Gaming

Täglich grüßt der Grind


Es könnte so schön sein: viele verschiedene spielbare Rassen und verbündete Völker, schicke Ausrüstung, interessante Erlebnisse in den neuen Gebieten, spannende Azeritexpeditionen und Kriegsfronten. Aber schon weit vor dem Start der neuen World of Warcraft-Erweiterung "Battle for Azeroth" war klar, dass auf Spieler, die eines der verbündeten Völker würden spielen wollen, eine Menge Arbeit zukommen würde.

Arbeit in Form von so vielen absolvierten täglichen Quests für die jeweilige Voraussetzungsfraktion, bis diese schließlich das ehrfürchtige Ruflevel erreicht hätte. Wer jetzt noch versuchen muss, Hochbergtauren, Leerenelfen und lichtgeschmiedete Draenei freizuschalten, muss sich quer durch die Gebiete der vorherigen Erweiterung ackern, für die Nachtgeborenen wartet zudem die gesamte Suramar-Questreihe als eine der Freischaltungs-Voraussetzungen.  

Derzeit warten zwei weitere Völker auf eifrige Spieler: sowohl die Mag'har-Orks als auch die Dunkeleisenzwerge erfordern nicht nur den ehrfürchtigen Fraktionsruf für entweder die Truppen der Horde oder Allianz, sondern auch eine komplett durchgespielte Kriegskampagne. Die einzelnen Stationen der Kriegskampagne werden ohnehin mit steigendem Ruf freigeschaltet, sodass man hier nichts extra farmen muss, aber dennoch bleibt einiges an Weltquestfarmerei übrig, um irgendwann endlich den ehrfürchtigen Ruf zusammen zu haben. Irgendwann demnächst kommen dann noch die Zandalari-Trolle und die Kul Tiras-Menschen mit dazu - und, ihr könnt es euch denken, die nächsten beiden Fraktionen, für die es ehrfürchtigen Ruf braucht.

Klar konnte man diesen Rückschritt als Vorbesteller von "Battle for Azeroth" vermeiden und für die Freischaltungen dieser vier Völker questen, während "Legion" noch aktuell war - aber nicht jede/r Spieler/in hat ein so bequemes Zeitkontingent oder ganz generell die Möglichkeit, immer dann zu zocken, wenn man gerade Lust darauf hat. Inzwischen gehöre ich selbst zu den vielgeschmähten "Casualgamern" mit nicht unbedingt viel Zeit für ausschweifendes Dauerzocken und stelle fest, dass das ein paar Probleme mit sich bringt.

So gerne ich selbst mal bei der ein oder anderen Weltquest entspanne, gerade wenn meine Zeit nicht für den eifrigen Besuch von Dungeons oder gar Raids reicht, sind sie neben den Inselexpeditionen die einzige Rufquelle, sollte man das Ganze nicht gerade durch eine Gesandtenquest erleichtern können. Und das wird nach dem x-ten Tag nacheinander einfach nur langweilig und fühlt sich an, als müsste ich meinen Haushalt erledigen - nur eben in einem Spiel. 
Zuerst Wäsche waschen, dann Geschirr spülen, danach den Boden putzen und den Müll 'rausbringen - dann hat man die vier Weltquests für den Gesandten "Real Life" durch und gewinnt 1500 Rufpunkte in der "Hausfrau"-Spalte - oder so. 

Und genau so wenig ansprechend wie diese Liste ungemein spannender Reinigungstätigkeiten sind die vom Prinzip her stets gleich bleibenden Weltquests, bei denen auch ein anderer Ort und anders aussehende Mobs nicht viel retten können. Ganz zu schweigen davon, dass man für das Erreichen derselben von Flugpunkt zum Questort und zurück zum Flugpunkt hoppelt. Man vertut also recht viel Zeit damit, durchs Land zu gondeln, da im neuen Gebiet das Fliegen als Fähigkeit noch nicht freischaltbar ist und - oh Wunder - durch noch mehr Fraktionenrufgrind in zwei verschiedenen Erfolgsabschnitten erfarmt werden muss.

Es hat mich schon während "Legion" gestört, dass sich das Spiel irgendwann nur noch wie eine endlose Liste zu erledigender Tätigkeiten angefühlt hat, um ein paar weitere Spieloptionen wie neue Völker oder eine Komfortfunktion wie das Fliegen zu bekommen. Gerade wenn die Zielvorgabe ein ehrfürchtiger Ruf ist, für den man in der letzten Stufe 21000 Rufpunkte sammeln muss, von denen es pro Quest maximal 175, meistens nur 75 als Belohnung gibt, kann sich jede/r selbst ausrechnen, wie viele gleichförmige, töte-dies- und sammle-das-Weltquests absolviert werden wollen. 


"Battle for Azeroth" punktet bisher mit tollen Questreihen zu Kul Tiras und Zandalar, aber ausserhalb dieser Quests bekommen wir als Spieler denselben langweiligen Driss serviert wie schon bei "Legion" - und auch bei "Legion" war das Dauerfarmenmüssen für mich irgendwann ein Grund, mein Abo wieder zu kündigen. Spaß gemacht hat mir dabei nur die Suramar-Questreihe, alles andere habe ich mir angetan, weil ich es für das Ziel "reiten" und "verbündete Völker" tun musste.

Selbst die als abwechslungsreich angepriesenen Inselexpeditionen verlaufen nach Schema F: rauf auf die Insel, möglichst große Mobgruppen zusammenziehen, Mobs wegbomben, und das Ganze wieder von vorn, bis man eben die geforderte Azeritmenge zusammen hat. Sicher wird das Prinzip durch die verschiedenen Schwierigkeitsgrade und den höheren Ausrüstungs-Standard anspruchsvoller, aber im Grunde ist es auch nur dasselbe wie ein Dungeonbesuch, bei dem viele Spieler ganz genauso vorgehen, wenn es um die Beseitigung von Trashmobs zwischen den (abwechslungsreicheren) Bossen geht.

Echte Innovationen fehlen also seit mindestens einem Addon - und das wundert mich, da Blizzard es bei anderen Titeln wie Overwatch oder Heroes of the Storm durchaus schafft, durch immer neue Modi und kreative Ideen Abwechslung ins Spiel zu bringen. Oder sind MMORPG-Spieler generell unkritischer, wenn sie immer wieder einen lauen Aufguss vorheriger Spielprinzipien serviert bekommen, Hauptsache schickere Ausrüstung und neue Bosse? Wehren wir uns weniger, wenn es mal nicht um die Klassenbalance, Lootboxen und Schadenszahlen geht?

Für mich ist "Battle for Azeroth" nach dem Durchspielen der Questreihen auf beiden Fraktionen am gleichen Punkt angekommen wie "Legion" nach meinem ersten 110er-Charakter: ich frage mich innerlich jedes Mal aufs Neue beim Einloggen, ob ich mir den zu erwartenden Farm-Aufwand wirklich geben will und jeden Tag klingt meine Antwort darauf ein bisschen weniger motiviert. 

Es ist eben wie in diesem spaßigen Film "Täglich grüßt das Murmeltier", in dem der Hauptheld denselben Tag immer und immer wieder erlebt und er durch eine ewig scheinende Durststrecke durch muss, bis er endlich eine Lösung für sein Dilemma findet. Mein Ende des Dilemmas wird vermutlich erreicht sein, sobald ich irgendwann die ehrfürchtigen Rufstufen erreicht habe und mir in ein, zwei größeren Patches auch das Reiten freischalten konnte - ob ich dann aber noch Lust habe, das Spiel weiter zu zocken, bezweifle ich derzeit enorm...

Über Gloria H. Manderfeld

3 Eure Meinung zu den Nerd-Gedanken:

  1. Man könnte dir als Jahrelanger WoW Spieler wie ich es bin jetzt Majestätsbeleidigung vorwerfen, oder einfach mal Kritisch betrachten was du alles aufgezählt hast und sehen: Irgendwie hast du ja recht.

    Es ist auch unter den Spielern welche ich kenne und mit denen ich zusammen spiele kein seltenes Phänomen das einem das spiel einfach langweilt. Das man keine Lust mehr auf die Nächste Weltquest hat oder einfach gelangweilt ist wenn man in ein Dungeon/bg/Inselexpidtion etc. geht.

    Etwas was mir dabei immer durch den Kopf geht: Wie könnte man es besser machen? Und egal wie ich mich selbst drehe oder wende... ich finde keinen weg. Entweder das spiel und Grundprinzip eines MMO wird soweit verbogen das es kein MMO mehr wäre, oder der Lösungsweg ist scheiße.
    Vielleicht sollten wir uns auch einfach damit abfinden, das ein Spielprinzip nicht für immer unsere Freizeit Beschäftigung sein kann. Auch wenn ich Skat gerne spiele, wenn ich es 8 Stunden am Tag tue hängst es mir aus dem Hals heraus, selbst wenn die Entwickler immer wieder neue kreative regeln dafür erfinden würden.

    Ich denke wenn man akzeptiert, das der Entwickler hier grenzen hat über die er nicht hinaus kommt, und sich selbst umschaut nach alternativen (erstaunlicherweise sind alle meinen anderen spiele keine MMO -> wobei ich swtor nicht mit zähle da ich es ausschließlich für RP spiele) sucht. dann kann man auch etwas für sich finden was einem motiviert.
    Für mich sind es die Mitspieler, Freunde und bekannte mit denen man zusammen das Spiel erkundet, darüber spricht, es zusammen spielt. Deswegen bleibe ich dabei und... nun ja der Grind gehörte auch schon vor 15 Jahren dazu. Nur damals war er... neu!

    Aber vielleicht bin ich auch einfach nicht kreativ genug und alles was ich hier schreibe ist Unsinn. Vielleicht gibt es tatsächlich einen weg es besser zu machen. Nur ich wüsste keinen.

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    1. Ich bin WoW-Spielerin seit Release und kenne die teilweise abartigen Zeiten noch gut, die ich mit Mobkillen verbracht habe, um Level 60 zu erreichen - das waren noch Zeiten, die ich ehrlich gesagt nicht so sonderlich vermisse ;) aber der Ruf-Grind war für mich auch früher schon nervig wie die Pest, und das sage ich als eine dieser Verrückten, die sich die Netherschwingendrachen und den flammenden Hippogryph ergrindet hat - aber damals waren es deutlich weniger Fraktionen, die man auf ehrfürchtig treiben musste, nicht mindestens sieben für den ersten Teil des Fliegens. Sie übertreiben es inzwischen einfach mit diesem Spielelement, um die Dauerzocker auch so lange wie möglich zu beschäftigen, während man als Casual gefühlt wirklich ewig lange ackern muss. Ist einfach die Frage, ob sich das Grinden für einen lohnt oder nicht, und ich muss sagen, ich bin inzwischen immer weniger bereit, so endlos viel Zeit reinzustecken.

      Ob und wie man es anders machen könnte: Ich denke, sie könnten abwechslungsreichere Quests machen, und davon schlicht mehr als das, was bisher vorhanden ist. Mehr unterschiedliche Spielmodi abseits von Dungeons und Raids, vielleicht mehr kooperative Spiele - und seien wir ehrlich, Blizzard verdient mit WoW eine Menge, Menge Geld. Sich dafür eine Entwicklungsabteilung für ungewöhnliche Ideen zu leisten sollte nicht so schwer sein.

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  2. Wenn Sie das Spiel auf Ihren Computer herunterladen möchten, lesen Sie pc spiele kostenlos downloaden. Laden Sie Ihre Lieblingsspiele kostenlos herunter. Finden Sie heraus, welche Spiele am beliebtesten sind, und laden Sie sie kostenlos auf Ihren Computer herunter.

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