Persönliches

10 Dinge, die ein Rollenspieler getan haben muss


Rückblickend auf nun über zwanzig Jahre Erfahrung mit Rollenspiel gibt es nicht mehr viel, was ich nicht schon ausprobiert habe - gerade deswegen nutze ich die Gelegenheit gerne, mal darüber nachzudenken, was sich für mich als bereichernde Erfahrung herausgestellt hat. In der aktuellen Folge des Eskapodcast geht es genau um dieses Thema, auch im Nerd Inn, bei NurderTim, der Seifenkiste und bei Jaegers.net findet ihr eigene Überlegungen der jeweiligen Autoren.

Ich möchte aber nicht die Liste anderer wiedergeben, sondern meine eigene aufstellen, weil ich das einfach interessanter finde - schließlich sind wir unterschiedliche Spieler mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Interessen. Hier kommt also meine Liste, zu der ich noch ein paar Gedanken beisteure. Vielleicht habt ihr ja auch Lust, eure eigene Liste aufzustellen (oder die von den anderen benutzte Liste zu beantworten) und als Artikel, Podcast oder Video zu beantworten - ich würde mich über Links in den Kommentaren freuen!

1. Einen Charakter eines anderen Geschlechts spielen

Das war eine meiner ersten Herausforderungen, in einem DSA-Chat-Rollenspiel auch mal einen Mann zu verkörpern. Ich war elend nervös, dachte bei jeder kleinen Sache, ich würde alles falsch machen - und habe mir, als es ums Flirten ging, dann bei einem Mitspieler Rat geholt. Inzwischen verkörpere ich sehr gerne männliche Charaktere, wenngleich ich befürchte, dass meine Männer immer einen gewissen Hang zum Machotum mitbringen, das mich jedes Mal aufs Neue erstaunt! Weiter habe ich mich jedoch noch nicht vorgewagt, wobei mich ein genderfluid Charakter sehr reizen würde.

2. Eine andere RP-Form als die für euch gebräuchliche ausprobieren

Gerade wenn ihr vor allem Tischrunden gewöhnt seid, ist das Rollenspiel in einer Online-Runde - oder gleich in schriftlicher Form in MMORPGs, Foren oder Chats - eine ganz neue und ziemlich spannende Erfahrung. Nicht zuletzt, weil es in solchen RP-Umgebungen abgesehen von klassischen Tischrunden in Onlineform in der Regel weit weniger umfangreiche Regelwerke gibt, nach denen man sich richten muss und ganz neue Settings möglich sind. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, so gut wie alles ausprobiert zu haben, was es im Bereich RPG-Möglichkeiten gibt - bis auf Voice-RP auf gemoddeten GTA-Online-Servern, aber irgendwann mache ich das sicher auch noch.

3. Eine RP-Runde als Spielleiter gestalten/einfach mal Spieler sein

Bei dieser Herausforderung geht es darum, die jeweils andere Seite kennenzulernen. Wenn ihr bislang ausschließlich Spieler wart, ist der Switch zum Spielleiter ein guter Einblick in die Aufwände, die für das Gelingen eines Abenteuers geleistet werden müssen. Wer ansonsten immer nur Spielleiter war, stellt sich der Herausforderung, die Kontrolle abzugeben und kreativ mit den gestellten Problemen umzugeben. Ich bin mit großer Freude beides und kann mir gar nicht vorstellen, entweder nur Spieler oder nur Spielleiter zu sein.

4. Bei einem komplett unbekannten System als unwissender, junger Charakter starten

Manchmal ist es am spannendsten, eine Welt ganz neu zu erleben, aus dem Blickwinkel einer Person, die viele Dinge noch nie gemacht hat. Bei einem entsprechend einfühlsamen Spielleiter und einer für ein solches Konzept aufgeschlossenen Gruppe erwarten euch viele spannende Erfahrungen - gute wie schlechte. Zwar kann man sich das Gefühl, das Hobby erstmal kennenzulernen, nicht zurückholen, aber doch zumindest einigermaßen nahe heran kommen. Das habe ich bislang noch nicht gemacht, möchte es aber unbedingt mal erleben.

5. Spielt eine von jemand anderem für euch ausgedachte Rolle und füllt sie mit eigenen Ideen

Ich spiele gerne mal NPCs für die Spielrunden oder bei den RP-Gemeinschaften anderer und schlüpfe mit Freuden in vorgefertigte Rollen, bei denen mir eine gewisse Freiheit bleibt, das Ganze auszugestalten. Es ist aber immer auch eine gewisse Herausforderung, weil es mich für gewöhnlich aus meiner persönlichen Comfort Zone herauszwingt und mir Rollen auferlegt, die ich mir sonst nicht suchen würde. Gerade als NPC sind solche Auftritte aber begrenzt, sollte ich also gar nicht damit zurecht kommen, ist das Ablaufsdatum ja vorhanden.

6. Spielt eine Rolle, die für eure Gewohnheit und euer Temperament sehr ungewohnt ist

Diese Herausforderung ähnelt dem 5. Punkt, aber dieses Mal sucht ihr euch selbst etwas aus, das sich von dem grundlegend unterscheidet, was ihr ansonsten spielt und was euch vertraut ist. Mögt ihr normalerweise eher strahlende Helden, sollte es ruhig mal was Zwielichtiges sein, spielt ihr sonst lieber Magier, wäre ein Krieger angesagt - oder ähnliches. Das Entscheidende ist, dass ihr über längere Zeit versucht, diese Rolle mit Liebe und Spaß zu spielen, um euren spielerischen Horizont zu erweitern. Das habe ich schon gemacht und es hat mich sehr bereichert. 

7. Probiert Live-Rollenspiel aus

Egal ob auf einem Fantasy-LARP-Con, einem Vampire Live oder einer anderen Gelegenheit, es ist eine sehr spannende Erfahrung, die Rolle nicht nur zu beschreiben, sondern sie wirklich darzustellen. Zu schwitzen, wenn man in voller Rüstung an einem Sommertag einen Hügel raufschnauft, um die Kräutersammler zu beschützen, als Priester einen Götterdienst mit vielen anderen LARPer-Teilnehmern zu leiten oder stundenlang mit anderen Magiern zu philosophieren - dadurch, dass die Spielerfahrung ganz nahe an euch dran ist, erlebt ihr eine ganz neue Form von Spielimmersion. Ich habe das schon mehrfach erlebt und genieße es immer wieder.

8. In einer Gruppe ohne Spielleiter spielen

Wenn man daran gewöhnt ist, dass ein Spielleiter alle Entscheidungen, Regeln und den Spielrahmen bestimmt, leidet die eigene Kreativität irgendwann zwangsläufig, man verlässt sich irgendwann zu sehr darauf, dass es irgendeine erreichbare Lösung gibt. Mit einer Runde, bei der die Spieler sich gegenseitig Herausforderungen stellen und man auf gegenseitige Rücksichtnahme wie auch  Ideen und Kooperation angewiesen ist, erlebt ihr Abenteuer auf eine ganz neue Weise. Es ist gewöhnungsbedürftig, aber auf jeden Fall ein interessantes Erlebnis - ich habe das bisher schon einige Male gemacht und finde es immer wieder spannend. Nicht zuletzt, weil es je nach Mitspielern eine sehr unterschiedliche Erfahrung sein kann.

9. Wirklich bei JEDER Entscheidung an einem Spielabend würfeln

Es geht doch nichts über ein gewisses Maß an Zufall - richtig skurrile Sachen entstehen, wenn man wirklich alles würfelt, was man am Abend zu tun vorhat. Egal, ob es um die Kleidungswahl geht, das Essen oder eine Entscheidung über die Gehrichtung, den Umgang mit Fremden oder mit welcher Waffe wie gekämpft wird. Das ist natürlich eher als Gag gedacht und braucht geduldige Mitspieler, aber um mal einen Spielabend der anderen Art zu erleben, ganz sicher eine Idee. Ich habe das einmal gemacht und einen dermaßen heftigen Lachflash erlebt, dass es mir lange im Gedächtnis geblieben ist. 

10. Eigenes RP-Material herstellen und mit anderen teilen

Etwas, das bei größerer Erfahrung auf jeden Fall für alle anderen Rollenspieler hilfreich ist, sind selbstgemachte RPG-Materialien. Es muss ja nicht gleich ein mehrseitiges Abenteuer sein, Würfeltabellen, selbstgemachte NPCs oder Locations sind ein guter Anfang. Die Community wird umso lebendiger, je mehr Ideen und Materialien wir miteinander teilen - und ich packe gern meine Ideen ins Blog, damit sie anderen Spielleitern nützlich sein können.

Über Nerd-Gedanken

Nerd-Frau Ende 30 und Kreative aus Leidenschaft, die permanent unter Ideen-Überdruck leidet. Schreiben, zeichnen und neue Welten entwerfen sind meine Hauptbeschäftigung. Man findet man mich im Netz überall dort, wo interessantes Rollenspiel und faszinierende Menschen locken.

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