Foren-RPG

Foren-RPG: Königreich Jerusalem AD 1133


Dies ist der erste Artikel einer neuen Serie hier bei den Nerd-Gedanken, in der ich interessante Foren-RPGs vorstellen möchte, die aus der Masse herausragen - sei es durch das Setting, die grundlegende Storyline, Aufmachung oder anderes, was mir beim gemütlichen Wandern durch die Welt des Online-Rollenspiels aufgefallen ist.
Grundlegendes zum Thema Foren-RPG habe ich vor einigen Jahren zusammengestellt, doch dieser Platz soll den Foren selbst gelten und einer Vorstellung. Ich habe dafür jeweils das Admin-Team des jeweiligen Forums angeschrieben und ihnen einige Fragen gestellt, die euch mehr noch als die eigentliche Vorstellung einen Eindruck dessen vermitteln sollen, womit ihr es zu tun habt. Aber nun geht es ins Jahr 1133 in das Kreuzfahrer-Königreich Jerusalem - viel Spaß!

Das Szenario:


Deus lo vult
- unter diesem Leitspruch zogen die Kreuzritter im Jahre 1095 ins Heilige Land, um dieses in Gottes Namen für die Christenheit zu erobern. Im Juni des Jahres 1099 haben sie mit der Belagerung der heiligen Stadt begonnen, welche mehr als einen Monat andauern sollte. Dann, am Morgen des 15. Juli, haben sie die Stadt in einer blutigen Schlacht erobert und begonnen, ein neues Königreich zu errichten.

Etwa dreißig Jahre
später hat sich das Königreich Jerusalem in der Levante etabliert und es herrscht weitestgehend Frieden. Königin Melisende zieht einen Dialog zwischen den fränkischen Besatzern und den besiegten Einheimischen einer offenen Konfrontation vor und ist um Einigkeit innerhalb der Grenzen des Reiches bemüht. Die Haute Cour, ein aus den bedeutendsten Adligen und Geistlichen des Reiches bestehender Rat mit großem Einfluss in der Politik, steht diesem Kurs gespalten gegenüber und ist auch in sich zu großen Teilen sehr zerstritten.

Ehen sind ein beliebtes Mittel um Allianzen unter Gleichgesinnten zu schließen, während Fehden geführt werden um Gegner auszuschalten. Nahezu jeder versucht die rivalisierenden Familien auszustechen und dabei zugleich Einfluss auf die Königin zu gewinnen - der eine zeigt sich hierbei eher als getreuer Höfling, während ein anderer versucht ihr die Stirn zu bieten.

Auf den Straßen Jerusalems spürt man nur wenig von dem, was innerhalb der Palastmauern vor sich geht. Hier herrscht tagtäglich geschäftiges Treiben und ein zuweilen fast schon normaler Umgang zwischen den Franken und den Einheimischen. Natürlich kommt es auch hier immer wieder zu Anfeindungen und Differenzen, doch diese nehmen nur selten einen Einfluss auf unbeteiligte Parteien.
In den Mittelpunkt treten zunehmend die klassischen Rivalitäten zwischen Händlern und Handwerkern, da der steigende Wohlstand die existenziellen Sorgen unbedeutend werden lässt. Hierbei sollte man sich allerdings nicht täuschen lassen: Auch die Armut ist, besonders unter den einheimischen Volksgruppen wie den syrischen Christen und Muslimen, zuweilen ein echtes Problem...


Grundlegende Informationen:


Genre:
Historisches Rollenspiel im Hochmittelalter
Mindestalter für Teilnahme: 18 Jahre
Anmeldung: kurze Steckbriefe, schneller Spielstart, später ausführlicher Charakterbogen mit detaillierten  Beschreibungsmöglichkeiten
Charakterwahl: Probetext für adelige Charaktere, ansonsten freie Anmeldung für alle anderen Stände
Anschluss an andere Spieler: Aufnahme in bereits bestehende Familien möglich und erwünscht, Charaktergesuche mit Verbindungen zu vorhandenen Charakteren
Hintergrundinformationen: reichhaltiges Wiki mit Infos zum Setting und der Historie
Spielart: Szenentrennung mit foreneigener Timeline, monatsweise Zeitsprünge
Charaktergesuche im CSB: nein


Interview mit dem Admin-Team:


1. Welchen Stellenwert haben die kulturellen Konflikte des Mittelalters im allgemeinen Rollenspiel vom "Königreich Jerusalem"?
Jerusalem ist ein Schmelztiegel der Kulturen und dort herrschen aktuell keineswegs nur Konflikte; natürlich sind die Besatzer, die christlichen Kreuzfahrer, die herrschende und dominierende Klasse, doch zu der bespielten Zeit herrscht tatsächlich ein gewisser Waffenstillstand.
Dieser wird durch gewisse Streitigkeiten innerhalb des Reichs auf die Probe gestellt und auch an den Grenzen gibt es immer wieder kleinere Konflikte; alles in allem erblühen zu unserer Zeit tatsächlich aber auch der Handel und die Wirtschaft.
Die kulturellen Konflikte haben den Stellenwert, der durch unsere Spieler spielerisch erarbeitet wird. Es gibt viele Möglichkeiten, Konflikte darzustellen. 

Es müssen nicht unbedingt größere Schlachten sein, von denen derzeit viele Einwohner und auch umliegende Staaten erst einmal genug haben; viel eher etablieren sich die Kreuzfahrer zu unserer Zeit in der Region.
Wir würden uns tatsächlich derzeit wünschen, dass die kulturellen Konflikte bei den Spielern öfter aufgegriffen werden. Hierbei meinen wir nicht unbedingt den Krieg zwischen Christentum und Islam, sondern auch die kleineren Dispute in der einfachen Bevölkerung, kleine Unstimmigkeiten im Alltag - auch zwischen syrischen und fränkischen Christen beispielsweise. Es stoßen in Jerusalem ja nicht nur Religionen, sondern auch sich deutlich unterscheidende Kulturen zusammen.

2. Wie habt ihr euch als Admin-Team gefunden?
Das ist eine ziemlich lange Geschichte, die sehr breit ausgerollt werden müsste, um ihr wirklich gerecht zu werden; wir versuchen es einmal in ein wenig kürzer. Ein paar von uns haben sich zwar schon vor 2011 gekannt, sind sich aber eben eher oberflächlich in verschiedenen Foren über den Weg gelaufen, ohne näher Notiz voneinander zu nehmen. 2011 könnte man also als das Jahr nehmen, in dem wir alle zufälligerweise zur gleichen Zeit am gleichen Ort waren: in einem wirklich guten Rollenspiel im spätmittelalterlichen Heiligen Römischen Reich. 

Im Spätsommer 2012 haben sich dann einige von uns zusammen geschlossen, um ein eigenes, gemeinsames Forum zu gründen - das Königreich Jerusalem. Es sind damals viele Spieler gleich zu uns gestoßen, mit denen wir uns gut verstanden haben und von denen bis heute noch weit mehr als die Hälfte mit dabei ist. Sie mögen nicht zum Adminteam gehören, aber ohne diese Spieler würde es Jerusalem heute nicht in dem Rahmen geben, in denen es existiert - wir möchten uns an dieser Stelle also noch einmal herzlich für die große, langjährige Treue bedanken.

Das Adminteam zur heutigen Zeit kann man ruhigen Gewissens als RL-Freunde bezeichnen. Wir kennen uns mittlerweile alle ziemlich gut und haben uns schon mehrfach getroffen; zwei von uns sind schon kurz vor der Gründung des Forums ein Paar geworden. Am 15. September 2012 wurde Jerusalem gegründet und seither hat sich, mit Ausnahme einer Mitgründerin, die aus zeitlichen Gründen noch im selben Jahr wieder ausgestiegen ist, in der Administration nichts geändert.

3. In welcher Geschwindigkeit läuft das Rollenspiel im Forum normalerweise ab und wie oft wechselt ihr im Jahr den historischen Spiel-Monat?
Früher haben wir die Zeit im Forum 1:1 zur realen Zeit laufen lassen, doch damit hatten viele Spieler irgendwann einen derartigen Zeitdruck, dass wir davon wieder abgewichen sind. Rollenspiel sollte Spaß machen; dieser Spaß hat sehr darunter gelitten, dass man Termindruck hatte und viele Dinge nicht mehr so ausschreiben konnte, wie man es gern wollte. Mittlerweile spielen wir immer einen Monat und machen den Zeitsprung dann nach Bedarf.
Aktuell hat es immer gepasst, dass ein Monat im Rollenspiel ziemlich genau sechs Monaten im richtigen Leben entsprochen hat, aber das ist variabel. Wir richten uns bei den Zeitsprüngen nach dem Bedarf der Spieler: haben sie ihre Threads für den Monat weitestgehend abgeschlossen? Hätte man gerne wieder einen kleinen Wetterwechsel? Wir fragen die Spieler und kündigen dann Sprung ein paar Wochen vorher an, um ihn dann zum 1. eines Monats durchzuführen.

4. Warum habt ihr euch das Jahr 1133 nach Christus als Spielzeit für das Forum auserkoren?
Wenn wir ehrlich sind, haben wir uns eigentlich das Jahr 1130 (im Sommer) ausgewählt und sind mittlerweile im Jahr 1133 angekommen. Wir wollten nicht zur Zeit eines Kreuzzugs spielen, weil wir der Meinung waren und auch immer noch sind, dass das vielleicht für solche Spieler interessant ist, die gerne Kämpfe ausschreiben, auf lange Sicht aber nicht sehr viel Abwechslung bedeutet. Der Rest war dann Feinjustierung. 1130 wurde es primär deshalb, weil wir mit Melisende von Jerusalem eine sehr interessante Frau als Herrscherin vor uns hatten.
Ihr Konflikt mit ihrem Ehemann bot viele Konflikte im Adel an, hat Politik ermöglicht und damals auch tatsächlich viel Eigendynamik ins Spiel gebracht, von der wir heute profitieren, wenn sich das Rollenspiel mittlerweile doch auch recht stark von der Historie abgewendet hat. 1130 war eben eine sehr interessante Ausgangssituation mit erstarkender Wirtschaft, die sowohl für Zivilisten als auch für Kämpfer Rollenspielmöglichkeiten bot und alle Vorzüge des Kreuzfahrerstaates, einschließlich der bereits bestehenden Orden, offerieren konnte.

5. Wie viel Vorwissen über die mittelalterliche Kultur muss ein neuer Spieler idealerweise mitbringen, um problemlos Anschluss zu finden?
Wir sind der Meinung, dass nicht entscheidend ist, wie viel Vorwissen man mitbringt, sondern wie viel Bereitschaft, sich Wissen anzueignen. Wir finden es absolut unproblematisch, wenn sich jemand nicht so gut im Hochmittelalter auskennt. Ohnehin ist die Situation im Kreuzfahrerkönigreich Jerusalem noch einmal vollkommen anders als jene in Europa; man war deutlich fortschrittlicher. Es wäre schon stellenweise recht spezielles Wissen vonnöten, um die perfekte Ausgangssituation zu haben und die kann man nicht voraussetzen.

Die wenigsten wissen Beispielsweise, dass Jerusalem alles andere als ein trockener Wüstenstaat ist; die Darstellung in den ganzen Filmen ist in der Regel vollkommen falsch. Jerusalem hat eine hügelige und durchaus begrünte Umgebung - keine flache, staubige Wüste.
Sowohl die Spielleitung als auch die Spieler sind immer sehr bemüht darum, einen Neuankömmling zu integrieren. Bei groben historischen Fehlern oder Unwissenheiten sind wir jederzeit bereit, zu helfen und zu erklären und bei kleineren Schnitzern muss jeder einfach auch mal lernen, über gewisse Dinge hinwegzusehen.
Zwar haben wir viele Historiker in unserem Forum, sowohl berufliche als auch freizeitliche, aber das ist alles andere als eine Grundvoraussetzung. Lediglich Interesse am Mittelalter wäre schon sehr hilfreich; und die Bereitschaft, sich in unbekannte Themen einzulesen, sofern sie fürs Rollenspiel notwendig sind.

6. Welche Arten an Charakteren und welches Spielerverhalten wünscht ihr euch im 'Königreich Jerusalem'?
Ein Wunschzettel - wie schön! *lach* Wir freuen uns über eine möglichst große Vielfalt, sowohl bei den Spielern als auch bei den Charakteren. Klasse und hilfreich sind eigentlich immer zwei Attribute: Zuverlässigkeit und Eigeninitiative.
Wir freuen uns generell sehr über jedes Mitglied, das Spaß daran hat, uns über einen längeren Zeitraum zu begleiten und sich am besten mitten unters Volk mischt, eigene Ideen einbringt und dem gesamten Forum so dabei hilft, sich weiterzuentwickeln. Wer sich im Rollenspiel selbst engagiert, kann auch damit rechnen, viel Einfluss auf das Spielgeschehen nehmen zu können.

Uns ist vorrangig wichtig, dass ein Spieler mit seinem Charakter warm wird und dabei bleibt, dabei helfen wir auch gern. Es ist dabei schwierig zu sagen, welche Arten von Charakteren uns dabei wichtig sind. Sehr interessant für das Rollenspiel wären sicherlich solche, die den bestehenden, adligen Familien anschließen und dort versuchen, Einfluss und Macht zu gewinnen - die Wege dafür sind vollkommen offen.
Schön wären Spieler, welche das Bürgertum ausfüllen und ein paar handwerkliche Lücken füllen, ihr tägliches Leben bestreiten und versuchen sich im bunt gemischten Jerusalem zurechtzufinden, aber auch an ihrem Einfluss und Wohlstand arbeiten. Die Geistlichkeit braucht ohnehin immer Verstärkung; vor allem die Johanniter oder die Templer können Zuwachs gebrauchen, aber auch die Grabeskirche als religiöse Institution. Hocherwünscht sind natürlich auch einheimische Christen, Muslime, Juden...

7. Wie oft gebt ihr neue Plotlines für die Spielercharaktere vor und welcher Art sind diese dann (gesellschaftlich, kämpferisch, religiös etc.)?
Da können wir keine Regelmäßigkeit aufgeben, wir agieren da sehr individuell. Wenn einzelne Spieler wenig zu tun haben, geben wir uns als Spielleitung Mühe, für einzelne Spieler Anreize zu schaffen und steigen aktiv in deren Rollenspiel mit ein.
Grundsätzlich kann man sagen, dass es eigentlich für jeden Monat ein großes Event gibt, an dem jeder teilnehmen kann und um den herum sich jeder seine Handlung spinnen kann. Im letzten Monat beispielsweise hatten wir ein Turnier im Tjosten und Bogenschießen, das sehr rege angenommen wurde - unsere Planung für den aktuellen Monat möchten wir noch nicht verraten!

Wir richten uns hier wirklich nach dem Bedarf der Spieler. Wenn die Stimmung allgemein dahin tendiert, dass wenig geschrieben wird (Urlaubszeit, Weihnachten, etc.) schauen wir eigentlich, nicht zu wichtige Dinge zu starten.
Ansonsten kommen da aber auch schon mal die Ermordung des Königs, besagtes Turnier, größere Schlachten unter den Adligen oder mit den benachbarten, muslimischen Staaten. Es ist schwierig zu sagen, was dominiert; das hängt immer stark von unseren Spielern ab und was sie aus den Sachen machen, die wir vorgeben. Aus dem Tod eines Mannes kann man sowohl eine gesellschaftliche, eine kämpferische oder auch eine religiöse Entwicklung erarbeiten, je nachdem wie entscheidend er war.

8. Welche Tipps würdet ihr interessierten Neuspielern geben?
Zögert nicht zu lange mit der Anmeldung und lasst euch gerne direkt von uns beraten; sagt konkret, was ihr für Wünsche habt und hört euch unsere Ratschläge an. Ein wichtiger Tipp wäre vielleicht, sich wirklich einer bestehenden Familie anzuschließen, oder wenigstens beruflich Anschluss zu haben. Das ginge zum Beispiel mit einem Amt am königlichen Hof, bei der Stadtverwaltung, im Haushalt eines Adligen oder bei einem Handwerker - so könnt ihr euch sicher sein, einen Berater immer in eurer Nähe zu haben und den Anschluss nicht zu verlieren.
Jeder hier freut sich über Zuwachs und hilft gerne mit, das richtige zu finden.

9. Welche historischen Themen fändet ihr noch interessant, um sie im Rahmen eines Forums-RPGs zu spielen und warum?
Hierbei kann man jetzt vier Spielleiter fragen und kriegt sicherlich vier verschiedene Meinungen. Unser aller Hauptaugenmerk liegt vermutlich in erster Linie auf dem Hoch- und Spätmittelalter, aber unter uns hat auch jeder schon einmal in diesem einen, extrem bekannten Forum über das antike Rom gespielt. ;-)
Ein zweites Forum betreiben ein paar von uns tatsächlich noch, allerdings in einem weitaus kleineren und privateren Rahmen - zwei Foren in der Größe von Jerusalem könnte man nicht betreiben, ohne dass eines der beiden massiv in Mitleidenschaft gerät. Dieses zweite Forum thematisiert das Zeitalter der Segelschiffe in der Mitte des 18. Jahrhunderts und hat das Hauptaugenmerk auf den Alltag auf einer britischen Fregatte gelegt.

Es ist einfach eine sehr interessante und vielfältige Zeit und die Entscheidung hierfür liegt einfach in einem großen, persönlichen Interesse an Segelschiffen und des britischen Imperiums.
Weiterhin interessant wären sicherlich noch das alte Ägypten, das englische Frühmittelalter, die Hanse (an die wir tatsächlich auch schon einmal gedacht haben...) und generell das europäische Spätmittelalter. Es gibt eigentlich für jede Epoche Gründe, aus denen man sie bespielen möchte - nur wann? 


Vielen lieben Dank an das Admin-Team vom "Königreich Jerusalem" - namentlich Mina (Bolka z Medlova), Chris (Guillaume de Bures), Thomas (Gregor von Brandis) und Ines (Ailis McLeoud).

Über Nerd- Gedanken

Nerd-Frau Mitte 30 und Kreative aus Leidenschaft, die permanent unter Ideen-Überdruck leidet. Schreiben, zeichnen und neue Welten entwerfen sind meine Hauptbeschäftigung. Man findet man mich im Netz überall dort, wo interessantes Rollenspiel und faszinierende Menschen locken.

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