Persönliches

10 Dinge, die in Lissabon anders sind


Eine Woche Lissabon erweitert nicht nur durch die Reise an sich den eigenen Horizont, sondern auch durch die Dinge, die in Portugal und vor allem Portugals Hauptstadt anders laufen als zuhause. Zuhause, das ist für mich das gewohnt-bequeme Deutschland, sozusagen meine ganz persönliche Comfort Zone, in der ich es mir über die Jahre gemütlich gemacht habe. 
Übrigens müsst ihr kein Portugiesisch sprechen, um in Lissabon zurecht zu kommen - Museen und Nahverkehrsterminals verwenden als Zweitsprache englisch, in Restaurants und touristischen Einrichtungen wird Englisch ganz selbstverständlich genutzt. Nützliche portugiesische Begriffe schnappt ihr auch vor Ort auf, wenn ihr ein bisschen Ausschau haltet.
Falls ihr selbst eine Reise nach Lissabon plant, habe ich ein paar interessante Einblicke für euch - und für alle, die lieber zuhause bleiben, zumindest einen Blick über den Tellerrand des Gewohnten. Divirtam-se (viel Spaß)!

1. Ganz viele lächelnde Gesichter

Kommt man aus dem eher feucht-regnerischen und kalten Deutschland, bei dem die Mitmenschen auch zumeist ein passendes Gesicht ziehen, ist der Kontrast zu Lissabon extrem. Schon in den öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es kein Geschubse, Geschimpfe oder Gedrängel - passt niemand mehr in die Straßenbahn herein, warten die Anstehenden klaglos auf die nächste Tram. Schwangeren wird Platz gemacht, älteren Herrschaften der Sitzplatz angeboten, und generell ist ein "Obrigado! (Danke)" bei der Interaktion mit anderen Menschen sehr sehr häufig zu hören.
Vielleicht liegt es am allgemeinen hohen Touristengrad der Stadt, dass die Bürger auskunftfreudig sind, wenn man sie höflich um Hilfe bittet. Aber auch generell hatte ich in dieser Woche das Gefühl, an einem Ort gelandet zu sein, an dem viele Dinge einfach gelassener genommen werden als in Deutschland. Es wird viel gelacht und gescherzt, manchmal auch lautstark gestikuliert und diskutiert, aber es blieb doch immer bei einem freundlichen Miteinander. Sehr erholsam!

2. WiFi überall

Am Flughafen, im öffentlichen Nahverkehr, in Sightseeingbussen und auch sonst an sehr vielen Orten - wer mal schnell ins Netz will, bekommt die Möglichkeiten dafür in Lissabon nachgeworfen. Entsprechend viele Leute sind dann auch mit Smartphone unterwegs und bewegen sich mit Blick aufs Display durch die Stadt. Bequemer habe ich das noch nie erlebt und wenn man gerade mal wieder Google Maps braucht, um herauszufinden, wo man sich im Alfama-Viertel verlaufen hat, ist das freie WiFi an so vielen Ecken der Stadt einfach Gold wert. 
Wenn man mal kein freies WiFi bekommt, ist der Empfang für mobile Dienste gut genug, um alles tun zu können, was man für die Orientierung gerade braucht. Verglichen mit Zuhause kam ich mir teilweise vor wie im digitalen Wunderland...

3. Trinken wie im Schwimmbad

Wer die hervorragende deutsche Trinkwasserqualität kennt, die unser Wasser aus dem Hahn zu einer billigen  und bequemen Getränkealternative macht, bekommt in Lissabon das andere Extrem serviert. Denn dort ist das Wasser aus dem Hahn stark gechlort und schmeckt schon nur beim Zähneputzen echt widerlich, trinken sollte man das auf keinen Fall. Entsprechend versorgt ihr euch bei einem Besuch der Stadt am Besten mit den glücklicherweise sehr günstigen Wasserflaschen aus dem Supermarkt
Kauft sie aber nicht in Souvenir-Shops, dort ist das köstliche und bei den warmen Temperaturen dringend nötige Nass meistens extrem überteuert. Falls ihr selbst keinen Supermarkt findet, fragt an der Rezeption eures Hotels oder Hostels nach einem in Laufnähe, meist bekommt ihr dort einen guten Tipp.

4. Ultrabequemer Nahverkehr

Wer schon mal in New York war, wird das System kennen, das auch in Lissabon im Nahverkehr Anwendung findet: mit günstigen wiederaufladbaren Karten, die ihr an Kontrollschranken bei der Metro oder an Terminals in Bussen, Bahnen und den Aufzügen benutzt, bewegt ihr euch ohne lästiges Geldzählen beim Ticketautomaten schnell und effizient durch die Stadt. Bei jeder Terminalbenutzung wird euch zudem angezeigt, wieviel Guthaben noch auf eurer Karte ist, sodass ihr rechtzeitig mitbekommt, wann es Zeit für das nächste Aufladen ist.
Bei diesem System ist es egal, wo ihr wieder aussteigt, abgebucht wird beim Einsteigen, danach dürft ihr eine Stunde lang fahren. Gerade für Touristen oder Leute, die nicht jeden Tag mit dem Nahverkehr unterwegs sind, ist das Viva Viagem-/Zapping-System extrem bequem und sehr zu empfehlen. Informiert euch am besten vor einer Reise nach Lissabon im Netz über eure Möglichkeiten. Die Tickets kauft ihr dann nach der Ankunft bei den Automaten in der Flughafen-Metrostation. Weiterer Pluspunkt: Gerade die Metro fährt bis spät in die Nacht in einem maximal 6-Minuten-Takt, ist sehr sauber und außerhalb der Stoßzeiten nicht überfüllt.

5. Behindertenfreundliche Museen & Nahverkehr

Bis auf die zugegebenermaßen sehr engen Straßenbahnen (deren Wagen von Anfang 1900 stammen und natürlich baulich nicht auf Rollstühle eingerichtet sind) ist der öffentliche Nahverkehr für Rollifahrer eingerichtet. Die Busse haben alle Platz für Rollstühle, viele Metrostationen verfügen über Treppenlifte und Aufzüge. Besonders positiv ist mir aber gerade in den größeren Museen aufgefallen, dass nicht nur auf Rollstuhlrampen geachtet wurde, die den Zugang in die verschiedenen Ausstellungsräume erleichtern. 
Im "Museu Nacional do Azulejos", in dem die berühmten portugiesischen Schmuckkacheln und deren Geschichte ausgestellt werden, gibt es für Blinde extra Relief-Aufbauten zum Anfassen, auf denen sie die Muster der verschiedenen Kachelstilarten nachvollziehen können. Erklärungstafeln mit Blindenschrift und/oder Audioguides ergänzen das Angebot bei anderen Museen. Generell sind die Museen, die ich während meiner Lissabon-Woche besucht habe, so aufgebaut, dass gerade für Rollstühle viel Platz bleibt und die Navigation durch das Museum durch übersichtliche Beschilderung sehr erleichtert wird.

 6. Familien sehr erwünscht

Wovon sich viele Einrichtungen in Deutschland auch eine dicke Scheibe abschneiden könnten, sind die öffentlichen Toiletten in den Museen: sowohl im Damen- als auch Herrenklo gibt es einen Wickeltisch! Hierzulande scheint das Eintüten des Nachwuchses in frische Windeln reine Frauendomäne zu sein, in Lissabon ist es ganz selbstverständlich, dass auch die Papas zugreifen können.
Auch sonst ist Lissabon familienfreundlich gestaltet: In den größeren Parks gibt es immer eine meist im Halbschatten liegende Spielecke für die Kleinen, spürbare Rabatte bei Eintritten in verschiedene Parks und Attraktionen wie das Oceanário oder den Zoo. In den Bussen finden Kinderwagen reichlich Platz und die Mitfahrenden machen Leuten mit Kinderwagen und Kids bereitwillig Platz. 
In den Restaurants gibt es zwar selten spezielle Kinderteller auf der Karte, aber was ich an Nebentischen beobachten konnte, ist das Mitessen der Kleinen vom Teller der Eltern ganz selbstverständlich; im Hard Rock Café gibt's das Kindermenu sogar kostenlos, wenn Mama und Papa dort essen. 
Bemerkenswert finde ich, dass in den meisten Parks Getränkeautomaten zu moderaten Preisen eine Selbstverständlichkeit scheinen, man bekommt also recht bequem Wasser für den Nachwuchs, ohne sich wund suchen zu müssen. Auch in Museen werden krakeelende Kinder ohne Stirnrunzeln geduldet. Gerade im Zoo und dem Oceanario gibt es spezielle Kinderbereiche, bei denen ihnen in einfachen Worten und mit Mitmach-Möglichkeiten die Tiere nahegebracht werden.

7. Die Straßen der tausend Neins

Seid ihr im Baixa-Viertel (das geplante Viertel nördlich des Praça do Comércio) unterwegs, bewegt ihr euch durch Straßen mit Verkehr und solchen, die nur Fußgängern zugänglich sind - dort befinden sich unzählige kleinere Restaurants, deren Tische auf der Straße stehen. Einzigartig in dieser Ecke der Stadt sind aber weniger die Speisen (ihr bekommt größtenteils Fischgerichte, gebratenes Fleisch und Paella), sondern das Verhalten der Kellner, die aktiv auf Passanten zugehen, euch die jeweilige Speisekarte zeigen und versuchen, euch zu einem Besuch ihres Restaurants zu bewegen.
Gerade wenn ihr die Straßen des Baixa längs entlang wandert, wird es schlicht jeder Kellner probieren, euch abzuschleppen - ein entschiedenes "No!" oder "No, thank you!" mit einer ablehnenden Geste lässt sie aber schnell wieder abdrehen. 
Wenn euch das auf die Nerven gehen sollte oder ihr es eilig habt, bewegt euch einfach eine Straße weiter, wo der Verkehr rollt. Auf den Bürgersteigen dort werdet ihr zwar anderen Passanten ausweichen müssen und auch mal um Postkartenständer herumschlängeln, aber spart euch die werbefreudigen Kellner.

8. Tagsüber heiss, abends windig

Wer erwartet, bei einem Besuch in Lissabon nur mit warmen Temperaturen konfrontiert zu werden, den belehrt der abends zu Sonnenuntergang enorm auffrischende Seewind eines Bessern. Die Stadt kühlt dann relativ schnell ab und wenn ihr gerne abends in einem Straßenrestaurant esst oder spazieren geht, solltet ihr auf jeden Fall eine Jacke oder ein warmes Oberteil mitnehmen, damit ihr euch nicht erkältet. 
Je näher ihr dem Tejo kommt, desto deutlicher spürt man auch den durch die Straßen fegenden Wind. In den geplanten Straßen des Baixa-Viertels nimmt er durch die dem Fluss zugewandten Längsstraßen enorm Tempo auf und spült die Tageshitze erfreulich schnell aus der Stadt.

9. Gemütlich essen in mehreren Gängen

In Deutschland isst man im Restaurant eher selten ein komplettes Menu aus Vorspeise, Hauptgericht und Dessert - außer ihr habt einiges an Geld locker! - aber in Portugal ist es in den gängigen Restaurants absolut normal, dass gerade das Abendessen etwas umfangreicher ausfällt. Üblicherweise beginnt ihr mit der Tagessuppe oder Brot mit Oliven, Olivenöl und einer der landestypischen, aus Schafs- und Kuhmilch bestehenden Käsesorten. 
Nach dem Hauptgericht wartet dann noch das Dessert, bei dem ihr frische Früchte, einen Karamellpudding, Milchcreme oder etwas anderes Süßes bestellt. 
Wundert euch übrigens nicht, wenn die Kellner sehr zügig nachservieren, sobald eure Teller nach einem Gang leer sind. Schneller Service gilt in Portugal als professionell und gastfreundlich, wenn ihr es langsamer angehen wollt, sagt das dem Kellner einfach am Besten zu Beginn des Abends. 

Gerade wenn ihr in Touristenrestaurants esst, solltet ihr im Auge behalten, dass alles, was euch der Kellner ohne einen expliziten Hinweis serviert, dass es sich um ein kostenfreies Extra handelt, von euch bezahlt werden muss. Eine Schale Oliven mit Brot vor dem Essen ist also kein Geschenk aus der Küche, sondern in der Regel ein extra Posten auf der späteren Rechnung. Seid ihr euch nicht sicher, ob ihr etwas bezahlen müsst, dass ohne eine Order eurerseits auf eurem Tisch landet, fragt im Zweifel immer nach und auch nach dem Preis, damit ihr keine unschöne Überraschung erlebt.
Übrigens: Service ist auch in Portugal in der Rechnung mit inbegriffen, üblich sind Trinkgelder um die 10% der Gesamtrechnung.

10. Gute Zeiten für Schleckermäuler


Schon die schiere Menge der Pastelerias, Leitarias und Straßencafés in der Stadt verrät, dass die Bürger Lissabons eine ganz besondere Beziehung zu Gebäck und Süßem hegen. Für viele sind diese kleinen Lädchen und Läden wie ein zweites Wohnzimmer, in dem man mit Freunden und Nachbarn einen Kaffee und etwas Süßes genießt. Handtellergroße süße Stückchen, die man hier "Pastéis de Nata" nennt und aus Blätterteig mit Eiersahnecremefüllung bestehen, werden auch in den Hotels schon auf dem Frühstücksbuffet serviert.
Die berühmtesten dieser Gebäckstückchen gibt es übrigens bei "Pasteis de Belem", deren Rezept auch nach Jahrhunderten geheim gehalten wird und nur den drei Chefkonditoren bekannt ist. Probiert einfach selbst, ob diese Spezialität etwas für euch ist! Das Dessert ist in Portugal zudem der beliebteste Gang des Essens ...

Über Gloria H. Manderfeld

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