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RPG-Blog-O-Quest #32: Dafür liebe ich meine (Mit-) Spieler!


Die 32. RPG-Blog-O-Quest von "Richtig spielleiten!" beschäftigt sich mit einem wichtigen, wenn nicht dem wichtigsten Element des Rollenspiels: den Mitspielern. Ohne geht's nicht, und mit der Art, wie andere sich im Rollenspiel geben, was sie tun und wie sie es tun steht und fällt jede Runde. 
Die RPG-Blog-O-Quest funktioniert folgendermaßen: ursprünglich von Greifenklaue und Würfelheld ins Leben gerufen, gibt es jeden Monat von unterschiedlichen Rollenspiel-Bloggern zu einem von ihnen gewählten Thema fünf Fragen, die man in einem Artikel, Video, Podcast oder auf andere Weise beantworten kann. Viel Spaß!

1. Man hat ja oft eine Vorstellung davon, wie eine Szene ablaufen könnte. Spieler sind legendär dafür, oft völlig unerwartete Wege zu finden. Was war für dich die tollste Abweichung?
Diese Abweichung war eigentlich etwas, das mich in den Wahnsinn getrieben hat - aber es war aus dem Grund langfristig gesehen toll, weil ich als Spielleiter wieder etwas sehr wichtiges gelernt habe. Der letzte Plot unserer Star-Wars-Militärgilde führte auf einen von der dunklen Seite der Macht verheerten Planeten und war entsprechend nicht gerade ein gesundes Umfeld. Die Spielercharaktere sollten, um den großen Gesamtplot lösen zu können, einen republikanischen Außenposten unter einer Kuppel infiltreieren, die von unbekannter Beschaffenheit war, aber wohl die negativen Umwelteinflüsse von außen filtern konnte. 
Die Spieler waren aber wegen der darüber gewonnenen Informationen steif und fest der Ansicht, dass es lebensgefährlich sein würde, die Kuppelgrenze zu durchschreiten, die aus einer Art Energiefeld bestand - und haben das in den ersten Plottagen vermieden, während wir Spielleiter uns die Haare rauften und verzweifelten, weil die eigentlichen Aufgaben unter der Kuppel lagen, nicht davor. Gelernt habe ich daraus, Infos an Spieler noch klarer herauszugeben und auch bei sowas noch mehr Wege zum Ziel einzuplanen - wir SLs waren gar nicht davon ausgegangen, dass die Kuppel ein Problem sein könnte ...

2. Huch, grober Fehler: Regel falsch angewendet, keine Idee, wie es weitergeht, Blackout, Liebeskummer – wie hat dein (Mit-)Spieler die Situation gerettet?
Wenn mal irgendwas blödes passiert, ist das in der Regel kein Problem. Klar ist es blöd, wenn man irgendwo was hakt, aber ich habe bisher nie erlebt, dass irgendein Mitspieler ausgetickt wäre oder sich daraus eine fruchtlose Diskussion entwickelt hätte. Fehler passieren nunmal, dass mal jemand schlecht drauf ist, weil er Stress im RL hat, ebenfalls. Meistens hilft eine kurze OT-Blase, in der man die Sache klärt und gut is - zumindest ist das die bevorzugte Methode, die ich bisher bei Mitspielern erlebt habe.

3. Ganz abstrakt: Wer sitzt an deinem Tisch? Taktiker oder Dramaqueen, Rechtsanwältin oder Grafikdesigner, Vater oder Tochter – keine Namen sondern Typen.
Ganz grob heruntergebrochen ist der Typus, der mich in überwältigender Mehrheit begleitet, wohl der des "netten, kreativen Menschen", ganz gleich, welcher Job ausgeübt wird oder welchen Familienstand vorherrscht. Manche meiner Mitspieler kenne ich bereits seit zehn oder mehr Jahren, manche seit fünf - allen gemein ist, dass sie Freude an Geschichten, an Erlebnissen, an abwechslungsreichen Charakteren haben und dass sie lieber gemeinsam spielen als einen Egotrip durchzuziehen. Ich kann also eher sagen, was nicht an meinem Tisch sitzt: Dramaqueens und Egomanen, denn die zerstören ein Spielumfeld mit ziemlicher Sicherheit, egal ob man nun virtuell unterwegs ist oder von Angesicht zu Angesicht. 

4. Auch abseits des Spieltisches sind Spieler Menschen und oft auch Freunde. Was hat dich im echten Leben am meisten an den Mitspielern beeindruckt?
Dass aus Mitspielern Freunde oder zumindest gute Bekannte geworden sind, habe ich zu Beginn dieses Jahres ganz deutlich gemerkt. Mein Kerl und ich waren durch die seit Monaten andauernde, anstrengende Hausrenovierung und den begleitenden Stress ziemlich mit den Nerven am Boden und ich weiß, dass ich zu dieser Zeit sehr dünnhäutig war und so manchen blöden Spruch gerissen habe. Statt Gegenwind zu bekommen, haben sie alle mit Verständnis reagiert, mich aufgefangen, gestützt, soweit es möglich war - und am Ende, als ich wieder einen klaren Kopf hatte, auch meine Entschuldigung für mein Verhalten akzeptiert. Besser geht's nicht - und nochmal danke dafür, wenn ihr das lest. Ihr seid ganz groß!

5. Welche Aktion deiner (Mit-)Spieler am Tisch ist für dich die großartigste, unvergesslichste, bereicherndste, albernste, unerwarteste gewesen, die du je erlebt hast?
Mit nun bald zwanzig Jahren RP-Erfahrung ist es unmöglich, einen einzigen Moment herauszugreifen, den ich als den tollsten, beeindruckensten etc. bezeichnen könnte. Aber ich will dennoch mal ein bisschen in der Erinnerung kramen.
Beispielsweise passierte im ersten gemeinsamen Abenteuer unserer aktuellen Star Wars: Edge of Empire-Runde ein für mich 'echter' Star Wars-Moment. Die Heldentruppe sollte in einer Cantina auf Tatooine einen Kontakt treffen, lief aber in einen Hinterhalt. Während sich der Gegnerchef, ein Trandoshaner-Söldner, vor unseren Leuten aufbaute und sie verhöhnte, wohl wissend, dass seine Kumpels im Raum nur auf ein bisschen Action warten, ging in unserer Gruppe jeder davon aus, dass man noch ein bisschen redet, oder zumindest ein paar Beleidigungen austauscht. Nicht so die corellianische Ex-Soldatin Tale - ihr Beitrag zum Gespräch bestand daraus, dass sie dem Trandoshaner ins Gesicht geschossen hat, und der Kampf ging los. Das kam in dem Moment so trocken, dass wir alle mit Lachflash im Teamspeak hingen. 
Vor einigen Jahren habe ich eine Vampire-The-Masquerade-Runde als Spielleiter geleitet, bei der sich die Vampire auf ein großes Fest in einer hochherrschaftlichen Villa einschleichen mussten, um ein wertvolles und wichtiges Schmuckstück zu fnden. Die Devise war, unter den Gästen nicht zu sehr aufzufallen. Nicht so unser Malkavianer: im Napoleonkostüm schmiss er erstmal gut gelaunt eine Runde Gratisschampus und lenkte so die Aufmerksamkeit auf sich, in deren Schutz alle anderen vorgehen konnten - aber bei Malkis muss man ja bekanntlich mit allem rechnen ...

Über Nerd-Gedanken

Nerd-Frau Mitte 30 und Kreative aus Leidenschaft, die permanent unter Ideen-Überdruck leidet. Schreiben, zeichnen und neue Welten entwerfen sind meine Hauptbeschäftigung. Man findet man mich im Netz überall dort, wo interessantes Rollenspiel und faszinierende Menschen locken.

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2 Eure Meinung zu den Nerd-Gedanken:

  1. Toll das du wieder mit dabei bist. Toll zu lesen...

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    1. Ich versuche es jeden Monat :) und hey, war ja auch mal an der Zeit, die Mitspieler zu loben, sie haben es verdient!

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