Film

Rezension: Ant-Man and the Wasp


Im Jahr 1987 kämpfen Janet van Dyne als Wasp und Hank Pym als Ant-Man gemeinsam gegen die Feinde der Menschheit, doch sie zahlen beide einen hohen Preis: als es ihnen nicht gelingt, eine sowjetische Atomrakete zu entschärfen, schrumpft sich van Dyne bis zur subatomaren Quantenebene klein, damit die verheerende Explosion noch gestoppt werden kann. Neben dem untröstlichen Pym bleibt dessen Tochter mit van Dyne, die kleine Hope, zurück und beide glauben die Geliebte und Mutter für immer verloren. Doch als es Scott Lang gelingt, als Ant-Man bis zur subatomaren Quantenebene vorzustoßen und lebendig zurückzukehren, schöpfen beide wieder Hoffnung.

Nach den Ereignissen in »The First Avenger: Civil War« befindet sich indes Ant-Man Scott Lang entsprechend der Sokovia-Gesetze im zweijährigen Hausarrest, der mit einer Fußfessel kontrolliert wird. Da er den Ant-Man-Anzug für den Ausflug mit Captain America stahl, ohne Pym und Hope um Erlaubnis zu bitten, hat sich das Verhältnis zu beiden extrem abgekühlt, beide leben auf der Flucht vor dem Gesetz und müssen sich verstecken.

Trotz aller Widrigkeiten gibt sich Scott viel Mühe, mit seiner Tochter phantasievolle Erlebnisse im Haus zu spielen und auch sonst den Mut während der langen Gefangenschaft nicht zu verlieren. Daneben plant Scott, in die Sicherheitsfirma seines Kumpels Luis einzusteigen, sobald der Hausarrest aufgehoben wird, bis dahin fehlen nur noch wenige Tage. 
Pym und Hope haben einen Quantentunnel gebaut, mit dem sie Kontakt zur verschollenen Janet aufnehmen wollen. Doch bei dessen erster Aktivierung geht etwas schief: anstelle eines Hinweises für die Forscher träumt Scott von der für ihn Unbekannten und nimmt zum ersten Mal seit Jahren deswegen mit den ehemaligen Partnern Kontakt auf, ganz entgegen aller gesetzlichen Vorschriften ...

Während sich der Vorgängerfilm in der Gesamtstoryline sehr stark mit sehr umfangreichen Ereignissen und weltweiten Konsequenzen beschäftigt hat, während derer zwei verschiedene Superheldenteams im Konflikt miteinander waren, besinnt sich »Ant-Man and the Wasp« auf einen kleineren Rahmen zurück und fokussiert sich vor allem auf Scott Lang, Hope van Syne und Hank Pym. Nach dem Bruch wegen Scotts Verhalten in der Vergangenheit muss erst wieder neues Vertrauen im kleinen Team aufgebaut werden – und das ist gar nicht so leicht, da zwei verschiedene Interessen aufeinander prallen. 
Pym/Hope versuchen verzweifelt, Janet mit allen Mitteln zurück zu holen, während Scott eigentlich nur möglichst ereignislos seine Hausarrestzeit absitzen will, damit er zurück in die Freiheit kommt. Helfen kann er Pym/Hope allerdings nur, wenn er sein Zuhause verlässt und riskiert, während seiner Abwesenheit von einer FBI-Kontrolle erwischt zu werden.


Natürlich ist der Versuch, möglichst unbemerkt die Regeln zu brechen, gleichzeitig aber doch bei der Rettung Janets zu helfen, eines der Hauptmotive des Films und stellt Scott vor eine Menge Herausforderungen. Aber eine echte Superheldengeschichte braucht natürlich auch einen Bösewicht. Dieses Mal ist es allerdings mit »Ghost« eine Bösewichtin, deren Vorgeschichte so bitter ist, dass man unwillkürlich mit ihr mitfühlt.

Sie teilt zudem die persönliche Motivation mit dem Heldenteam teilt, da ihr in Kämpfen sehr vorteilhafter Phasingzustand mehr und mehr lebensbedrohlich wird. Hannah John-Kamen verkörpert die verzweifelte, rachsüchtige, aber dennoch nicht vollkommen gewissenlose Schurkin auf ergreifende Weise.


Trotz mangelndem Weltzerstörungswillen bleibt sie jederzeit eine glaubwürdige Feindin für das Heldenteam. Als Zuschauer ist man hin- und hergerissen, ob man ihr nicht doch einen Erfolg gönnen sollte, da sie an ihrem Zustand grundlegend unschuldig ist und mit wachsender Lebensgefahr aus Todesangst extremer reagiert. Für mich eine sehr angenehme Abwechslung zu all den egozentrischen, narzisstischen sonstigen Gegenspielern, die Superheldenfilme meist anbringen.

Paul Rudds Ant-Man gerät gewohnt gut gelaunt und routiniert, dem man seinen Versuch, trotz aller Probleme und aus seinen Entscheidungen resultierenden Konsequenzen ein guter Vater zu sein, sehr gut abnehmen kann. Im Team mit Evangeline Lillys Hope van Dyne wird Ant-Man zu einem gefährlichen Feind, der aber nicht zur Alleinlösung für Probleme wird, da sein experimenteller Kampfanzug, der ihm erst seine Möglichkeiten verleiht, reichlich viele Aussetzer hat. Ohne Wasps Hilfe wäre Ant-Man einige Male richtig in Schwierigkeiten, die ausgelatschte Trope der Unschuld in Nöten wird hier glücklicherweise überhaupt nicht bedient.


Auch wenn Wasps von Scott verletzte Gefühle und ihre Sorge um das Schicksal ihrer Mutter emotional präsent sind, wirkt sie als kompetente, eigenständige Person, die mit ihren Ideen und ihrem Können eine ganz eigene Qualität mitbringt. Michael Douglas ergänzt die beiden in seiner Rolle als Hank Pym um einen kauzigen, von sich selbst sehr überzeugten genialen Wissenschaftler, dem erst langsam klar wird, welchen Flächenschaden er durch sein Verhalten in der Vergangenheit angerichtet hat. Dennoch zeigt er als stolzer Vater und einsamer Mann auch weiche Seiten, die Douglas gekonnt in Szene setzen kann.

Auch in den Nebenrollen tummeln sich Schauspieler mit spürbarem Spaß an ihren abgedrehten Rollen – egal, ob es der schmierige, geldgeile Hehler Sonny Burch (Walton Goggins), Scotts ehemaliger Knastkumpel und jetztiger Boss Luis (Michael Peña) oder Scotts frech-liebevolle Tochter Cassie Lang (Abby Ryder Fortson) sind, alle beleben die Geschichte auf besondere Weise. Allenfalls Laurence Fishburne bleibt hinter den Erwartungen zurück und wird als Pyms ehemaliger Kollege Bill Foster vom feinsinnigen Mahner zu einem drögen Ersatzgewissen.


Klar driften die verschiedenen Ereignisse auch mal ins Lächerliche ab, aber da die Erzählweise der Story generell weniger gravitätisch, sondern eher dynamisch geraten ist, passt das gut zur vorhandenen, schnellen Abfolge von Momentaufnahmen. Der lockere Erzählstil lässt trotz düsterer Momente nie zu viel Trauerstimmung oder allzu kitschige Romance-Momente präsent werden, sondern bleibt der rasanten Superheldenaction mit irren Effekten weitgehend treu.

Bei »Ant-Man and the Wasp« lohnt es sich, die paar Extra-Euro für die 3D-Version zu berappen, da die genial choreographierten Kampfszenen von den 3D-Features reichlich Gebrauch machen und einen so umso mehr ins Geschehen einsaugen. Gerade das Spiel mit Verkleinerung und Vergrößerung lässt angesichts der extrem vorhersehbaren Gesamtstory bei den Kämpfen keinerlei Langeweile aufkommen und bietet immer wieder eine neue Idee oder ein Detail zum Lachen.


Wenn ein gegnerischer Minion im vollen Lauf gegen einen Salzstreuer in Riesengröße knallt oder Wasp Verfolger dadurch austrickst, dass sie den gefahrenen Transporter mal eben auf Winzgröße schrumpft, kommen ganz neue Möglichkeiten ins Spiel. Da verzeiht man als Zuschauer auch mal, dass wirklich große Überraschungen bei den Storywendungen ausbleiben und genießt entspannt einen amüsanten Popcorn-Kinoabend.

Fazit: Spaßiges Superheldenkino mit gut choreographierten Kampfszenen ohne allzu viel Tiefgang. Sieben von zehn möglichen Punkten.

Filmdetails:
Titel: Ant-Man and the Wasp
Originaltitel: Ant-Man and the Wasp
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 2018
Länge: 118 Minuten
Altersfreigabe: FSK12
Regie: Peyton Reed
Drehbuch: Chris McKenna, Erik Sommers, Paul Rudd, Andrew Barrer, Gabriel Ferrari
Darsteller: Paul Rudd, Evangeline Lilly, Michael Douglas, Michelle Pfeiffer, Laurence Fishburne, Hannah John-Kamen, Walton Goggins, Randall Park, Michael Peña, David Dastmalchian

Über Nerd-Gedanken

Nerd-Frau Mitte 30 und Kreative aus Leidenschaft, die permanent unter Ideen-Überdruck leidet. Schreiben, zeichnen und neue Welten entwerfen sind meine Hauptbeschäftigung. Man findet man mich im Netz überall dort, wo interessantes Rollenspiel und faszinierende Menschen locken.

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