Fallout 76

Fallout 76: Euer Raid ist Grütze!


Eigentlich mag ich Fallout 76. Ich spiele es seit der Beta-Phase, und ich glaube, ich hatte inzwischen wirklich jeden nervtötenden Bug, den dieses Spiel nach wie vor hat. Es hat mich nicht daran gehindert, eine inzwischen über 70 Folgen andauernde Let's Play-Reihe auf meinem YouTube-Channel aufzunehmen und eigentlich habe ich noch immer Spaß an diesem von vielen verteufelten Spiel.
Aber - und jetzt kommt das große, dicke "aber", das mich momentan heftig am Entwickler zweifeln lässt - der neue Raid zeigt mir, dass sich Bethesda anscheinend nicht genug Gedanken darüber gemacht hat, was Spieler wirklich interessiert. 

Das Ganze klang ja eigentlich vielversprechend: Eine instanzierte Umgebung im bislang verschlossenen Vault 94 mit drei Schwierigkeitsgraden, in der bis zu vier Spieler versuchen dürfen, die jeweils wöchentlich wechselnde Aufgabe hinzubekommen. In der ersten Woche, direkt nach Release des Vault 94-Patches, musste man beispielsweise die Wasserpumpenanlage reparieren, damit der Vault und damit die darin befindlichen Spieler nicht absaufen. So weit, so gut.

Gegnerhorden statt Bosstaktiken


Allerdings scheinen die Entwickler total vergessen zu haben, was Raids interessant macht - oder sie haben einfach nicht genug World of Warcraft, Star Wars: The old Republic, The Elder Scrolls Online und andere MMORPG-Veteranen mit zig unterschiedlichen Raids im Spiel angeschaut, um sich ein gutes Beispiel zu nehmen.

Spannende Bossmechaniken beispielsweise sind für Raidfans ein Knackpunkt - herauszufinden, wie man einem schwierigen Boss passend den Garaus machen kann, ist eine der Hauptherausforderungen beim Raiden. Und dann natürlich die Anwendung der jeweiligen Gegenmittel, um am Ende triumphierend wertvolles Loot einzusacken! 

 
Beim Vault 94-Raid sehen die Kämpfe aber so aus: Eine Horde an Gegnern spawnt aus dem Nichts und muss umgehauen werden. Dann die nächste Horde, und achja, kaum hat man einen Questfortschritt erzielt, steht die nächste Gegnerhorde direkt vor den eigenen Füßen. 

Je nachdem, wie weit ihr bei der Quest bereits gekommen seid, wird die Horde noch durch bockschwere Elitegegner ergänzt. Steht ihr beim Bekämpfen gerade in einer ungünstigen Ecke des Vaults oder wurdet ihr von den Gegnern in einem Gang eingekeilt, liegt ihr schneller auf dem Boden, als ihr "Raid" sagen könnt.
Taktik? Konnte ich ausser 'nutzt Waffen mit ganz ganz viel Flächenschaden' nicht erkennen. Auch die Bossmobs brauchen vor allem eines: Ein massives Pfund Schaden mitten ins Gesicht, und davon ganz schnell ganz viel.

Wer braucht denn schon Loot?


Habt ihr die Gegnerberge endlich mal am Boden und eure Truppe steht noch, stellt ihr schnell fest, dass der Teufel im nächsten Detail steckt. Loot ist nämlich auch Fehlanzeige - mit etwas Glück klaubt ihr Kronkorken aus den Leichen und eben das sonstig übliche Zeug aus der Standard-Lootliste. Mehr gibt's nicht, da es Fallout 76 nach wie vor nicht geschafft hat, den Lootbug, der auch bei schwersten Gegnern keine lohnenswerte Beute bringt, aus dem Spiel zu entfernen. 

Leute, die den Raid geschafft haben, wurden sogar nur mit einem Standardgegenstand belohnt - einem Bohrer. Angesichts der Tatsache, dass in Fallout 76 Munition, Heilgegenstände, Waffen- und Rüstungsreparaturressourcen und bessere Ausrüstung definitiv nicht auf Bäumen wachsen, sondern selbst mühsam hergestellt und erfarmt werden müssen, ein richtig harter Schlag ins Spielergesicht.

Stört ihr euch nicht am totalen Fehlen von interessanten Gegnern und interessantem Loot, könnte es noch einen Aspekt geben, der euch auch als Hardcoreraider in die Verzweiflung treibt: Wurden alle Mitglieder eurer Gruppe auf den Boden geknüppelt und das Team damit gewiped, fliegt ihr aus der bisherigen Raidinstanz heraus und steht wieder vor dem Zugang zu Vault 94, alle Questfortschritte sind dann zurückgesetzt - ihr dürft also von vorn beginnen, wenn ihr wissen wollt, wie die jeweilige Geschichte ausgeht. 

Und täglich grüßt das Murmeltier ...


Wenn es eine Mechanik gibt, die ich wirklich für Raidfeindlich halte, dann ist es diese - denn Spieler werden damit dafür bestraft, dass sie beim Versuch, eine Aufgabe zu meistern, auch mal vor einem Problem stehen und scheitern. Ich kenne kein MMORPG, das so hart mit Spielern bei einem Raid umgesprungen wäre. Zum Raiden gehören Wipes mit dazu, gerade wenn man neue Mechaniken ausprobiert oder die Ausrüstung vielleicht nicht zum Boss passt.

Ein dummer Fehler - oder, bei Fallout 76 durch die nach wie vor akuten Performanceprobleme und Waffennutzungsbugs mal irgendein unvorhergesehener Hakler - und alles, was ihr bislang an Munition, Stims und anderen Ressourcen ausgegeben habt, ist einfach für den Lokus.


Bethesda, ich bin, was Fallout 76 angeht, wirklich schmerzresitent und ich verzeihe vieles, habe dem Spiel immer die Stange gehalten. Aber ein Raid, dessen Mechaniken und Loot im Grunde nichtexistent sind und dessen Todesmechanik Spieler bestraft, selbst wenn sie nicht zwingend Urheber eines Fehlers sind, gehört nochmal dringend überarbeitet. Gebt den Spielern doch endlich einen Testserver und werft nicht immer unausgegorene Grütze auf die Liveserver, damit es dann die Leute, die euch lange die Stange gehalten haben, auch noch verprellt!

So macht das Ganze jedenfalls nicht wirklich Spaß - und momentan habe ich die starke Befürchtung, dass ihr das "Wastelanders" Update genauso versemmeln werdet wie diesen Raid, gegen den sogar eine Wurzelbehandlung mehr Spaß macht. Bei einer Wurzelbehandlung hat man nämlich die Aussicht darauf, dass der Schmerz irgendwann endet.

Über Gloria H. Manderfeld

2 Eure Meinung zu den Nerd-Gedanken:

  1. Sehr gut geschrieben eure Spektabilität!

    gez.
    Dukator-Devanemn, Adept der grauen Magie der Mitte

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    1. :D Danke ...aber Spektabilität ist dann doch ein bisschen zu hoch gegriffen, meinste nicht? ^^

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