Buch

Rezension: Phasma


Die Widerstands-Spionin Vi Moradi wird auf dem Heimflug von einer wichtigen Mission von der Ersten Ordnung gefangen genommen. Schnell landet sie in einer Verhörkammer auf dem Sternenzerstörer »Absolution« und wird von Cardinal, einem Sturmtruppenoffizier in roter Rüstung, zunächst gefoltert und dann nach Informationen über Captain Phasma ausgequetscht. Cardinal ist neben Phasma einer der beiden Hauptausbilder junger Sturmtruppen und versucht, die Elitekämpferin aus ganz eigenen Gründen bei seinen Vorgesetzten in Misskredit zu bringen. 

Doch diese hat einflussreiche Unterstützer – und jedes Vorgehen gegen sie ist mit enormen Risiken behaftet. Vi Moradi beginnt mit einer gut zehn Jahre alten Erzählung über Phasmas Herkunft vom Planeten Parnassos, versucht aber gleichzeitig, Cardinal auf ihre Seite zu ziehen und eine Flucht aus dem Gewahrsam der Ersten Ordnung vorzubereiten. Je mehr sie Cardinal von Phasmas frühen Jahren berichtet, desto mehr verdichtet sich ein besorgniserregender Verdacht, der auch höchste Kreise bis hin zu General Armitage Hux nicht ausschließt …


Mit Deliah S. Dawsons Roman »Phasma« werfen wir erstmals einen längeren Blick in die Jugend und die ersten wichtigen Schritte des Werdegangs der Soldatin mit der ikonischen Chrom-Sturmtruppenrüstung. Eingebettet in die Rahmenhandlung von Vi Moradis Verhör durch Cardinal erhalten die Leser einzelne Blickpunkte auf Phasmas Entwicklung in Form einer Nacherzählung der Erlebnisse der jungen Stammeskriegerin Siv auf dem kargen, lebensfeindlichen Planeten Parnassos.
Siv wuchs in einem primitiven, noch von den Resten zivilisatorischer Einflüsse geprägten Stamm auf, dem auch Phasma und deren Bruder Keldo angehörten; ihr Blickwinkel ist stark von ihrem begrenzten Wissenshorizont und den Stammessitten geprägt.

Was zu Anfang dieser Erzählungshäppchen eine interessante Welt entstehen lässt, gerät spätestens im Mittelteil der Geschichte vor dem Fokus auf Phasmas Handeln und den Reaktionen der Umgebung darauf in den Hintergrund. So wird Siv als Erzählerin zu einer puren Ablaufzeugin degradiert, deren ursprünglich interessante Kultur und Persönlichkeit sich immer mehr verliert, je härter die Umgebungsbedingungen und Entscheidungen Phasmas werden.
Leider verliert die Gesamtgeschichte dann auch enorm an Fahrt, da die Autorin zu einem sehr detailverliebten Erzählstil neigt. Anstelle ausschweifender Umgebungsbeschreibungen hätte etwas mehr Tempo das Lesevergnügen deutlich vergrößert. Dass die Leser Phasmas Verhalten die gesamte Erzählung über nur in zweifacher Beobachterposition durch Siv und Vi verfolgen können, lässt zudem keine echte emotionale Verbindung zu ihr entstehen.

Durch dieses Stilmittel wirkt die namensgebende Hauptperson Phasma nahezu ausschließlich als machtgierige, egoistische Person, die für das Erreichen ihrer Ziele nicht nur sprichwörtlich über Leichen geht und sich stets danach orientiert, was ihr den meisten Gewinn bringt. Wirkliche Tiefe in der Charakterisierung Phasmas wird so nicht erreicht – sollte es das Ziel der Autorin gewesen sein, sie als echte Unsympathin und gefährliche Kriegerin zu zeigen, ist ihr das allerdings sehr gut gelungen. Es fällt nach den letzten Seiten des Buches nicht mehr schwer, Phasma als die skrupellose und brutale Person zu sehen, als die sie in den Filmen bereits charakterisiert wurde.


Zwar erfährt man als Star Wars-Fan im Laufe der Erzählung einiges Wissenswertes über die Sturmtruppen-Ausbildung der Ersten Ordnung unter Brendol Hux und das Verhältnis des späteren Generals Armitage Hux zu seinem Vater, welcher mit seinem Raumschiff auf Parnassus abstürzte und Phasmas Aufstieg in der Ersten Ordnung erst ermöglichte. Phasmas Wünsche, Gedanken und Motivationen bleiben jedoch stets verborgen und können nur durch ihr Tun und die wenigen Dinge, die sie tatsächlich spricht, erahnt werden. 

So werden gerade Vi Moradi im Zusammenspiel mit Cardinal sowie Siv zu weitaus interessanteren und tiefgründigeren Handelnden. Gerade die kurzen Verhörabschnitte zwischen den Phasma-Storyteilen empfand ich etwa ab der Mitte der Erzählung als deutlich spannender als die eigentliche Hauptstory. Nach einem eher zähen Mittelteil nimmt die Geschichte bis hin zu einem vielversprechenden Ende wieder Fahrt auf und lässt mich als Leserin mit dem Wunsch zurück, über Vi Morandi und Cardinal mehr erfahren zu wollen – Phasmas weitere Geschichte und ihr letztendliches Schicksal sind schließlich durch die Filme bekannt.

Diversitäts-Check: In »Phasma« herrscht ein bunter Mix an unterschiedlichen Haupthandelnden vor, bei dem kein Geschlecht als stärker dargestellt oder bevorzugt behandelt wird. Neben der überaus starken Kriegerin Phasma und deren machtorientierten Verhalten werden den Lesern weitere kompetente Personen wie Vi Moradi, Siv oder Cardinal präsentiert, deren Kenntnisse sich aus ihrer Umwelt, ihren Erfahrungen und ihrer Ausbildung ergeben.
Sivs weniger kampfwütige Natur und ihre Fürsorge für Clanmitglieder vermindern in kriegerischen Situationen nicht ihr Können, ihre Romanze mit einem Clanmitglied bestimmt nicht ihre Persönlichkeit oder Wahrnehmung.

Fazit: Abenteuergeschichte rund um Captain Phasmas Aufstieg, die einige Längen und wenig wirklichen Einblick bietet – nur für echte Fans. Sechs von zehn möglichen Punkten.

Buchdetails
Titel: Phasma
Originaltitel: Star Wars: Phasma
Autor: Delilah S. Dawson
Übersetzer: Andreas Kasparzak
Buch/Verlagsdaten: Blanvalet Taschenbuch Verlag, September 2018, Taschenbuch, 512 Seiten, ISBN-13: 978-373416150, 14,00€

Das Rezensionsexemplar wurde vom RandomHouse-Bloggerportal zur Verfügung gestellt - vielen Dank!

Über Gloria H. Manderfeld

2 Eure Meinung zu den Nerd-Gedanken:

  1. Ich finde die sechs Punkte berechtigt, denn das Buch war nur mittelmäßig. Die Story in der Gegenwart war soweit spannend, aber das endlose Rumgerenne auf Parnassos war irgendwann nur noch ein Mad Max Abklatsch. ��

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    1. Ja, leider ist das Ganze irgendwie ... schwierig. Ich hatte mir wirklich mehr erhofft, aber auch das Hoffen macht das Buch in meinen Augen nicht besser :D

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