Aloncor Torn

The Good, the Bad and the Jedi: Flammenfall


(21 NVC) Die Hitze in der Umgebung war fast körperlich fühlbar. Irgendwo über ihm war das Knacken eines Metallstreben zu hören, der durch die Flammen zu schmelzen begonnen hatte und sich verzog. Er konnte kaum richtig atmen, so heiß war die Luft um ihn herum, und erst, als er sich einen stabilen Schild mit der Macht erschaffen hatte, konnte er weiter vorwärts gehen.
Krachend ging neben ihm ein Stück der Decke zu Boden und Aloncor blickte sich eilig um. Irgendwo in der Fabrikanlage, die der Gang als Unterschlupf diente, mussten sie sich befinden. Der Eindruck von überwältigender Furcht und Todesangst, der gegen Aloncors Geist hämmerte, war so stark, dass es ihm schwer fiel, die Richtung zu bestimmen, aus der diese Eindrücke stammten.

Er versuchte sich zu konzentrieren, die Umgebung auszublenden, soweit es nur möglich war. An einem Ort, der vollständig in Flammen stand, an die kühlen Berghänge Tythons oder Alderaans zu denken, war etwas, das er sich als Jüngling oder Padawan bei seinen Konzentrationsübungen niemals ausgemalt hätte. Fauchend schoss neue Lohe aus einem Türrahmen in seiner Nähe heraus und zwang den Jedi, einige schnelle Sprünge vorwärts zu machen, tiefer in das Gebäude hinein. Inmitten der flackernden Flammen waren kaum noch Details zu erkennen, sodass er nur mit Mühe noch eine Ecke erspähen konnte, an der er für einen Moment innehalten konnte, um sich umzublicken. 

Eine Treppe hinauf eilend, folgte er der stärksten Emotion direkt hinein in einen Gang, dessen Wandträger bereits rötlich zu glühen begonnen hatten. Sein Kopf hämmerte, das Atmen fiel ihm in der verrußten und stickigen Luft immer schwerer. Aloncors Augen tränten in der Hitze, während er versuchte, zwischen den flackernden Flammen und dem gleißenden, fast weißen Rot irgend etwas zu erkennen.

Als ein unterdrückter Schrei aus dem Inneren der Flammen zu hören war, lief er voran, seine Geschwindigkeit mit der Hilfe der Macht verstärkend. Während die Bodenplatten unter dem Hämmern seiner Stiefel zu brechen begannen und hinter ihm durch das Gerippe der Stützbalken brachen, eilte er der fast körperlich spürbaren Todesangst entgegen, die sich in sein Innerstes wie ein Stich einbrannte.
Wieder fielen Trümmerteile in seinen Weg, denen er nur zum Teil ausweichen konnte. Er registrierte den empor zuckenden Schmerz an seiner rechten Schulter, setzte über mehrere bereits nahezu zerstörte Containerteile hinweg und wich einem Rest Plastoidfolie aus, die sich im Flammenmeer schnell verzehrte und fast an seiner Kleidung kleben geblieben wäre. 

Endlich hatte er den richtigen Raum erreicht. Der Grund für ihre Angst war sofort zu sehen, drei Kinder kauerten am äußersten Rand des vorherigen Vorratsraumes an einer großen Kiste, die noch die Flammen von ihnen ferngehalten hatte. Der Boden in der Raummitte war durchgebrochen, unten zuckten aus dem gähnenden Loch weitere Flammen empor. Für ein normales Lebewesen nicht zu überwinden, für einen Jedi jedoch ...

Seine Glieder schmerzten, als er mit einem gewaltigen Satz über den Abgrund sprang, sich den Jüngsten in den Arm zog und den beiden Mädchen bedeutete, sie sollten sich an ihm festklammern. Hinaus, hinaus! Die Hitze des Brandes schlug ihm entgegen, versuchte nach ihm und seiner wertvollen Fracht zu greifen, streckte ihre gierigen Hände aus, und irgendwo krängte das metallene Grundkonstrukt des Gebäudes, kreischte seinen Verfallensschmerz in die Nacht hinaus wie ein abstürzendes Raumschiff.
Blaue Blüten, dachte der Jedi, und dann explodierte etwas hinter ihm, rollte wie Donnergrollen unter seinen Füßen entlang und riss ihn in einer gewaltigen Woge mit nach vorn, und irgendwo in dieser brennenden, eiskalten, weißen Hitze spürte er, dass er flog, und flog ...


Tief durchatmend blieb der Jedi eine ganze Weile lang auf seinem Schlafplatz aufrecht sitzen und wartete darauf, dass der Schweiß auf seiner Haut zu trocknen begann. Es war nicht der erste Traum dieser Art und er wusste, dass es noch weitere geben würde. Seit ihn die Visionen verlassen hatten, träumte er. Bunt, farbig, auf eine Weise lebensecht, die er nicht so recht greifen konnte. Matt blinzelte er in die Düsternis seiner Umgebung, bei der er nur die Umrisse der Einrichtung in seinem Raum erkennen konnte. Schon meldete sich der Kopfschmerz zurück, den er einfach nicht loswerden konnte. Er war wie ein alter Bekannter, dem man schon lange nichts mehr zu sagen hatte, und der dennoch immer wieder hereinschneite, um sich auf dem eigenen Sofa breitzumachen und dort länger herumzugammeln, als es einem recht war.

Manchmal bezweifelte Aloncor Torn, dass es in der Galaxis einen hässlicheren Planeten gab als diesen. Einen mit noch weniger Hoffnung. Mehr Kriminalität. Weniger Verzweiflung. Auf seiner inneren Landkarte der Orte, an denen er wahrlich nicht sein wollte, rangierte Orsek-Thau ganz weit vorne, nahezu konkurrenzlos selbst noch vor dem Milliardenplaneten Coruscant und dem Verfall auf Nar Shaddaa. Der allerletzte Ort, an dem ein Empath Zuflucht suchen würde, wenn die Galaxis zu einem unsicheren Ort geworden war. Und doch war er auf diesem Planeten gestrandet, allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz.

"Baba Alo, Du bist ja wach. Brauchst Du etwas?" Die junge Frau mit den schulterlangen, zu Dreads geformten Haarsträhnen und der wilden Tätowierung auf ihrer linken Gesichtshälfte hatte sich seiner Liegefläche genähert und sich daneben abgekniet. Sie blickte Aloncor mit demselben liebevollen Lächeln entgegen wie an jedem Tag und hielt ihm eine einfache Schale mit Suppe entgegen. In ihren Emotionen zu lesen fiel ihm leicht, und es schmerzte ihn innerlich, dass sie stets gleich blieben, egal wie gleichgültig er sie behandelte. Es war erst vier Jahre her, dass er sie, ihre Schwester und beider besten Freund aus der Flammenhölle gerettet hatte, doch seitdem galt ihm ihre Liebe, ohne dass sich daran etwas geändert hatte.

"Danke, ich brauche nichts. Ich bin in einer halben Stunde bei euch," sagte er freundlich und nahm die Schale Suppe entgegen, sehr genau darauf achtend, dass sich bei der Übergabe beider Finger nicht berührten. Ari schenkte ihm einen letzten Blick voller stiller Sehnsucht, bevor sie sich in den Vorraum zurückzog und Aloncor seinem frugalen Frühstück überließ. Glücklicherweise waren Jedi an ein entbehrungsreiches, sehr gemäßigtes Leben gewöhnt, sodass er seine Suppe trotz allem an jedem Morgen genießen konnte.

In der stickigen Luft seiner Unterkunft war deutlich der Geruch nach geschmolzenem Metall wahrzunehmen. An der Luft war in Sektor Lesk immer zu riechen, womit sich die großen Fabrikanlagen am jeweiligen Tag beschäftigten. Wo auf dem Huttenmond die Vergnügungs- und Produktionssektoren strikt getrennt lagen, gab es hier nur Produktion.
Die elenden Slums der in ärmlichsten Verhältnissen lebenden Arbeiter aller Art hatte man irgendwo zwischen die großen Fabrikgebäude gequetscht, so tief im Inneren des Konglomerats der Produktion eingearbeitet. Ein Leben unter grausamen, harten Bedingungen, dem man nur mit Alkohol oder anderen Drogen entkommen konnte. Ein Leben unter der schwachen Sonne des Ors-Systems, welche so trübe schien, dass die meisten Bewohner von Orsek-Thau sie in ihrem Leben nur wenige Male überhaupt erblickten.

Künstliches Licht kostete Ressourcen, welche die Arbeiter selten hatten, also wurden billigere Möglichkeiten genutzt. Das Industriekonsortium, welchem die Fabrikanlagen gehörten, kannte die Verhältnisse, welche unter ihren Arbeitern herrschten, doch zog es vor, nur für die Sicherung der Anlagen und der wenigen öffentlichen Einrichtungen zu sorgen, sodass sich in den Slums eine eigene Form der Ordnung etabliert hatte. Bandenkriege waren an der Tagesordnung, zumindest waren sie das in Sektor Lesk gewesen, bevor ein Industriekomplex in Flammen aufgegangen war.
Bevor ein Jedi-Diplomat die zwei Töchter eines Bandenführers und den Sohn eines anderen Bandenführers gerettet und dafür sein Leben eingesetzt hatte. Als er seine Suppenschale geleert hatte, tastete Aloncor über seine vernarbte Wange, dann den Hals, schließlich seine nackte Schulter, die deutliche Spuren der Ereignisse zurückbehalten hatte.

Diese sichtbaren Zeichen seines Mutes hatten ihm einen überraschend guten Ruf eingetragen und er war respektiert worden. Aus Respekt war Aufmerksamkeit geworden, und aus Aufmerksamkeit schließlich ein vorsichtiger, brüchiger Frieden zwischen zwei Gruppierungen, die sich zuvor bis aufs Blut bekämpft hatten. Mit dem Frieden hatten sich einige Dinge in Sektor Lesk verändert, zum Besseren gewandelt, denn anstelle sich dauerhaft gegeneinander zu wenden, konnte man nun Vorhaben miteinander angehen.

Langsam stemmte er sich von seinem Lager empor und griff nach dem Stock, den er als Gehhilfe verwendete, um sich zur Waschschüssel zu begeben. Es war gar nicht so leicht, einbeinig genug Balance zu behalten, um sich grundlegend mit einem Waschlappen zu reinigen, aber inzwischen hatte er genug Übung darin. Unter der bodenlangen, einfachen Robe als Überwurf und der weit fallenden Hose fiel das Fehlen des Beines nicht groß auf.

So gesehen hatte er ein Bein und sein einstmals relativ symmetrisch attraktives Gesicht gegen eine Art Frieden eingetauscht. Gar kein so schlechter Handel, murmelte Aloncor zu sich und ging auf die Tür zu. Auch heute würde es wieder Ganger geben, die gegen die Männer und Frauen der anderen Gruppierung vorzugehen versuchten, und auch heute würde es seiner Worte bedürfen, um diese wieder zusammenzuführen.
Aber das war es doch, wofür Jedi schließlich existierten: um dort zu helfen, wo Hilfe gebraucht wurde, um dort etwas zu verändern, wo sich etwas verändern ließ. Selbst wenn sie nicht als das auftraten, was sie waren. Das einzige, das ihm an diesem kopfschmerzbehafteten Ort wirklich fehlte, war unerreichbar.
Blaue Blüten, dachte er und seufzte. Wenigstens lebte sie noch, irgendwo da draußen.
Vielleicht würde er sie eines Tages wiedersehen.

(Disclaimer: Header-Art stammt aus dem eingestellten Star-Wars-Game '1313' und ist nicht von mir erstellt)

Über Nerd-Gedanken

Nerd-Frau Mitte 30 und Kreative aus Leidenschaft, die permanent unter Ideen-Überdruck leidet. Schreiben, zeichnen und neue Welten entwerfen sind meine Hauptbeschäftigung. Man findet man mich im Netz überall dort, wo interessantes Rollenspiel und faszinierende Menschen locken.

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