das Mädchen ein paar Meter Abstand, nahmen die beiden Wachposten ihre Unterhaltung wieder auf. 
"Nein, van Arden. Manchmal bist Du echt so aufmerksam wie ein Stück Nexuscheiße," versetzte der rechts stehende Soldat mit einem Brummen. "Außer Limsharn hat sich jetzt Brüste wachsen lassen und ist ein paar Nummern kleiner geworden."
"Das ist doch nicht ihre Tochter. Auch wenn sie Ähnlichkeiten haben. Das is' die Kleine von den Talvars." - "Sicher? Die Coporal ist doch so dunkel und das Mädel hat fast so helle Haare wie die Lieutenant." Der linke Posten schlug sich mit der behandschuhten Rechten auf Stirnhöhe gegen den Helm, was ein klatschendes Geräusch verursachte und einen Soldaten, welcher den Kasernenhof Richtung Fuhrpark gerade überquerte, aufmerksam machte.
"Du bist doch echt blöd manchmal. Hast Dir mal den männlichen Talvar angeschaut? So blond wie der Lieutenant. Vielleicht sind die ja über ein paar Ecken verwandt, auf jeden Fall ist das nicht ihre Tochter, sondern Fyra Talvar."
"Und warum nimmt sie die dann mit in die Stadt?"
"Du weißt auch garnichts, hm? Die kleine Talvar ist doch während der Zeit auf die Welt gekommen, als der Kampfverband missed in action war. Ich hab' gehört, dass der Lieutenant auch immer mal wieder Babysitter für sie gemacht hat." Ein ungläubiges Prusten drang unter dem Helm des rechten Postens hervor. "Du nimmst mich doch auf den Arm," sagte dieser und schüttelte sichtbar den Kopf. "Van Arden wechselt doch keine Windeln und schaukelt kleine Kinder im Arm. So ernst wie die immer guckt!"
"Im Ernst - hat mir einer von den Versorgern erzählt. Und ich hab' sie hier auch schon zwei Mal mit der Kleinen gesehen, die gehen wohl regelmäßig irgendwo hin. Museum und sowas, das volle Programm für den angehenden Offiziersnachwuchs." Beide Soldaten lachten in ihre Helme hinein, und als ein Transporter mit Versorgungsgütern auf das Tor zuhielt, war das Thema erst einmal vergessen. 

Die Vierjährige zog ihre Begleiterin energisch an der Hand voran zu einem Exponat mit riesigen, lila Blüten, deren üppige Schönheit den gesamten Raum dominierte. Das auffällige Zwitschern tropischer Vögel, welche in diesem Teil des Dschungelgeheges frei fliegen durften, mischte sich mit Wasserrauschen im Hintergrund, wo ein Wasserfall aufgebaut war, der in einem kleinen künstlichen Becken auslief. Eine Schulklasse von etwa zwanzig Schülern um die zehn Jahre wurde von ihrem Lehrer am Rand dieses mit reichlich Schilf und Farnen bewachsenen Beckens über die Flora und Fauna aufgeklärt. 
"Die sind so groß!" stellte Fyra fasziniert fest und ließ sich von Lienas hochheben, welche sich das Mädchen einfach auf die Schultern setzte, damit sie die Blüten auch noch oben bewundern konnte. "Die findet man tief im Dschungel an Plätzen mit warmem Wasser. Normalerweise sind da viele wilde Tiere und das ist ganz schön gefährlich," erklärte die Lieutenant und ließ es auch zu, dass sich die grabbelnden Kinderhändchen in ihr kurzes Haar krallten, weil Fyra nach mehr Halt suchte. "Sind da dann auch Nexu? Mit ganz großen Krallen?" 
Der erwartungsvolle Horror war dem Mädchen genau anzuhören und Lienas verkniff sich ein Grinsen. In diesem Alter mochten Kinder alles, was groß und gruselig aussah, und Fyras besondere Lieblinge waren derzeit Nexu in allen Formen und Farben. 
"Ganz bestimmt sind da auch Nexu, die so kleine Brocken wie Dich dann fressen wollen!" Lienas streckte eine Hand nach oben und kitzelte das Mädchen an der Seite mit den Fingern, wofür sie prompt mit kreischendem Gelächter belohnt wurde und prompt zu neugierigen Blicken von der Schulklasse führte. 

Erst als Fyra wirklich jede der lila Blüten einzeln betrachtet und eine wahre Horde an Fragen zu Dschungelpflanzen gestellt hatte, konnten die beiden ungleichen Besucherinnen weitergehen. Das Mädchen war neugierig und wollte bei fast allem irgendeine Erklärung haben, sodass sich Lienas in den letzten Wochen auch über die Pflanzen und Tiere auf Dromund Kaas wieder eingelesen hatte, um Fyra die richtigen Antworten geben zu können. 
Als sie etwa die Hälfte des Tropenhauses durchquert hatten und Fyra von einer Runde Vögelbeobachten so erschöpft war, dass sie nach einem kleinen Eis an Lienas' Seite gesunken und auf der Sitzbank eingeschlafen war, legte die Offizierin ihren Arm um das Mädchen und ließ sie einfach ein wenig schlafen. Zu wissen, dass ihr Fyra genug vertraute, um bei ihr schlafen zu können, war eine Tatsache, die ihr irgendwie gefiel. 
Nachdem das Regiment in den imperialen Raum zurückgekehrt war, hatte sich auch die Frage gestellt, wie der Umgang mit Fyra weitergehen sollte. Immerhin hatten die Talvars nun die Chance auf ein geregeltes, normales Familienleben, fernab von Enge und Schwierigkeiten, welche die Situation auf Saffar und an Bord der 'Arch of Tears' mit sich gebracht hatten. Doch die Entscheidung war Lienas leicht gefallen. "Tante Leutent" war längst ein fester Bestandteil im Leben des Mädchens geworden. Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, hatte es ihr auch während der Zeit auf Saffar gut getan, mit einem unkomplizierten kleinen Menschen umgehen zu können und ihre Lust am Lernen mit kleinen Aufgaben wachzuhalten. 

Sie fühlte sich so sehr an ihre Jugend erinnert, wenn Fyra mit ihr unterwegs war, an jene Zeiten, in denen sich Lienas ein paar Credits extra Taschengeld damit verdient hatte, auf ihre vielen Cousins und Cousinen aufzupassen. Inzwischen waren die Reihen der van Ardens deutlich dezimierter. Drei der Kinder, auf die sie einstmals aufgepasst hatte, waren im Militärdienst umgekommen, und dann war da noch Lorans Tod bei der Verteidigung von Dromund Kaas - eine Wunde, die auch nach fünf Jahren nicht heilen wollte. Die Welt war ohne das Lachen ihres kleinen Bruders einfach so viel leerer geworden, und dass auch Lienas' Mutter während der Kämpfe um Dromund Kaas vor dem Feind geblieben war, konnte sie noch immer nicht ganz glauben. 
Während der sich endlos hinziehenden Monate auf Saffar hatte sie sich natürlich auch Gedanken darüber gemacht, was mit ihrer Familie geschehen war. Ausser Lorans Schicksal war es ein jahrelanges Ratespiel gewesen. Fast war sie sich sicher, dass sie ihren Vater niemals wiedersehen würde, ein Admiral im aktiven Flottendienst hatte einfach so unglaublich viel mehr Chancen, im Kampf umzukommen als eine Funktionärin im Ministerium, in der Nähe der besten Orbitalverteidigung des Imperiums. Dennoch hatte das Hauptgebäude des Kriegsministeriums einige Volltreffer kassiert, welche auch die einst sicher geglaubte Bunkeranlage unter dem Hochhaus aufgerissen hatten. Im Feuerbrand der Bombardierung hatte Garcha van Arden keine Chance gehabt, wie alle anderen, die dort Schutz gesucht hatten. 

Bei jedem Hologespräch, welches Lienas nach ihrer Rückkehr mit ihrem Vater geführt hatte, hatten sie dieses Thema tunlichst vermieden, doch auch er schien in diesen fünf Jahren älter geworden zu sein, die Gesichtszüge schärfer. In einigen Wochen würde die Mission seines Flottenverbandes enden und Rory van Arden nach Dromund Kaas zurückkehren. Noch war sich Lienas nicht sicher, ob sie sich darauf freuen sollte, ihren Vater wiederzusehen. Fyra seufzte im Schlaf und drehte sich halb um, den Kopf auf Lienas' Schoß gemütlicher zurecht rückend. Sie streichelte dem Mädchen sachte über die Schulter und schloß für einige Momente lang die Augen.
Dromund Kaas war Lienas' Geburtsplanet, und ihr Leben lang war er ihr vertraut gewesen. Die vielen Formen des Regens, die Gerüche, die Geräusche des Dschungels, die allgegenwärtigen Gewitter. Sie wusste, wie widerspenstisch die natürlichen Felsformationen im Dschungel sein konnten, wenn man versuchte, sie mit Steigeisen und purer Muskelkraft zu bezwingen. Aber nach den Jahren der Leere und Stille auf Saffar schien ihr Dromund Kaas mit einem Mal überfüllt und laut. 

In der Kargheit des Wüstenplaneten hatte die Offizierin einen Teil von sich selbst wiedergefunden, den sie lange entbehrt hatte - mit sich selbst still sein zu können, ohne Reue, ohne Wut, ohne ein dringliches Ziel. Sicher, für die meisten Soldaten der Einheit war Saffar eine einzige Prüfung gewesen. 
Sand in jeder Körperfalte, Sand überall in der Rüstung, kein Tröpfchen Wasser durfte verschwendet werden, das Leben hatte aller Annehmlichkeiten entbehrt, von denen sie nun auf Kaas wieder überreichlich kosten durften. Allein schon die Tatsache, stundenlang duschen zu können, weil Wasser in Massen vorhanden war, empfand Lienas als einen besonderen Luxus. Dennoch war ihre neue Dienstwohnung in der Kaserne bis auf die Standardmöbel noch immer leer. Im Angriff auf Kaas waren alle der wenigen Dinge zerstört worden, an denen Lienas gehangen hatte. 

Wozu wieder etwas ansammeln, wenn es ohnehin innerhalb weniger Sekunden zerstört werden konnte? Die einzigen Erinnerungen, die niemals zerstört werden konnten, waren jene in ihrem Kopf. Erinnerungen wie diesen Moment, in dem ein Mädchen mit hellblondem Wuschelschopf auf ihrem Schoß schlief und die verbrauchten Energien wieder aufbaute. Während der größte Teil des Regiments wieder zu jenem Leben zurückkehrte, das sie vor dem Angriff und den Jahren ausserhalb des imperialen Raumes geführt hatte, fiel es Lienas schwer, wieder in jenem Alltag anzukommen, der für einen imperialen Offizier vor allem aus Flimsikram, Entscheidungen über Akten und einem geringen Maß körperlicher Ertüchtigung bestand. 
War das wirklich das Leben, das sie bis zum Ende ihrer Tage führen wollte? An so manchem Tag schon hatte Lienas den Lockruf der Flotte deutlich hören können. Ein Versprechen von Abenteuer, einer gewissen Freiheit abseits des üblichen Schreibtischdienstes, den sie heute genauso wenig mochte wie damals. Man würde ihr den Weg zurück zur Navy leicht machen, dafür würde schon ihr Vater sorgen. Doch auch wenn sie diese Hilfe ablehnte, waren Offiziere mit Erfahrung derzeit überall gesucht. 
Die Arbeit in einem Regiment, welches in Kaas City Wach- und Patroillendienst absolvierte, konnte jeder Offizier absolvieren, auch welche frisch von der Akademie. Ein Posten, um zu wachsen und sich zu entwickeln, aber doch eine Straße ohne ein rechtes Ziel für jemanden, der Abwechslung zu schätzen wusste. Die Grenzen ihres Lebens auf Dromund Kaas schienen so unendlich viel enger gesteckt als auf Saffar. Noch enger als früher ... 

"Ihre Tochter?" fragte eine ältere Frau, vielleicht um die sechzig, mit einem verwitterten, wettergegerbten Gesicht und einem Veteranenabzeichen am Revers ihrer Ziviljacke. Ihr linkes Auge war blind, eine Narbe lief quer über die Stirn in jenes aus und gab der alten Dame ein unerwartet martialisches Aussehen. Sie lächelte, was ihr faltiges Gesicht wie eine überalterte Rotfrucht wirken ließ. 
"Meine .. Nichte," sagte Lienas leise und strich abermals sachte mit einer Hand über die Schulter des schlafenden Mädchens, dem der Mund halb offen stand. Ein feuchter Fleck, den Lienas am Oberschenkel spüren konnte, kündete davon, dass Fyra im Schlaf sabberte.
"Sehr hübsches Mädchen. Passen Sie gut auf sie auf," erwiderte die ältere Dame. "Das mache ich." Einige Momente lang trafen sich die Blicke der Veteranin und der Offizierin, bevor Lienas die rechte Hand zum Salut an die Stirn hob. Wieder ein kurzes Lächeln, dann wandte sich die Veteranin von den beiden auf der Sitzbank an und hinkte langsam weiter, jeden Schritt behutsam setzend. Warum ihr mit einem Mal Tränen in den blinzelnden Augen standen, konnte Lienas nicht erklären. Schnell richtete sie den Blick auf die vielen Pflanzen in der Umgebung und wartete, bis der Reiz zu Weinen abgeflaut war, um dann tief einzuatmen. Manchmal brauchte es nicht viele Worte, um etwas bedeutsames zu sagen. Manchmal waren selbst wenige Worte zuviel. 

"Tante Lienas ..?" nuschelte Fyra leise und patschte mit der flachen Hand auf den Oberschenkel der Offizierin. "Ich hab Duuurst ..." 
Behutsam half sie dem Mädchen, sich aufzurichten und ihre Kleidung zurecht zu ziehen. Dann nahm sie die Kleine wieder an die Hand, um die kleine Cantina im Inneren des Tropenhauses anzusteuern, in der es neben dem gewünschten Getränk auch eine reiche Auswahl an Eisbechern gab. Ein Detail, welches Fyra und ihre Aufpasserin sehr sorgsam vor Fyras Mutter verschweigen würden, weil Mhae Talvar von solchen Schleckereien ganz gewiss nicht begeistert sein würde. Aber das machte den sündigen kleinen Genuss eines großen Berges Eis mitsamt einem noch großeren Berg Fruchtscheiben darauf noch ein klein wenig besser. 
Und mit jedem süßen Bissen, den Fyra und ihre Wahltante teilten, wurde das Gefühl der Entwurzelung ein bisschen geringer. Es gab Dinge auf Dromund Kaas, die vertraut waren. Gesichter, mit denen sie auf Saffar und auf der langen Suche nach einem geeigneten Stützpunkt gelitten und gekämpft hatte. Auch gelacht. Manches hatte sich geändert, entwickelt, manches war gleich geblieben. Um manches hatte sie während dieser Zeit kämpfen müssen. 

Im Grunde war es ein Neubeginn, auch wenn niemand es so nannte. Noch war Lienas jedenfalls nicht zuhause angekommen. Ab und an wünschte sie, es wäre so leicht wie für Fyra, die mit großen, staunenden Augen den neuen Planeten, den Regen und die Welt erkundete. Die einfach Fragen stellte und ausprobierte, anstelle zu grübeln. Aber mit über fünfunddreissig gelebten Jahren war es nicht mehr so leicht, alles unbefangen anzugehen. 
Lachen jedoch konnte sie noch, vor allem dann, wenn ein kleines Mädchen ihr einen Sahneklecks auf die Nase pappte. Still beschloss Lienas, diese ganzen Gedanken einfach noch einen weiteren Tag ruhen zu lassen und im Hier und Jetzt zu bleiben. Immerhin war noch eine Menge Sahne im Eisbecher vorhanden...
"Tante Leutent, Du siehst voll komisch aus!" - "Dann schau, wie Du gleich aussehen wirst, wenn ich mit dir fertig bin ...!" 
Dieses Mal quietschte Fyra so laut vor Vergnügen, dass allerlei strafende Blicke dem ungleichen Paar zugewandt wurden, aber selten war Lienas die Aufmerksamkeit ihrer Umgebung so egal gewesen wie in diesem einen, seltsam perfekten Moment.

Einblicke in das WoW-Addon Legion

- Dienstag, 6. September 2016 6 Kommentare

Seit einer Woche ist es spielbar - Zeit, euch ein paar Einblicke zu gewähren, die mich an diesem Addon derzeit so faszinieren. Denn es hat mich gleich zu Beginn erwischt: ich gestehe, ich hype die Klassen-Ordenshallen, ich hype die Gebiete, die so detailverliebt und farblich faszinierend angelegt wurden, ich hype die liebevoll gestalteten Quests und die Story, die mich generell in ihren Bann gezogen hat.
Wer weiss, wie lange die Euphorie anhält, aber momentan genieße ich es, ein Addon zu spielen, das mir vom Fleck weg doppelt so gut gefällt wie "Mists of Pandaria" und "Warlords of Draenor" zusammen. Aber genug gequatscht, ich zeige euch einfach ein paar schöne Bilder - selbst wenn ihr es nie spielen werdet, zeigt es vielleicht, warum es mir so gut gefäll. Bitte nicht wundern, dass hier einige Zonen fehlen - aber ich habe mir längst noch nicht alles angeschaut.

Ein wilder, lebendiger Wald mit üppiger Vegetation | Startzone Val'sharah

Die Erzmagier der Kirin Tor beim Ritual, um die fliegende Stadt Dalaran zu bewegen

Eine wichtige Entscheidung muss gefällt werden: welches Artefakt sucht man zuerst? | Magier-Ordenshalle

Lichtdurchtränkt und beeindruckend - die Paladin-Ordenshalle

Korrumpiert und gefährlich - der smaragdgrüne Traum | Druiden-Einstiegsquest

Traumhafte Tiefen sind beim Questen zu entdecken | Val'sharah

Für Druiden nun dauerhaft begehbar: der smaragdgrüne Traum mit Portalen in die Welt

Die Helden müssen dem azurblauen Drachenschwarm helfen, ihren Ältesten zu retten | Azsuna

Ruinenbesichtigung mal anders - in der Ferne ist noch das schwebende Dalaran zu erspähen | Azsuna

Kurz davor, Gul'dan etwas vor der Nase wegzustehlen | Hexer-Artefaktquest

Ein Blick in die Weite über das Gebiet von Azsuna hinweg | Azsuna
Na? Dinge gesehen, die gefallen haben? Wenn ihr eine Lieblingsecke habt, zögert nicht, mir einen Tipp zu geben, damit ich mir die auch mal anschauen kann. Ich bin immer auf der Jagd nach schönen Gegenden ;)